Sonntag, den 13. Mai 2012 um 20:23 Uhr
Die drei Autoren dieses Beitrags haben im Rahmen ihrer Forschungen zum Thema Sprache gemeinsam einen Text von Jacques Derrida gelesen, den sie im Folgenden versuchen zu kommentieren und zu „entschlüsseln“. Es handelt sich um Derridas Aufsatz „Babylonische Türme“, der selbst ein Kommentar zu Benjamins berühmten Text „Die Aufgabe des Übersetzers“ ist. Die folgenden Seiten sind also ein Kommentar des Kommentars zum Thema Sprachverwirrung, Übersetzung, Namensgebung, das so alt ist wie die Geschichte vom Turmbau zu Babel – und so neu wie jeder Tag der Begegnung unterschiedlicher Menschen in dieser vielfältigen Welt.
von Katrin Funke, Frank Hahn, Reinhard Hildebrandt
Freitag, den 27. April 2012 um 20:25 Uhr

Henry Kissinger definiert für den Zeitraum von 1945 bis zum Ende des Ost-West-Konflikts (1990) das Verhältnis der USA zur konkurrierenden Sowjetunion nicht als Herausbildung und Funktionsweise einer dualen Hegemonie, sondern versetzt beide zusammen mit China in ein Dreiecksverhältnis unterschiedlich mächtiger, aber prinzipiell gleichrangiger Kontrahenten. Zur Erhaltung des Kräftegleichgewichts zwischen diesen drei Polen sei die atomare Abschreckung eine unbedingte „Notwendigkeit“ gewesen, behauptet Kissinger. Darin ist er sich mit seinem späteren Außenministerkollegen George Shultz, dem früheren US-Verteidigungsminister Bill Perry und dem ehemaligen US-Senator Sam Nunn einig. Für die Zeit nach dem Ost-West-Konflikt vertritt er jedoch die Auffassung, dass eine von nuklearen Waffen freien Welt die bessere Alternative darstellt. Welcher Paradigmenwechsel verbirgt sich hinter dieser neuen Rationalität bzw. von welcher Theorie hat sich der Stratege Kissinger verabschiedet? Ein Blick in den Epilog des Buches vermittelt mehr Aufschluss (Kissinger, Henry, On China, London, 2011)
Von Dr. Reinhard Hildebrandt
Dienstag, den 17. April 2012 um 20:47 Uhr
Gedanken zum Anti-Semitismus heute und gestern
Wie anti-semitisch ist unsere Gesellschaft noch oder schon wieder? Die Frage wird gerade in diesen Wochen verstärkt aufgeworfen – Antworten aber, die sich als offen zu haltende Fragen läsen, gehen im Getöse des Meinungsstreits unter oder werden erst gar nicht ausgesprochen. Wir wagen an dieser Stelle zumindest einen Zwischenruf zum Thema – unter Bezugnahme auf Überlegungen des Philosophen Jean-Francois Lyotard.
Von Frank Hahn
Freitag, den 10. Februar 2012 um 21:37 Uhr
China, “a socialist state under the democratic dictatorship of the people”, is in a state of transition today that outsiders would hardly be in a position to fathom. Perhaps those in power would themselves not have too clear a picture. Whether the information that is freely available provides a realistic analysis of the existing situation is anything but certain. The present work draws from both personal impressions as well as reports. Most importantly, it provides the tools for obtaining a more exact picture, based on the theoretical analysis it undertakes.
By Dr. Reinhard Hildebrandt
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Freitag, den 27. Januar 2012 um 22:48 Uhr
Dem Athen des 5. Jahrhundert v. Chr. verdanken wir zwei kulturelle Ereignisse, deren globaler Erfolg bis heute nicht zu überschätzen ist: die Tragödie und Sokrates. Die zeitnahe Entstehung argumentativ operierender Philosophie und dramatischer Kunst in der attischen Polis ist keine zufällige Koinzidenz. Vielmehr entwickelt sich die philosophische Reflexion des platonischen Sokrates, Mitbürger und Gesprächspartner von Sophokles und Euripides, in Konkurrenz zur Kunst der Tragödie, die sie einerseits mit einer inhaltlichen, insbesondere ethisch-politischen Kritik und andererseits durch eine Transformation des Dramas in den Dialog abzulösen beansprucht. Richtet sich die inhaltliche Kritik gegen den von der Tragödie vorgeführten Bruch zwischen dem gutem, im sozialen Zusammenhang der Polis sich behauptenden Leben und der es leitenden Rationalität, nimmt die Form der platonischen Philosophie das Dialogische auf, um es von seiner bis zur Peripethie zugespitzten Dramatik und der Funktion des Chores zu trennen. Beides, die inhaltliche Kritik an der Tragik der Tragödie und die Auflösung der Tragödie in den Dialog und seine sich „diesseits von Tragik und von Komik“ entfaltende Dialektik, hat nach Platon allerdings nicht zur endgültigen Aufhebung der Tragödie oder zu ihrem seit Nietzsche mehrfach proklamierten „Tod“ durch Reflexion geführt.
Von Asmus Trautsch
Montag, den 02. Januar 2012 um 00:00 Uhr
Man kann sich gegen Ende des Jahres 2011 kaum vor Jahresrückblicken retten. In selbigen werden aber eher konstruierte Zusammenhänge gezeigt: So sieht man dann innerhalb einer Minute Bilder von der Strahlung in Fukushima und dem strahlenden Glamour der Hochzeit von Prinz William und Kate. Trivialerweise ist richtig, dass in 2011 viel passiert ist in Deutschland, in Nordafrika, im Nahen Osten, in Japan, aber auch in unserem Denken und unseren „Werten“, wo vieles was in 2010 noch als wichtig erachtet wurde, unwichtig oder gar falsch geworden ist. Es gab so viele Fäden, nicht nur rote, an die man in Texten anknüpfen könnte, aus denen man Texturen schaffen könnte und sie bilden ein echtes Knäuel. Wir wollen hier gar nicht versuchen, alle Fäden abzuwickeln und zu einem einheitlichen, gar abgeschlossenen, Bild zu weben, aber wir wollen einige Fäden herausziehen. Denn es lohnt auch der ausschnitthafte Blick zurück auf 2011, von dem wir hier einen möglichen skizzieren und damit unsere Leserinnen und Leser zum eigenen Weben anregen wollen.
Von Dr. Patrick Grete
Freitag, den 09. Dezember 2011 um 22:10 Uhr
Der vor allem durch seine Bücher „Was ist Macht“ und „Müdigkeitsgesellschaft“ bekannt gewordene Professor für Philosophie und Medientheorie Byung-Chul Han hat nun mit der „Topologie der Gewalt“ eine ungewöhnlich mutige Kritik der spätmodernen Leistungsgesellschaft verfasst. Der aus Korea stammende und heute in Karlsruhe lehrende Han traut sich u.a., der Gewalt der Transparenz nachzuspüren, wie sie sich in der zunehmend vernetzten und digitalisierten Welt manifestiert.
Von Frank Hahn
Sonntag, den 20. November 2011 um 12:16 Uhr
Auf einer Tagung des Moses-Mendelssohn-Zentrums zum jüdischen Kulturerbe hielt Prof. Dr. Jakob Hessing (s. Bild) aus Jerusalem am 27. Oktober 2011 im Berliner Centrum Judaicum die folgende Rede. Hessing arbeitet als Schriftsteller und leitet die germanistische Abteilung der Hebräischen Universität Jerusalem (http://pluto.huji.ac.il/~jhessing/). Die Überschrift seines Vortrags verweist auf die Bemühungen um den Aufbau eines „Zentrums der verfolgten Künste“, wie es namentlich von der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft (http://www.exil-zentrum.de/ sowie http://www.exil-club.de/ ) seit Jahren gefordert wird. Aber auch die Nobelpreisträgerin Herta Müller hat sich in letzter Zeit mehrfach öffentlich für ein Museum des Exils eingesetzt (eine Kurzinfo dazu ist nach dem Redetext zu finden). Hessings Vortrag greift diese Bemühungen auf, um sie jedoch in den weiteren Zusammenhang einer Betrachtung zum Verhältnis von Macht und Kunst hinüberzuführen. Dabei ist es ihm gelungen, diese uralte Frage der Menschheit – wie nämlich die Kunst sich gegenüber der Macht behaupten kann – aus der gleichzeitigen Perspektive biblischer und moderner Zeiten sowie poetischer, religiöser und philosophischer Annäherungen lebendig werden zu lassen.
Von Prof. Dr. Jakob Hessing
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