Die Einheit des Wissens – zum Verhältnis von Natur- und Geisteswissenschaften

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vgerhardt.jpg Das Jahr der Geisteswissenschaften klingt langsam aus, man kann beginnen, erste Resümees zu ziehen. Dies leistet Prof. Volker Gerhardt im vorliegenden Text „Einheit des Wissens“, der thesenartig die Einheit von Geistes- und Naturwissenschaften wissenschaftshistorisch und philosophisch beleuchtet. Der Blick in die Geschichte – und hier vor allem auf die griechische Antike – unterstreicht und verstärkt dabei nur das leidenschaftliche Plädoyer für einen „Neuanfang der Geisteswissenschaften“, zu dem Volker Gerhardt aufruft.Volker Gerhardt hat diesen ausführlichen Text dankenswerterweise SOLON-line zur Verfügung gestellt. Eine kürzere Version ist in „Aus Politik und Zeitgeschichte“ 46/2007, der Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, erschienen.

Volker Gerhardt ist längst als Autor zahlreicher philosophischer Bücher bekannt – so u.a. „Individualität – das Element der Welt“ (2000), „Kant – Vernunft und Leben“ (2002) oder auch „Partizipation – das Prinzip der Politik“ (2007). Sein akademischer Werdegang führte ihn nach der Habilitation in Frankfurt am Main im Jahre 1985 über Professuren in Münster, Zürich, Köln und Halle nach Berlin, wo er seit 1992 den Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Humboldt-Universität innehat. Gerhardt ist seit 2001 zudem Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie Mitglied des Nationalen Ethikrats. Seine weiteren zahlreichen wissenschaftlichen Tätigkeiten, Ämter und Positionen kann man auf der Homepage von Volker Gerhardt erfahren. Seit einigen Monaten ist Gerhardt auch Honorarprofessor der University of Wuhan.


von Volker Gerhardt

1. Wissenschaft unter dem Anspruch der Öffentlichkeit. Wissenschaftsjahre haben die Aufgabe, für die Wissenschaft zu werben. Dem kann sich auch ein Geisteswissenschaftler nicht entziehen. Wenn nach Jahren der Physik, der Technik, der Lebens– oder der Geowissenschaften ein Jahr der Geisteswissenschaften angekündigt ist, wird jeder mit seiner Profession auch innerlich verbundene Geisteswissenschaftler für sein Fach die Trommel rühren. Denn selbst, wenn er sich nur für seine Wissenschaft interessierte (und für gar nichts sonst), müsste er wollen, dass seine Einsichten Aufmerksamkeit finden. Es ist die Logik seiner eigenen Tätigkeit, die ihn wünschen lässt, dass man ihn auch außerhalb seiner Disziplin versteht und dass er weiterhin mit öffentlicher Unterstützung rechnen kann.

Die Belange der Öffentlichkeit ernst zu nehmen, empfiehlt sich nicht erst für die Wissenschaft in demokratisch legitimierten Gemeinwesen. Die Empfehlung gilt auch dann, wenn Forschung und Lehre nicht auf öffentliche Gelder angewiesen sind und keine Aufträge für Erziehung und Bildung übernommen haben. Nehmen wir an, es gäbe eine Wissenschaft, die weder auf staatliche Mittel noch auf private Förderung (und somit auf keinerlei allgemeines Wohlwollen) angewiesen ist: Könnte sie gleichgültig gegenüber äußeren Ansprüchen sein? Wohl kaum, denn sie bliebe, vermutlich stärker als jede andere Wissenschaft, auf Anerkennung durch Andere angewiesen. Diesen Anderen hätte sie sich verständlich zu machen, wenn sie als Wissenschaft gelten und als solche wirksam sein wollte.

Tatsächlich gibt es eine grundlegende Verbindung zwischen wissenschaftlicher Arbeit und öffentlicher Rechtfertigung – ganz unabhängig von den Formen, in denen Wissenschaft betrieben und gefördert wird. Wissenschaft sucht nach Erkenntnissen, die sie allgemein belegen und begründen kann. Sie ist von Anfang an darauf eingestellt, Gründe für ihre Ansprüche und für ihre Leistungen sowie für deren Verständnis zu geben. Folglich kann sie auch keinen Einwand geltend machen, wenn von ihr erwartet wird, ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen.

Damit bin ich bei meiner ersten These: Die wissenschaftliche Rationalität des Erklärens und des Verstehens ist nicht auf die Kommunikation zwischen den Wissenschaftlern beschränkt. Sie erstreckt sich – zumindest tendenziell – auf alle Individuen, die mit der Wissenschaft in Berührung kommen. Unter diesem Anspruch sind szientifische und politische Öffentlichkeit aufeinander bezogen. Beide bewegen sich im Medium des Begründens und beide haben, wie sich gleich zeigen wird, sowohl historisch wie auch systematisch viel miteinander zu tun.

2. Die öffentliche Geburt der Wissenschaft. Dass es schon vor weit mehr als zweitausendfünfhundert Jahren so etwas wie wissenschaftliche Erkenntnis gegeben hat, ist eine geschichtliche Tatsache. Mathematik, Astronomie, Medizin, Recht, Bau-, Agrar-, Ernährungs-, und, sagen wir vereinfachend, Technikwissenschaften gehören zum gleichermaßen theoretischen wie praktischen Ursprung der menschlichen Zivilisation. Die ersten großen politischen Reiche Ägyptens, Mesopotamiens und Chinas verfügten über eine organisierte Gelehrsamkeit mit großen praktischen Effekten, die, wie wir allein aus dem Aufstieg der phönizischen, kretischen und ionischen Kultur erschließen können, auch grenzüberschreitend wirksam war.[1]

Dieses technisch ausgerichtete Wissen stand gewiss nicht allein unter kultischer Leitung. Wenn wir im alttestamentarischen Buch Hiob lesen, wie der Mensch bereits vor mehr als dreitausend Jahren in das Erdreich vordringt, um nach Schätzen zu graben, ist von einer priesterlichen Aufsicht nicht die Rede: „Eisen wird aus dem Erdreich hervorgeholt, und Gestein schmilzt man zu Kupfer. Man setzt der Finsternis ein Ende und durchforscht bis zur äußersten Grenze das Gestein der Dunkelheit und Finsternis. Man bricht einen Schacht fern von den [droben] Wohnenden. […] Die Erde, aus der Brot hervorkommt, ihr Unterstes wird umgewühlt wie vom Feuer.“[2] Man darf annehmen, dass die hier bis ins Erdreich vorgetriebene Aufklärung nicht die Sache einer priesterlich gelenkten Wissenschaft gewesen ist.[3]

Doch erst von den in verschiedenen Stadtkulturen untereinander und zugleich mit den vorderasiatischen Kulturen konkurrierenden Griechen wissen wir sicher, dass Wissenschaft öffentlich betrieben worden ist. Sie entstand, so wie wir sie heute kennen, in der Ausrichtung auf jeden, der sich um Wissen bemüht, und sie suchte nach Gründen, die grundsätzlich alle überzeugen können; sie rechnete mit der Aufmerksamkeit eines Publikums, das sich für die technischen und lebenspraktischen Folgen interessierte; sie zog Schüler an, die sich nicht auf die Wiederholung des Gelernten beschränkten und so zur Ausbildung von Lehren in Nachvollzug und Widerspruch führten.

Diese Suche nach allgemeiner Kenntnis von den allgemeinen Gesetzen der Natur, die insbesondere der Medizin eine völlig neue und bis heute wirksame Fassung gab,[4] war auf leistungsfähige Notationen angewiesen. Den Griechen kam zu Hilfe, dass sie ein gleichermaßen exaktes wie flexibles Schriftsystem entwickeln konnten. Es förderte die Abstraktion, die man zur Erkenntnis gesetzmäßiger Vorgänge in Natur und Gesellschaft benötigte. Auch hier war es eine Technik, die eine intellektuelle Leistung begünstigte. Mit Blick auf die Griechen kann man daher sagen, dass die Wissenschaft in einem dichten Leistungszusammenhang individueller, intellektueller, kultureller und technischer Kompetenzen entstanden ist.

Insbesondere die attische Wissenschaft, die sich zwischen 650 und 300 vor Christus entwickelte, war Element einer Kultur, in der sie mit der Entfaltung der nautischen, der militärischen und der nicht nur auf Tempel und Theater, sondern vor allem auch auf die Infrastruktur der Stadtstaaten bezogenen architektonischen Technik, mit der Ausweitung von Handel und Industrie, mit der Geltung eines schriftlich erfassten und öffentlich praktizierten Rechts, mit dem Aufstieg der Künste, mit der Perfektionierung einer öffentlich exponierten Gymnastik, und – um dies nicht zu vergessen – mit der ersten Erprobung demokratischer Herrschaft auf das Engste verbunden war. Die Blüte der bildenden Künste und des lyrischen Gesangs, seine Begleitung durch Musik und Tanz, aber auch seine dauernde Präsenz in der schriftlichen Form, das Verlangen nach breiter, die Herrschaftsgrenzen überschreitender literarischer Wirksamkeit, die Begründung einer kritisch verfahrenden Geschichtswissenschaft durch Herodot, Thukydides und Xenophon, vor allem aber der weltgeschichtliche Erfolg des Theaters, also die aus dem religiösen Kultus herauswachsende, vor großem Publikum vollzogene Aufführung von Tragödie und Komödie – alles das bildet das Umfeld, in dem die Wissenschaft erstmals zu ihrem Selbstbewusstsein gelangt. Und zu ihm gehört von Anfang an das Element der Kritik, in dem die Griechen sich bekanntlich bis zur Selbstzerstörung entfaltet haben.

Man braucht jetzt nur noch hinzuzufügen, dass eben jenes erstmals im klassischen Griechenland sichtbar hervortretende Publikum keineswegs nur unterrichtet und unterhalten werden wollte, sondern dass sein Anspruch erstmals ausdrücklich (und selbst von den Gegnern der Demokratie im Prinzip anerkannt) auf politische Mitwirkung ausgerichtet war – und schon tritt der enge Zusammenhang zwischen szientifischer und politischer Öffentlichkeit hervor.[5]

Also lautet meine zweite These: Wissenschaft ist von ihrem historischen Ursprung her auf Öffentlichkeit angelegt. Diese Öffentlichkeit deckt sich, wenn nicht vollständig, so doch in weiten Teilen mit der politischen Öffentlichkeit, die in den griechischen Stadtstaaten auch die kulturelle Aufmerksamkeit für ästhetische Ereignisse im weitesten Sinn umschließt. Sie ist, der Lebensform der Griechen entsprechend, agonal verfasst. Man sagt also nicht zuviel, wenn man sie bereits als kritische Öffentlichkeit bezeichnet.

3. Die strukturelle Analogie zwischen Wissen und Handeln. Das Kennzeichen der Wissenschaft, die erstmals mit den Zeugnissen der ionischen Naturphilosophie aus dem siebten und sechsten vorchristlichen Jahrhundert überliefert ist, liegt in der Ausrichtung auf Ursachen oder Gründe (aitiai), die als Träger allgemeiner Gesetzmäßigkeiten (nomoi) überzeugen. Das einzelne Vorkommnis interessiert als exemplarischer Fall, als Beleg für einen logos, der als einsichtige Ordnung (kosmos/taxis) ein überall auf gleiche Weise ablaufendes Geschehen beherrscht. Ganz gleich, ob Thales eine Sonnenfinsternis oder eine ertragreiche Ölernte beobachtet: Er sucht nach dem kausallogischen Zusammenhang, der im jeweiligen Ereignis zum Ausdruck kommt. Ihm und seinen Nachfolgern geht es um das Gesetz, das der Vielfalt vorkommender Fälle eine Einheit gibt. Ein Gesetz erlaubt, das Geschehene im Kontext mit anderem Geschehen zu verstehen. Im Rahmen des Verstandenen sind auch Vorhersagen möglich, die ihrerseits Grundlage einer technischen Verfügung über einzelne Naturvorgänge sind.

Paul Unschuld hat kürzlich im Vergleich der um 500 in Griechenland entstehenden hippokratischen mit der etwa 200 Jahre später entwickelten chinesischen Medizin gezeigt:[6] Die alteuropäische Wissenschaft geht auf Distanz zum einzelnen Fall, so genau sie ihn auch beobachtet, so sehr sie am Ende über ihn bestimmen möchte und so wichtig ihr die Heilung eines bestimmten Menschen auch ist. In ihrer Verbindung mit der Logik und der Mathematik sucht sie den dominierenden Anfang, das Prinzip einer Folge von Vorgängen zu erfassen. Und sofern ihr das gelingt, ist es ihr möglich, einzelne Aufgaben wie den Bau einer Wasserleitung, die Realisierung eines Tunnelprojekts oder die Konstruktion eines deus ex machina zu bewältigen. Die wissenschaftliche Erkenntnis der Griechen fasste die uns zugängliche Realität als Erscheinung einer sie regierenden Gesetzmäßigkeit. Ist sie erkannt, lässt sich über die von ihr getragene konkrete Wirklichkeit verfügen.

Bei dieser Auffassung ist die Wissenschaft bis heute geblieben, auch wenn in der Neuzeit der Verfügungsanspruch gelegentlich überzogen worden[7] und in jüngster Zeit entschieden kritisiert worden ist.[8] Durch die Vielfalt der in ihr durchaus gegensätzlich wirksamen Kräfte, gestaltet sich die Disposition über einzelne Erscheinungen oft viel schwieriger als man denkt. Insofern ist der Erkenntnisanspruch der Einzelwissenschaften (wenigstens in der Theorie) bescheidener geworden. Aber am grundsätzlichen Anspruch des Erkennens sowie am verfügenden Zugriff des Handelns hat auch die Kritik an übertriebenen Erwartungen nichts geändert.

Das war auch deshalb nicht nötig, weil in der skizzierten Relation von Gesetz und Einzelfall keine kulturelle Spezialität der frühen Griechen, sondern lediglich die Dynamik eines im öffentlichen Raum kommunizierten Handelns zum Ausdruck kommt. Wer unter Bedingungen allgemeiner Mitteilbarkeit tätig sein will und dabei die prinzipiell mögliche Einsicht eines jeden unterstellt, der muss auch heute noch so verfahren, wie es die Griechen taten. Sie brauchten nur einen öffentlichen Handlungsraum, in dem jeder Gegenstand im Prinzip von jedem verhandelt werden kann, um mit der von ihnen favorisierten wissenschaftlichen Erklärungsform zugleich den Zugang zu den Handlungsbedingungen zu eröffnen.

Das liegt daran, dass es in jeder politischen, militärischen, pädagogischen, musischen, medizinischen oder technisch-konstruktiven Leistung darauf ankommt, das bestehende Problem als Fall eines erkennbaren Zusammenhangs zu identifizieren. Es muss ein Zusammenhang sein, der sich uns als Kontext von regelmäßiger Wirksamkeit erschließt. Durch die Beziehung der hier als einschlägig diagnostizierten Gesetzmäßigkeit auf den vorkommenden Fall, kann man dann, entsprechende Eingriffe vorausgesetzt, auf mögliche Handlungsfolgen schließen. Darin besteht die technische Verfügung, die jeden Handlungserfolg bestimmt, nicht nur beim Bau von Tempeln oder Schiffen, sondern auch im institutionellen Aufbau des Rechts, in der Diätetik für Olympioniken oder in der individuelle Eigenständigkeit erfordernden Ethik. Das ist mit größtem Nachdruck gesagt: Auch die Selbsterziehung zur Tugend ist ein Fall von Technik, nämlich einer nachvollziehbar und somit einsichtig geordneten Disziplinierung seiner selbst.

Die dritte These lautet daher, dass im Medium einer Öffentlichkeit, in der mit den im Prinzip gleichen Rechten auch die im Grundsatz gleiche Einsicht eines jeden angenommen wird, die Struktur des wissenschaftlichen Erklärens mit der technischen Struktur des Handelns zur Deckung kommt. Es ist das Paradigma einer alle gleichermaßen einbindenden Technik, die den bis heute andauernden Erfolg der erstmals in Griechenland entwickelten Wissenschaft ermöglicht. Dieses Paradigma ist von den vorhandenen kulturellen Differenzen im europäisch-asiatischen Raum weitgehend unabhängig, was die offenbar problemlose Übernahme durch die Römer, durch andere mediterrane Anrainer, später auch durch die germanischen Völker und heute vornehmlich durch die asiatischen Kulturen beweist.

Will man dennoch eine zunächst nur für die Hellenen geltende geschichtliche Bedingung benennen, so liegt sie in der alle Handlungsbereiche einschließenden öffentlichen Verständigung unter dem Primat einer bereits weitgehend autonomen politischen Organisation. Es ist erheblich, dass sich die disziplinäre Entfaltung der Wissenschaften und erste Erprobung der Demokratie in ein und demselben historisch-geographischen Raum ereignen.

4. Kein Unterschied zwischen Natur und Geschichte. Auffällig ist, dass die frühen Griechen nicht die geringste Neigung zeigen, sich auf die Naturerkenntnis zu beschränken. Man könnte sogar die These vertreten, dass sie in allen ihren Bemühungen um Erkenntnis, von ethisch-ästhetischen Motiven bestimmt und auf geschichtliche Wirkung ausgerichtet sind. Zwar gibt es die erklärte Abkehr des Sokrates von der Naturphilosophie seiner Vorgänger. Der Weise begründet sie mit der für ihn vorrangigen Selbsterkenntnis, zu der er nur gelangen kann, wenn er sich mit seinesgleichen vergleicht. Also braucht er die Unterredung mit den Menschen auf dem Marktplatz, am Rande sportlicher Übungsstätten oder beim Gastmahl.

Es steht außer Zweifel, dass sich dadurch das Interesse der Philosophie hin zu den Fragen des menschlichen Verhaltens verschiebt. Die Ethik, als Lehre von dem seiner Einsicht entsprechenden Handeln des Menschen, entsteht und tritt als drittes Gebiet zu den Erkenntnisbereichen der Physik und der Logik hinzu.

Gleichwohl kommt kein Philosoph der Antike auf den Gedanken, zwischen der Logik, der Physik und der Ethik eine methodologische Hürde aufzubauen. Wir sehen im Gegenteil, dass Sokrates die Probleme der Naturphilosophie weiterhin mit großer Aufmerksamkeit verfolgt (Phaidros 229a – 230e), dass sein Schüler Platon ihr eine große Untersuchung widmet (Timaios) und offenbar nicht die geringsten Bedenken hat, den Menschen als Naturwesen zu bestimmen (Politikos 261c – 266e).

Es ist vielmehr so, dass Platon den Grund für seine Überlegungen sowohl zur Ethik als auch für seine politische Theorie durch eine detaillierte Beschreibung von Naturvorgängen legt, die er selbst schon als geschichtlich versteht (Politeia 368a – 374d; Nomoi 676a – 686b). Mehr noch: Er lässt sie weit in die gesellschaftlichen Vorgänge hineinragen und verschränkt sie überdies mit den höchsten Erkenntnisvermögen des Menschen, also mit dem nous und dem logos. Und wenn Platon zu erklären sucht, was denn das Wesentliche am Menschen ist, dann zieht er vornehmlich technische Parallelen heran, deren Aussagekraft darauf beruhen, dass der Mensch als Wirkursache in den Wirkungszusammenhang der natürlichen Kräfte eingelassen ist und nur unter diesen Bedingungen zeigen kann, was er leistet und was er, seiner Leistung zufolge, „ist“ (Alkibiades maior 127e – 130c).

Das Selbst des Menschen, also sein, wie wir heute sagen, geistig-seelischer Kern, der nach Platon dem Göttlichen am nächsten steht (Nomoi 726a), kann nur erkannt werden, sofern der Mensch als körperliches Wesen, d. h. als natürliche Kraft unter lauter natürlichen Kräften, natürliche Effekte erzielt. Die intellektuelle Qualität des Menschen, die ihn befähigt, ethisch, politisch und historisch wirksam zu sein, ist die Folge seiner physischen Natur, durch die er Teil des Kosmos ist.

Dass es in der Antike keine Unterscheidung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften gibt, ist bekannt.[9] Das systematisch Bedeutsame daran ist, dass sie diese Unterscheidung gar nicht nötig hatte, obgleich sie der Erkenntnis jener Bereiche nicht ausgewichen ist, die heute eine methodologische Abgrenzung angeblich erforderlich machen. Die Antike stellt sich dem Problem des spezifisch menschlichen Verhaltens, sie fragt nach der Besonderheit der Seele und des Geistes, sie kennt das Spezifikum des Selbstbewusstseins und mit ihm auch die Beziehung des Menschen zu sich selbst (Alkibiades maior 132b – 133e); sie hat einen Begriff von der Individualität einzelner Wesen, einzelner Teile wie auch einzelner Vorgänge, sie denkt im höchsten Maße geschichtlich, ist zur Analyse ästhetischer und rhetorischer Fragen fähig, hat, wie sich vor allem bei Aristoteles zeigt, eine Theorie des Lebens, schließt eine bis heute unübertroffene Beschreibung der Funktionen der Seele ein und kann das Göttliche als erste Ursache, als alles durchdringende Ordnung, als Ideal der Lebensführung oder als dasjenige denken, dass dem Geist des Einzelnen am nächsten ist.

Im Themen- und Problemspektrum der antiken Wissenschaft fehlt somit nichts, zu dessen Entdeckung es einer Zweiteilung der Wissenschaften bedurft hätte. Es genügt, dass der Mensch als ein in Herden lebendes, zweibeiniges, fell-, feder-, flügel- und flossenloses Tier in der Lage ist, mit seinesgleichen ein auf Sachverhalte bezogenes, sich somit in Begriffen bewegendes Gespräch zu führen, das jedem Einzelnen erlaubt, im Abwägen von Argumenten zu einer Einsicht zu finden, die mit der Einsicht anderer exakt übereinstimmen kann. Eben das ist die Leistung des Wissens, das eine Logik hat, die alle Wissenschaften trägt. Die Logik des Wissens stellt die Übereinstimmung zwischen Individuen in der Verständigung über Sachverhalte her. Sie verknüpft die in allen Fällen konkreten Wissens beteiligten Momente der Natur, der Geschichte, der Gesellschaft, der Kultur und des menschlichen Bewusstseins.

Damit kann ich die vierte These formulieren: Mit Blick auf den Träger des Wissens, nämlich den menschlichen Geist, können alle Wissenschaften als Geisteswissenschaften angesehen werden; mit Blick auf ihre Gegenstände aber befassen sich alle Wissenschaften mit der Natur. Denn Geschichte, Gesellschaft und Kultur, ja, selbst die psychischen und intellektuellen Phänomene des Geistes müssen letztlich als Formen der Natur begriffen werden. So gesehen, hätten alle Disziplinen Grund, sich zu den Naturwissenschaften zu rechnen.[10]

5. Individuelles und Universelles stets nur in einem Akt. In seiner problemorientierten Ausrichtung auf Sachverhalte und Gründe ist das ursprünglich auf Mitteilung bezogene Wissen in der Lage, nicht nur abstrakte gesetzliche Zusammenhänge zu erfassen, es hat sich vielmehr bereits in jeder Beobachtung, Beschreibung und Anwendung auf singuläre Situationen und individuelle Vorkommnisse zu beziehen. Also ist es auch in der Lage, geschichtliche Prozesse, seelische Dispositionen und lebendige Konstellationen zu erfassen. Da es in alledem einen Begriff von sich selbst benötigt, kann es die Eigentümlichkeit des Wissens, damit auch des Wahrnehmens, des Vorstellens, des Erinnerns oder des Glaubens, kenntlich machen. Dabei erweist es sich als so beweglich, dass es einer eklatanten Unterschätzung der darauf beruhenden Wissenschaft gleichkommt, wenn man die epistemischen Leistungen auf simple Alternativen wie etwa das Erklären und das Verstehen, auf das Generalisieren und das Individualisieren oder auf nomothetisches und ideographisches Wissen reduziert.

Eine Reduktion dieser Art sollte man schon deshalb vermeiden, weil jede Erkenntnis den in einem Akt erfolgenden Bezug auf individuelle Fälle und auf generalisierende Schlüsse voraussetzt. Wissen ist überdies an einen geschichtlichen Vorlauf gebunden, und es greift notwendig in die Zukunft vor. Was ich jetzt weiß, kommt nicht ohne Erinnerung zustande. Weil zu jedem Wissen aber auch eine Erwartung gehört, greift es notwendig auf Kommendes aus. Darin begreift es sich selbst als zweckmäßig. Schließlich ist es durch die ihm innewohnende Funktion der Mitteilung nicht nur auf das wissende Individuum beschränkt, sondern ursprünglich auf andere Individuen ausgerichtet, die der Vorstellungskraft bedürfen, um das eine Individuum in dem, was es an seiner Stelle sagt, in ihrer davon zwangsläufig unterschiedenen eigenen Position gleichwohl so zu verstehen, als sei die Differenz der Individuen und der Situationen nichtig.

Daraus kann man folgendes Fazit ziehen: Durch die ihm eigene Tendenz zur zweckmäßigen und nachvollziehbaren Verfügung über etwas Individuelles, das nur in seiner universellen Form begriffen werden kann, ist das Wissen gleichermaßen auf physikalische Strukturen, biologische Konditionen, gesellschaftliche Situationen und historische Perspektiven bezogen. Eine Einteilung des Wissens ist nur sinnvoll, wenn man es nach Gegenständen oder Problemen sortiert. Soll es dennoch nach unterschiedlichen Methoden unterschieden werden, verbietet es sich, das Individuelle vom Universellen oder den konkreten Einzelfall vom allgemeinen Gesetz zu trennen. Man muss vor allem vermeiden, die (ohnehin fließenden) Unterscheidungen zwischen Natur, Leben, Gesellschaft, Kultur und Geschichte in das Wissen hineinzutragen, so als bilde es für jeden Bereich seine eigenen Formen aus.

Was aber für das Wissen recht ist, sollte für die Wissenschaft billig sein: Man kann deren Disziplinen gewiss nach vielen Kriterien gliedern. Die Themen- und Problembereiche, so sehr sie der historischen Entwicklung unterliegen, bieten dafür die besten Anhaltspunkte. Aber eine Unterscheidung zwischen Naturwissenschaften auf der einen und Geisteswissenschaften auf der anderen Seite ist mit Sicherheit unangemessen, weil Natur in allem ist und Geist in jedem Fall benötigt wird.

Also lautet meine fünfte These: Eine kategoriale Trennung zwischen den Wissenschaften, die nach dem Muster einer Unterscheidung zwischen Geist und Natur verfährt, wird weder dem Charakter des Wissens noch dem der Wissenschaft gerecht. Das Gleiche gilt für die Oppositionen zwischen Natur auf der einen und Gesellschaft oder Kultur auf der anderen Seite. Vollends unsinnig wäre es, wollte man, wie es der Titel der „Humanwissenschaften“ suggerieren könnte, der Natur den Menschen gegenüber stellen. Denn die Wissenschaft kann immer nur eine sein.

Diese These wird nicht durch die Tatsache eingeschränkt, dass der Umfang des Wissens Einteilungen nötig macht. Hier können auch Traditionen und Methoden eine Rolle spielen, ja, sie müssen es, weil die Wissenschaft der Schule (lat. disciplina) bedarf, um ihre Kenntnisse und Fertigkeiten zu sichern. Auch die Weitergabe des Wissens bedarf der Disziplin. Für die Entfaltung eines vorbehaltlosen, lebendigen, stets nach neuen Wegen suchenden, selbstkritischen Wissens müssen jedoch die Grenzen der Disziplinen offen gehalten werden, ganz gleich, ob dies nun durch Inter- oder durch Transdisziplinarität geschieht.

Die Lebenswissenschaften führen uns derzeit aktuell vor Augen, wie wichtig die Grenzüberschreitung zwischen den Disziplinen ist. Sie zeigen aber auch in der Sache, wie fraglich eine zementierte Trennung zwischen Natur und Geist tatsächlich ist. In ihrem dynamischen Fortschritt machen sie offenkundig, dass eine auf den Methodengegensatz gegründete Unterscheidung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften nur noch eine Reminiszenz des 19. Jahrhunderts ist.

6. Einheit in der Vielheit. Wenn die Lage so ist, wie in den fünf Thesen angedeutet, dann versteht man sofort, warum das griechische Modell einer Einheit der Wissenschaften fast zweieinhalbtausend Jahre in selbstverständlicher Geltung geblieben ist. Die Wissenschaft war vielfältig von Anfang an. Der Unterschied zwischen dem, was der Anwalt der Vielfalt, Heraklit, und sein Widersacher im Dienste der Einheit, Parmenides, was der Atomist Empedokles und der Intellektualist Anaxagoras, was der Historiker Thukydides und der Arzt Hippokrates, was der Jurist, Staatstheoretiker und Anthropologe Protagoras und seine großen Kontrahenten Sokrates und Platon (und was aus alledem dann wenig später Aristoteles in großartiger Verbindung aus Physik, Meteorologie, Biologie, Ethik, Politik, Rhetorik, Logik, Topik, Ontologie, Theologie, ja sogar aus der Hermeneutik) gemacht haben, könnte größer nicht sein.

Und dennoch haben sie und ihre Nachfolger in Athen, Alexandria, Rom, Byzanz, Paris, Oxford, Bologna und später auch in Florenz, London, Basel, Rotterdam, Hannover, Königsberg, Weimar, Jena, Berlin (oder auch im Hamburg Ernst Cassirers) nicht daran gezweifelt, dass es eine alles verbindende Rationalität des Wissens gibt. Sie unterstellt dem auf alle Vorkommnisse und Erwartungen bezogenen Bemühen um Erkenntnis ein und denselben Anspruch, der in der menschlichen Vernunft seinen Ursprung, in der kontrollierten Erfahrung seine Bedingung und in der öffentlichen Erörterung sein immer wieder neu anzulegendes Kriterium hat.

Natürlich hat es ergänzende und erweiternde Gliederungen, neue Themen und Aufgaben gegeben. Das ließe sich mit Blick auf die Wiedergewinnung der antiken Wissenschaft durch die universitäre Gelehrsamkeit des Hochmittelalters zeigen. Theologie und Jurisprudenz kommen als neue, wesentlich berufsbezogen arbeitende Großdisziplinen hinzu. Beide haben ihre in sich wiederum vielfältig gegliederte Arbeitsweise, vornehmlich durch Orientierung an den überlieferten Gehalten und Verfahren. Sie können vielfältige Unterschiede ausbilden, eigene Traditionen pflegen und sich selbst wechselseitig für etwas Besseres halten. Aber sie sind und sie bleiben dadurch verbunden, dass sie sich allesamt als Wissenschaften verstehen, die sich zwar in unendlich vielen Einzelheiten, in Interessen, Themen und natürlich auch in ihren Methoden unterscheiden – und dennoch zu einer Wissenschaft gehören.

So wurden, um nur ein Beispiel zu geben, im Rahmen der Philosophischen Fakultäten die artes liberales ausgezeichnet, weil sie übergreifende Qualifikationen vermitteln konnten, die dem Arzt und dem Richter nicht weniger dienlich sein sollten als dem Lehrer und dem Geistlichen im hohen wie im niederen Amt. Diese „freien Künste“ sollten Kenntnisse vermitteln, die die allgemeine Verständigung, die Wahrung der überlieferten Bestände sowie die Selbstversicherung der Einheit des Menschen in der Vielfalt seiner Kulturen und Interessen garantieren. Diese Ziele muss die Wissenschaft auch heute verfolgen. Im Humanismus, den man nicht auf die Renaissance beschränken kann, sondern der, wie die Aufklärung, eine Daueraufgabe von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik darstellt, sind sie bis heute lebendig.

Die von den Humanisten gepflegten humaniora hatten die Aufgabe, in allgemein bildender Absicht die kulturelle Tradition des Menschen in Erinnerung zu halten. Deren Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung verlangt Fertigkeiten, die in jeder gesellschaftlichen Stellung von Nutzen sind. In der Sache sollten sie auf Einsichten führen, in der sich die Menschheit als Ganze ihrer Herkunft, ihrer Eigenart und ihrer Ziele vergewissert.

Der jugendliche Pico della Mirandola suchte Ende des 15. Jahrhunderts die Einheit der Wissenschaften gerade angesichts ihrer Vielfalt zu wahren, um in den von ihm als bedrohlich erfahrenen religiösen und kulturellen Gegensätzen der Welt, vornehmlich zwischen Islam, Judentum und Christentum (aber auch zwischen der östlichen Orthodoxie und dem westlichen Katholizismus), den alle verbindenden Grund im Streben nach Einsicht aufzuzeigen. Der Wunsch, dem Göttlichen auf menschliche Weise nahe zu sein, kam hinzu.

Eine Generation später hatten sich mit der Reformation die Gegensätze in Europa bereits vervielfacht, und dennoch hat der alte, mit allen Größen seiner Zeit verkehrende und an vielen Orten Europas wirksame Erasmus das gleiche Ziel verfolgt und im Vertrauen auf die disziplinierende Wirkung der Philologien sowie auf den Zauber der dadurch erschlossenen Kontinuität des Wissens die humanisierende Wirkung der Wissenschaft in den Vordergrund gerückt. In der Leistung der Druckerpresse, der er selber reichlich Arbeit gab, war ihm gegenwärtig, dass sich diese Hoffnung nur in Verbindung mit der neuen Technik erfüllen ließe, und mit seinem Freund, dem für seine Wahrhaftigkeit mit dem Tode bestraften Thomas Morus, war er sich einig, dass auch unter den neuen Lebensbedingungen die Naturerkenntnis das Fundament alles verlässlichen Wissens zu sein hat.

Und so ließe sich fortfahren: Wir haben Hugo Grotius, der den humanistischen Impuls des Erasmus in die Staatstheorie und in die entstehende Lehre vom Recht der Völker getragen hat; wir haben Pierre Bayle, der das geschichtliche Bewusstsein durch das Medium der Zeitkritik bereichert; und wir haben Montesquieu, der die ökonomische mit der geschichtlichen Betrachtung verbindet, der die Differenz der Kulturen im ethnologischen Perspektivenwechsel zu erfassen sucht und der 1748 schließlich im Geist der Gesetze (bereits der Titel spricht jeder Abspaltung des Geistes von den natürlichen Gesetzen Hohn) eine politische Prinzipienwissenschaft mit der Lehre von den menschlichen Tugend und ihrer Verwirklichung unter günstigen historischen Konditionen verbindet.

In Deutschland sollten wir Gottfried Wilhelm Leibniz nicht vergessen, den ersten Theoretiker, der die Einheit der Wissenschaft angesichts der Vielfalt akademischer Anstrengungen nicht nur zu sichern sucht, sondern in der eigenen – Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Bergbau, Linguistik, Sinologie und Philosophie umschließenden – wissenschaftlichen Leistung repräsentiert. Die Resignation, mit der rückblickend von ihm als dem „letzten Universalgelehrten“ gesprochen wird, ist schon von der Müdigkeit angekränkelt, die uns heute erst gar nicht mehr darauf setzen lässt, dass die Wissenschaft gerade in ihrer Vielfalt das größte einheitliche Vorhaben der Menschheit ist. Wenn wir, um einmal selbst technisch zu reden, in dieses Projekt nicht investieren, hat die Menschheit keine Chance, sich auf dem Niveau ihres Selbstbegriffs zu halten.

Damit ist meine sechste These ausgesprochen: Der Mensch hat sich unendlich viele Schwächen, Irrtümer, Maßlosigkeiten und Verbrechen vorzuwerfen. Niemand, der ernst genommen werden will, darf annehmen, dass es damit ein Ende haben wird. Selbst wenn es dem Menschen gelingen sollte, das erstmals in Athen in Angriff genommene Projekt der Demokratie im kontinuierlichen Kampf um das Recht in eine weltweit wirksame Form grundrechtlich gesicherter Konstitution zu überführen,[11] wird die Selbstgefährdung des Menschen weitergehen.

Wenn wir gleichwohl auf die Menschheit setzen und hoffen, sie könne sich durch eine auf das Menschenrecht gegründete Politik selbst disziplinieren, dann unterstellen wir nicht nur den Juristen, Soziologen und Politologen bleibende Aufgaben, sondern erwarten auch von der Ökonomie, dass sie uns die Kenntnisse zur Verfügung stellt, die uns erlauben, mit dem weiterhin erwarteten Wachstum an Menschen und Gütern möglichst berechenbar und möglichst gerecht umzugehen.

Die stillschweigende Voraussetzung für das Wachstum aber liegt in der fortgesetzten Produktivität der Grundlagenforschung in Physik, Chemie, Biochemie, Biologie, Psychologie, Psychiatrie und Medizin. Soziologie, Politologie und Jurisprudenz habe ich schon angeführt. Sie lassen sich mindestens noch durch die Sprach-, Kultur- und Religionswissenschaften ergänzen. Und solange sich noch jemand für die mögliche Einheit dieser Bemühungen interessiert oder wissen will, was sie mit ihm selbst zu tun haben könnten, wird er auch auf die Philosophie nicht verzichten können. Wir brauchen alle diese Disziplinen und wir benötigen sie in zunehmend interdisziplinärer Kooperation. Dass sie dazu erst einmal als Disziplinen solide ausgestattet und gefördert werden müssen, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

7. Die Notwendigkeit der Wissenschaft und ihre Einheit. Nach zweieinhalb Jahrhunderten pauschaler Verwerfung der Wissenschaft tut man gut daran, ihre Unverzichtbarkeit zu exponieren. Nicht sie ist das Verhängnis der modernen Zivilisation. Die Fehler, die der Mensch in seiner Geschichte gemacht hat und vermutlich auch weiterhin machen wird, dürfen wir weder der Wissenschaft noch der Aufklärung zurechnen. Im Gegenteil: Wenn es eine Chance geben sollte, mit diesen Fehlern offener und kenntnisreicher umzugehen, so dass man ihnen wirkungsvollere Korrektive beigeben kann, ist nichts wichtiger als die Wissenschaft – freilich, wie Kant sagt, in einer „das Recht verwaltenden bürgerlichen Gesellschaft“.

Die seit Rousseau in Umlauf gekommene Kulturkritik unterliegt bis in die jüngste Gegenwart einem alten metaphysischen Fehler: Sie unterstellt Substanzen, wo lediglich Funktionen zu entdecken sind. So macht sie aus der Wissenschaft, der Aufklärung, der Technik, ja, neuerdings sogar aus dem Risiko ein eigenständiges Wesen, dem der Mensch beinahe machtlos unterworfen ist. Sie verwechselt Ursache und Wirkung und schreibt die Schuld für Fehlentwicklungen nicht dem Menschen, sondern seinen Erfindungen zu. Damit lenkt sie von der alleinigen Zuständigkeit des Menschen, genauer: von der Verantwortung des Einzelnen und seiner jetzt lebenden Generation für die anstehenden Fragen ab.

Schon ein kurzes Nachdenken reicht aus, um zu erkennen, dass der Mensch nur durch seine Geschichte zum Subjekt seines eigenen Handelns wird. Es ist seine Geschichte, die ihn zum Handeln befreit.[12] Wenn die Kulturkritik hingegen in allem ein tragisches „Verhängnis“ entdeckt, wenn sie in der Ökonomie nur die verselbständigte Macht des „Kapitals“ am Werke sieht oder von einer „Dialektik der Aufklärung“ spricht, macht sie den Menschen von vornherein zum Opfer seiner eigenen Vergangenheit. Damit wird ausgerechnet das, was dem Menschen Lebenschancen eröffnet, zu seinem größten Hindernis.

Unter den heute gegebenen Bedingungen bieten nur Wissenschaft und Technik (zu der wohlgemerkt auch Ethik und Recht gehören) der Menschheit die Hoffnung auf Sicherung ihrer Zukunft. Dass sie dennoch in immer neuen Variationen als die zivilisatorische Inkarnation des Bösen vorgeführt werden, zeigt, dass sogar der Zeitgeist verspätet sein kann. Die beiläufige Bemerkung eines der ersten wahrhaft modernen Menschen könnte hier Abhilfe schaffen: „Nur was zu etwas gut ist“, sagt Montaigne, „lässt sich auch missbrauchen“ (Essais II, 6).

Das Wort macht klar, dass es vom Menschen selbst abhängt, wie er mit Wissenschaft und Technik verfährt. Es ist seine Schuld, wenn er zu viel von ihnen erwartet, wenn er sie unkritisch zum Einsatz bringt, sie ohne öffentlichen Diskurs betreibt, unzulänglich fördert oder sie zum permanenten Experimentierfeld angeblich kostenneutraler Maßnahmen macht, die als Reformen ausgegeben werden.

Die siebente und letzte These lautet daher: Der Geist liegt in dem, was ich man als des Logik des Wissens bezeichnen kann. Diese Logik stellt die Einheit eines auf Erkenntnisgewinn zielenden Verfahrens her, dessen Ergebnisse öffentlicher Prüfung standhalten müssen. Sie wirkt bereits in der Erwartung allgemein verständlicher und möglichst von jedem geteilter Gründe. Sie besteht in Einsichten, die nicht nur die äußere Verfügung über die Kräfte der Natur erweitern, sondern auch dem Einzelnen größere Chancen zur eigenständigen Gestaltung seines Lebens bieten. Alles in allem trägt sie die Hoffnung auf einen Erfolg, der weitere Erfolge nicht unmöglich macht.

Die Logik des Wissens schließt, wohlgemerkt, auch die Technik ein, die bereits den Erwerb und die Weitergabe des Wissens trägt und auf die wir in jedem Umgang mit uns selbst und mit der Welt angewiesen sind.

8. Kurzer Rückblick auf eine Trennung. Was ist im Licht dieser Einsicht von der Aufspaltung der Wissenschaften in „zwei Kulturen“, in die Naturwissenschaften auf der einen und die Geisteswissenschaften auf der anderen Seite zu halten? Nicht das Geringste!

Die Grenzziehung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ist eine Spätfolge der rousseauistisch-romantischen Wissenschaftskritik des 19. Jahrhunderts. Das Ressentiment gegenüber der abstrakten, technisch orientierten, die Innerlichkeit des Menschen angeblich missachtenden Wissenschaft war in der Welt, und nun mussten die Philosophen, Philologen und Historiker erleben, wie ausgerechnet die so verfahrenden Naturwissenschaften die größten gesellschaftlichen Erfolge erzielten. Physik, Chemie, Medizin und Ingenieurwissenschaften erfuhren einen grandiosen Aufstieg und nutzen dabei Forschungstechniken, die soeben erst von den überaus produktiven Geschichtswissenschaften sowie von der innovativen Altphilologie, teils auch von der textkritischen protestantischen Theologie, zur gleichen Zeit entwickelt wurden.[13]

Was lag näher, als diese angeblich nur technisch, angeblich nur erklärend und angeblich nur äußerlich verfahrende Erforschung der Natur auf ein begrenztes Terrain zu beschränken, von dem sich der angeblich rein geistige Bezirk des Verstehens, des Deutens und der reflexiven Selbstbeziehung definitorisch abgrenzen ließ? Nachdem Naturwissenschaftler wie Hermann von Helmholtz den Begriff der Geisteswissenschaften gebrauchten, um damit die Eigenständigkeit eines inneren Zugangs zu den Erscheinungen von Religion, Recht, Staat, Sprache, Kunst und Geschichte zu würdigen,[14] lag es nahe, daraus einen strikte methodologische Abgrenzung zu machen: Durch sie wurde die „psychologische“, „introspektiv“ erfassende, eben „verstehende“ Einsicht zum einzig legitimen Zugang zur Erkenntnis der menschlichen Dinge. Die Naturwissenschaften waren damit, wenn der Doppelsinn gestattet ist, „draußen“, und die Geisteswissenschaften eröffneten sich selbst den Königsweg zum eigentlichen Verständnis der conditio humana. Während sich zur gleichen Zeit die rivalisierenden Territorialstaaten Europas, trotz größter kultureller Gemeinsamkeiten, hinter ihren nationalen Gegensätzen verschanzten, suchten sich die Geisteswissenschaften ein uneinnehmbares Territorium zu sichern, von dem aus sie den Naturwissenschaften in prinzipieller Überlegenheit entgegentreten konnten.

Mir ist bewusst, dass dies nicht die ganze Wahrheit über die Bemühungen um eine methodologische Unterscheidung zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften im 19. Jahrhundert ist. John Stuart Mill hat, übrigens nicht unbeeindruckt von Romantikern wie Coleridge und Carlyle, mit großem sachlichen Gewinn, die, wie er sagte, logische Differenz in den Gesetzesaussagen über die Natur und die Gesellschaft herausgearbeitet.[15] Dadurch inaugurierte er die Idee eines Methodendualismus, die von Wilhelm Dilthey und vom südwestdeutschen Kantianismus, nicht zuletzt auch von Max Weber, in nicht weniger ernsthafter Weise aufgenommen und weiter entwickelt worden ist.

Es muss heute gar nicht bezweifelt werden, dass die damals vorherrschende Auffassung von Natur mit der unterstellten strikten Geltung der Kausalität zu einer methodologischen Abgrenzung ökonomischer, soziologischer, psychologischer und hermeneutischen Erkenntnis genötigt hat. Doch das seinerzeit als selbstverständlich geltende Verfahren kausaler Naturbeschreibung hat seine Autorität inzwischen eingebüßt. Statistische, auf das Verstehen angelegte Zugänge sind in der Physik unverzichtbar. Die Biologie braucht nicht erst in den Fragen der Ethologie, ein Verständnis für die Eigenart von Systemen, die auf der Analogie zu den vertrauten Systemen des menschlichen Handelns beruhen. Wenn der moderne Biologe den Zusammenhang zwischen Organismus und Umwelt erfassen will, muss er sich wie ein Geisteswissenschaftler verhalten; er muss Ganzheiten unterstellen, die es erlauben, die Teile nach ihren Funktionen einzuordnen.

Das ist die eine Seite. Die andere aber tritt darin hervor, dass eine Wissenschaft wie die Psychologie, die zur Zeit Diltheys als Paradedisziplin der Geisteswissenschaften galt, heute beinahe in ihrer Gesamtheit zu einer Naturwissenschaft geworden ist. Entsprechendes gilt für große Teile der Sprach- und Sozialwissenschaften, die mit Erfolg naturwissenschaftliche Verfahren einsetzen. Mag sein, dass dabei Defizite auftreten, die später behoben werden müssen. Aber es wäre unverantwortlich, mit dem Rasiermesser strenger Methodologie produktive Forschungseinheiten zu zerschneiden, nur weil man weiterhin will, dass man die alte Titulatur der Disziplinen erhält.

Zugegeben: In Deutschland war das gut hundert Jahre lang ein Erfolgsrezept. Doch die damit verbundenen forschungspolitischen Hoffnungen erfüllen sich schon lange nicht mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie haben nicht zuletzt mit dem Niedergang des Bildungsbürgertums zu tun, das der erste Weltkrieg schwächte, das sich unter Hitler selbst verriet und mit der Studentenbewegung von 1968 so gut wie völlig verschwand. Deshalb ist die Lage in Deutschland auch nicht mit der in anderen westlichen Ländern vergleichbar.

9. Einheit in der Vielheit. Wir brauchen einen Neuanfang, der die Sache der Geisteswissenschaften, ganz unabhängig von ihrem Namen, rettet. Andernfalls besteht größte Gefahr, dass wir gerade in jenen Wissenschaften bedeutungslos werden, in denen uns andere Völker und Kulturen bewundern. Noch kommen die Nord- und Südamerikaner, die Japaner, Koreaner, Inder und eine wachsende Zahl von Chinesen nach Deutschland, um hier Alten Sprachen, Kunstgeschichte, Literatur, Musik, Theologie oder Philosophie zu studieren. Wenn wir aber die zuständigen Disziplinen weiter schwächen, wird es auch damit ein Ende haben.

Die Intensivierung der Forschung und der Lehre in den Bereichen von Geschichte, Sprache, Kunst und Kultur ist daher das erste Erfordernis. Vielleicht aber hilft es auch, das überkommene Selbstverständnis zu korrigieren und die Nähe der klassischen Themen des Geistes zu den Fragen des Lebens und der Natur zu exponieren. Hierzu könnte es hilfreich sein, wenn die Geisteswissenschaften auf ihren methodologischen Hoheitsanspruch über den Zugang zu den Gebieten der Seele, der Gesellschaft und der Kultur verzichten. Sie sind Wissenschaften wie alle anderen auch, und sie sollten die Verfahren nutzen, die ihren komplexen Gegenständen angemessen sind.

Das empfiehlt sich auch deshalb, weil sie große, ja, größte Themen und Probleme zu bearbeiten haben, deren Bedeutung mit dem Anstieg des zivilisatorischen Aufwands täglich wächst: Die Fragen der Erziehung, der rechtlichen Ordnung, der sozialen Gerechtigkeit, des Vergleichs der Kulturen, der weltweiten Verständigung und der Sicherung des Friedens liegen auf der Hand. Hinzu kommt, dass man selbst in Ökonomie, Technik und Medizin nicht nur deshalb immer mehr über einzelne Vorhaben wissen muss, weil die sachlichen Anforderungen exponentiell steigen, sondern weil sie „akzeptabel“ gemacht werden müssen.

Tatsächlich erfordern die Probleme der Anwendung einen ständig wachsenden Aufwand. Das belegt auch die Erforschung des Klimawandels, der Migration oder des Wachstums der Metropolen. Die besten Ergebnisse helfen nicht, wenn sie von den Menschen aufgenommen und verständig umgesetzt werden. Hier, wie in allen anderen Fällen, tritt auf unübersehbare Weise hervor, dass wir eine genauere Kenntnis des Menschen und seiner Lebenslagen benötigen. Und mit jeder Erfindung, mit jeder hinzukommenden Einsicht, mit jeder „Entschlüsselung“ der „Codes“ von Leben und Kultur wird deutlicher, wie viel mehr der Mensch tun muss, um nicht nur klug, sondern auch verantwortlich mit seinem Wissen umzugehen. Dazu braucht er eine breite Kenntnis der Geschichte, der gesellschaftlichen Strukturen, der psychischen Anlagen, der ästhetischen und religiösen Erwartungen sowie, abkürzend gesagt, seiner Ansprüche an sich selbst.

Alles ist nichts ohne den Sinn, den wir darin zu erkennen vermögen. Um diesen Sinn so zu erhellen, dass wir auch hier von einer Erkenntnis sprechen können, die uns, trotz des ansteigenden Wissens, die Disposition über uns selbst erlaubt, brauchen wir die Wissenschaften, die sich im Jahr der Geisteswissenschaften so effektvoll präsentiert haben.

10. Behutsamer Umgang mit einer Tradition. Was aber machen wir mit dem Begriff der Geisteswissenschaften und mit ihrem veralteten Gebietsanspruch? Auch Begriffe haben ihre Geschichte und gewinnen in deren Gang ihren eigenen Wert. Im Fall der Geisteswissenschaften liegt er in der Exposition des Geistes. Das ist ein großartiger, umfassender Begriff, den wir uns nicht durch oberflächliche Hegel-Kritiker aus dem Kopf schlagen lassen sollten.

Der Geist aber ist in allen Wissenschaften wirksam. Und da das nicht alle wissen, sollten die auf ihn bezogenen Disziplinen die in allem wirksame Präsenz des Geistes herausarbeiten. Das geht nicht ohne Aufmerksamkeit für die anderen Wissenschaften, nicht ohne Sinn für die Technik und vor allem nicht ohne den Mut, sich auch mit neuen Medien in zunächst fremden Kontexten verständlich zu machen. Die Geisteswissenschaftler alter Schule wussten noch, dass sie sich in einem Gebiet bewegen, das Begeisterung weckt – dies umso mehr, wenn Begeisterung das Prinzip der eigenen Forschung ist. Nichts kommt Forschung und Lehre mehr zugute als der Geist, den Kant kurz und bündig als „belebende Kraft im Gemüthe“ definiert hat.[16]

Wie man sie produktiv machen kann, hat der große, gelegentlich sogar noch als „universal“ titulierte Hamburger Gelehrte Ernst Cassirer in seinem Lebenswerk vorgeführt.[17] Cassirer hatte es nicht nötig, gegen den Geist zu polemisieren, um dennoch den Begriff der Kulturwissenschaften zu favorisieren. Die Kulturwissenschaften aber konnte er in seinem Essay on Man so zusammenfassen, dass es ihm ohne Schwierigkeiten möglich gewesen wäre, auch von Humanwissenschaften zu sprechen. Blicken wir aber auf die fundierende Stellung von Geist und Leben in seinem Nachlasswerk,[18] hätte er auch Lebenswissenschaften sagen können.[19]

Im übrigen hat Cassirer durch seine Studien zur Relativitätstheorie, zum Erkenntnisproblem in Physik und Biologie sowie in seiner souveränen Untersuchung über Determinismus und Indeterminismus in der Natur deutlich gemacht, dass Wissenschaft letztlich darauf beruht, keine festen Grenzen zu akzeptieren. Das sollte für jeden Wissenschaftler die leitende Maxime sein.


[1] Norman Yoffee, Myths of the Archaic State: Evolution of the Earliest Cities, States, and Civilisations, Cambridge 2005.

[2] Hiob 28, 2 – 5.

[3] Hannes Wimmer, Evolution der Politik. Von der Stammesgesellschaft zur modernen Demokratie, Wien 1996.

[4] Paul U. Unschuld, Was ist Medizin? Westliche und östliche Wege der Heilkunst, München 2003, 22 ff.

[5] Dazu: Christian Meier, Die Entstehung des Politischen bei den Griechen, Frankfurt/M. 1980; ders., Die politische Kunst der griechischen Tragödie, Dresden 1990; ders.: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, Berlin 19932; Henning Ottmann, Geschichte des Politischen Denkens, Stuttgart 2001, Bd. 1.1: Von Homer bis Hesiod.

[6] Unschuld, 2003, 22 ff. u. 97 f.

[7] Prominente Beispiele sind Francis Bacon und René Descartes, die den Menschen nach Art eines „Herrn und Besitzers der Natur“ verstanden haben.

[8] Prominent auch hier: Walter Rathenau, Günther Anders oder Hans Jonas.

[9] Erich Rothacker, Logik und Systematik der Geisteswissenschaften, Bonn 1948; Søren Kjørup, Humanities, Geisteswissenschaften, Sciences humaines, Stuttgart/Weimar 2001. Zur Situation im Ganzen: Wolfgang Frühwald u. a.: Geisteswissenschaften heute. Eine Denkschrift, Frankfurt/M. 1991.

[10] Dazu: Volker Gerhardt, Im Jahr des Geistes. Philosophenkolumne, in, Merkur, Heft 696, April 2007, 339 – 346.

[11] Dazu des Näheren: Volker Gerhardt, Partizipation. Das Prinzip der Politik, München 2007.

[12] Da das Handeln auf Natur und auf Technik gegründet ist, kann man auch die Geschichte nicht, wie es in der Folge von Vico und Herder üblich wurde, der Natur entgegenstellen. Die Konsequenz aus den bedeutenden Einsichten beider Autoren kann nur sein, Geschichts- und Naturwissenschaften enger zu verbinden.

[13] Dazu die Beiträge von Bernhard vom Brocke, David Cohen, Lorraine Daston und Stefan Rebenich in dem von Jürgen Kocka herausgegebenen Sammelband: Die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin im Kaiserreich, Berlin 1999.

[14] Hermann von Helmholtz, Über das Verhältnis der Naturwissenschaft zur Gesamtheit der Wissenschaften (1862), in: Populäre Vorträge, Bd. I, 16 ff.

[15] John Stuart Mill, A System of Logic, Ratiocinative and Inductive, Being a Connected View of the Principles of Evidence, and the Methods of Scientific Investigation, London1843; ders., Principles of Political Economy, London 1848.

[16] Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, § 49, Akad. Ausg. Bd. 5, 313.

[17] Ich verweise pauschal auf die jetzt geschlossen vorliegende Hamburger Ausgabe der Werke Ernst Cassirer, hrsg. v. Birgit Recki, Hamburg 1998 – 2007.

[18] Ernst Cassirer, Zur Metaphysik der symbolischen Formen, hrsg. v. John Michael Krois, Nachgelassene Manuskripte Bd. 1, Hamburg 1995.

[19] Dazu: Birgit Recki, Ideen – Geschichte – Geist: Was die Kulturwissenschaft von Ernst Cassirer lernen könnte, in: Zeitschrift für Kulturphilosophie, Heft 1, Oktober 2007.

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