Interview mit Prof. Gerhard Mensch

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Gerhard Mensch Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist zum Alles beherrschenden Thema in der Politik und den Medien geworden. Viele werden zunehmend von den Ereignissen getrieben. Eine tiefere Analyse der Krise, die ja durchaus historische Vorläufer hat, wird bisweilen als überflüssiger Luxus zu betrachtet. Wir fragen uns aber, ob alleine Konjunkturprogramme und neue Regulierungen das Problem lösen können. Deshalb möchten wir in diesem Interview von der Diagnose zur Therapie fortschreiten.

Interview mit Prof. Gerhard Mensch


Die Kernpunkte des Solon-Interviews mit Prof. Mensch

Gefragt, was seine Antriebskraft als Theorie-Schaffender war, sagte er, seine Jugend in einem innovativen Familienunternehmen und die Einsicht, Schumpeters Theorie des „heroischen“ Unternehmers sei heute praktisch noch aktueller als 1909. Als man es im Kaiserreich den Innovatoren auch so schwer machte wie 2009 in Deutschland. Sein Herzenswunsch war, bessere Innovationstheorie zu liefern, um Innovatoren praktisch zu helfen, und heute ist das Helfen sein Beruf.

  • Fazit 1: Diese Krise wird durch einen Schub von Basisinnovationen überwunden werden. Der Verlauf ist, wie Clemens Börsig es richtig formulierte, nicht V-förmig, sondern eher U-förmig. So dass jetzt die Aufgabe lautet, erstens, diese langwierige U-förmige „Recovery“ zu beschleunigen, und zweitens, durch die Stärkung der Hub- und Schub Kräfte ein echtes „Renewal“ zu bewirken durch eine „Konvoi-Politik“ zur Beschleunigung von Innovationen, die in den Clusters dämmern. Lieber schnellere Erneuerung als langsamere Erholung. Um Obamas Recovery Act 2009 zu zitieren: „Yes, we can: quicker and better“.
  • Fazit 2: Basisinnovationen sind, wenn sie erfolgreich sind, für die Menschen unwiderstehlich, und der zwingende Nutzen schafft neue Betriebe und neue Arbeitsplätze. Es entsteht ein Wachstumszyklus.
  • Fazit 3: Wer für Deutschland mehr Markterschliessungs-Dynamik und arbeitsplatzschaffende Innovationen will, der sollte in dieser Krisenzeit die oft übersehenen Mittelunternehmen mehr beachten.
  • Fazit 4: In einem Innovations-Schub geht plötzlich leicht, was vorher als zu schwer galt oder für unmöglich gehalten wurde. Das gilt ganz besonders für gewichtige Innovationen, die nach der Formel in dem Metamorphose-Modell (Stagnation = Mangel an gewichtigen Innovationen) nun die Medizin sind, um die Stagnation und Schrumpfung in den von der Finanzkrise befallenen Wirtschaftszweigen zu kurieren. Dabei setze ich auf Innovations-Fonds (iFonds), die mittlere Innovations-Firmen (iFirmen, MidCaps) finanzieren. Das Geschäftsmodell für die Realisierung dieser Gelegenheiten ist das Konvoi-Modell.

Das Interview

Ihre wissenschaftliche Arbeit baut wesentlich auf Joseph A. Schumpeters Theorie auf, die man verkürzt vielleicht so zusammenfassen könnte: Technische und sozial-organisatorische Innovationen sind die innere Triebkraft der kapitalistischen Wirtschaftsentwicklung und diese verläuft inhärent instabil in Konjunkturzyklen: Aufschwung-Rezession-Depression-Erholung. Konjunkturzyklen existieren nicht „an sich“, sondern werden durch Innovationsdynamik bzw. Innovationsatrophie bestimmt.

1. Frage: Welche Rolle spielen die Errungenschaften von Schumpeters Wirtschaftstheorie für Ihre Arbeit und wo sehen Sie deren Grenzen?

Für mich war Schumpeters Theorie das Beste im Angebot der Bonner Universität. Da lehrte er, bevor er 1929 nach Harvard ging. Ich kannte den Namen schon. Denn mein Vater und Großvater, zwei innovative Unternehmer, sagten mir, sie seien „Schumpetersche Unternehmer“. Und mein VWL-Professor Wilhelm Krelle sagte, das sind „heroische“ Unternehmer, die Innovationen gegen starke Widerstände und Anfeindungen durchsetzten. Ja, das stimmt, sagte mein Großvater, so war es ab 1933. Ja, das stimmt, fügte mein Vater hinzu, so war es ab 1953 für uns in der DDR. So wurde mein Primärantrieb, Schumpetersche VWL und BWL zu entwickeln, um „heroischen“ Schumpeter-Unternehmern den Rücken zu stärken mit guter Theorie für schwierige Situationen.

In Schwierigkeiten wie heute, in denen wegweisende und bahnbrechende Innovationen fehlen, weil man es Innovatoren so schwer macht, das Heldentum dazu gehört, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.

In USA spielte Schumpeter die tragische Rolle des „gut, aber nicht gut genug“. So geriet ich in USA, in Stanford, unter die Theorie-Pioniere in BWL und VWL und wurde ein Theorie-Schaffender im Innovations- Management und in der unternehmerischen Innovations Finanzierung, aber auch in der volkswirtschaftlichen Innovations Ökonomie und der praktischen Anwendung auf die Wirtschafts Politik, die Innovations-Politik und besonders die Innovations Förderung durch die Staats- und Landesbanken wie SachsenLB und BayernLB. Die staatlichen Förderbanken zeigen, wie es in Deutschland um die Innovations-Theorie und Innovations Förderpraxis steht. Es bestehen Riesenlücken. Heute geht es um eine diagnosefähige Theorie, die nun zur Krisentherapie taugt. Als Pionier bin ich, wie Schumpeter, vorläufig gescheitert. So ist das. Schumpeter liefert dafür 1909 und 1939 ein Fundament, ich seither etliche Aufbauten für Diagnose und Therapie; zu spät für Prävention.

Ich habe ein ganzes Forscherleben investiert, um seine theoretischen Lücken zu schließen. Mit neuen Modellen der Innovationsforschung und neuen Methoden, die praxisrelevant sind. Praxis, das ist für mich im ursprünglichen Zusammenhang die Innovationspraxis im Betrieb. Im Industriebetrieb und im Bankbetrieb, mein Spezialfach in Bonn. In den Banken ist das Innovationsthema wie ein Saatkorn auf Betonboden. Anders ist die Lage bei den Investment-Fonds. In der Branche denkt man anders und schätzt meine Herzensangelegenheit: das innovative Unternehmertum.

Mein eigener Betrieb ist eine Denkfabrik für Innovations-Forschung im Dienste der internationalen Innovations-Finanzierung. Wir sind auf mittlere Innovations-Firmen (iFirmen) spezialisiert und auf die Beratung von Fonds-Managern von Innovations-Fonds (iFonds) ausgerichtet. Es fallen dabei hochwertige Informationen (Innovations Daten) an. Diese sind auch für die Innovations-Politik interessant, und für Wirtschafts- politiker, die Schumpeter mögen, weil eine Innovations-Politik in dem Sinne, wie sie Schumpeter vielleicht vorschwebte, als Schlüssel zum Schloss zur Tür zur Überwindung der Wirtschaftskrise begriffen wird.

Es geht um die Überwindung der Stagnation der alten Nachfrage und um die Schaffung von neuer Nachfrage in neuen Wirtschaftszweigen durch Basisinnovationen; durch einen Schub von Basisinnovationen mit einer neuen Kombination von Angebots- und Nachfrage-Politik.

Die Hauptgrenze der Schumpeter’schen Wirtschaftstheorie sehe ich darin, dass wir aus der Urform für eine neue Politik fast nichts lernen. Die Schwäche sahen auch die seinerzeit mit Schumpeter konkurrierenden Makroökonomen, allen voran Keynes und Kuznets. Die Missachtung lebt bei den Neo-Keynesianern und den Monetaristen fort bis heute. Auch bei den Mikroökonomen der Neoklassik, welche Schumpeter zurecht vorhielten, wie mein Lehrer Krelle, dass er kein meso-ökonomisches Konzept hatte, um Branchenentwicklungen und darin Sonderkonjunkturen mit „Boom and Bust“ zu differenzieren. Ihm vorzuwerfen, er habe keine Mesoökonomie, trifft natürlich auch auf die Makroökonomen der rivalisierenden Richtungen zu. Doch Schumpeters Tragik bestand darin, dass seine Theorie „tiefer“ ist als die „flachen“ Makro Theorien der Kritiker. Eine innovations-theoretisch tragfähige Mikro- und Meso-Fundierung wäre nötig gewesen wäre, und die hatte er nicht. Er war Schumpeter nackt, und andere Nackedeis merkten das und machten ihm die Nacktheit zum Vorwurf. C’est la vie.

Das Fehlen von guter Mikro- und Mesofundierung führt zu schlimmen Fehlleistungen. In USA ist dieses Fehlen Ursache dafür, dass sich die Zentralbanker im Federal Reserve System auf die Ansicht geeinigt hatten, Früherkennen von Blasenbildung sei nicht möglich und somit auch nicht nötig. Diese Nullhypothese hat die praktische Konsequenz des „hands off!“, so dass in Zweigen der Finanzwirtschaft, wo durch Finanzinnovationen stürmisches Wachstum ausbrach, die Klumpen Risiken ignoriert wurden und die Blasen in den Himmel wuchsen.

Auch jetzt fehlt den Makroökonomen noch diese mesoökonomische Differenzierung, die man braucht, um die Wechselwirkung zwischen Branchen der Realökonomie und Zweigen der Kreditwirtschaft und Segmenten des Kapitalmarktes zu beurteilen, die von den Finanzinnovationen früher betroffen waren und in Zukunft wieder, aber auf eine andere Art und Weise betroffen sein werden. So dass der Einfluss der Finanzinnovationen auf Industriezweige, einerseits, und Rückwirkung der industriellen Stagnation auf die Banken, andererseits, völlig neu in den Themenkatalog der Teilnehmer am Londoner G20 Gipfel gerückt ist, und zu dem Beschluss führte, den schwarzen Peter dem IMF zu zuschieben. Der IMF soll sich um die Früherkennung von strukturellen Instabilitäten und die Blasenbildung kümmern. Wenn ich sagen sollte, welches mein eigener wichtiger Beitrag zur Neo-Schumpeter-Theorie ist, dann das Modell der strukturellen Instabilität in Industriezweigen und die empirische Validierung mit Industriedaten hier und in USA. Heute geht es um die Frage, ob diese Stabilitätskonzepte aus Branchen mit stofflicher Basis auch auf Branchen mit nichtstofflicher, immaterieller Basis übertragbar sind: Finanz-, Wissens- und Kulturgüter.

Fazit 1: Diese Krise wird durch einen Schub von Basisinnovationen überwunden werden. Der Verlauf ist, wie Clemens Börsig es richtig formulierte, nicht V-förmig, sondern eher U-förmig. So dass jetzt die Aufgabe lautet, erstens, diese langwierige U-förmige „Recovery“ zu beschleunigen, und zweitens, durch die Stärkung der Hub- und Schub Kräfte ein echtes „Renewal“ zu bewirken durch eine „Konvoi-Politik“ zur Beschleunigung von Innovationen, die in den Clustern dämmern. Lieber schnellere Erneuerung als langsamere Erholung. Um Obamas Recovery Act 2009 zu zitieren: „Yes, we can: quicker and better“.

2. Frage: Schumpeter hat die Theorie der „langen Wellen“ der Wirtschaftsentwicklung, die der russische Ökonomen Nikolai Kondratieff entwickelt hat, aufgenommen. Spielt diese Theorie auch in Ihren Überlegungen eine wichtige Rolle?

Ja, als ein Spezialfall. Der Spezialfall des langsamen, des graduellen Wandels entlang einer langfristigen Trendkurve, von der wir uns aber heute gern absetzen wollen, um schneller, viel schneller, die Struktur Verbesserung durch markterschließende Innovationen mit Arbeitsplatzschaffung zu erreichen, die von Neuer Nachfrage ausgeht. Nur Aufträge schaffen Arbeit. Russischen Kollegen und ich sprechen von „Neo-Kondratieff“, wenn wir das „Neo-Schumpeter-Paradigma“ meinen und treten für einen Schub von Basisinnovationen ein, der mit Hilfe konzertierter Aktionen heute schneller zustande kommen könnte als unkoordiniert, wie in der Vergangenheit. Daran arbeite ich mit.

Die Hälfte der praktischen Arbeit an wegweisenden und bahnbrechenden Innovationen, die früher den „heroischen“ Pionier erforderten, ist Überzeugungsarbeit mit Herz und Hand. In Russland zum Beispiel erfordert das Rücksicht auf den russischen Nationalstolz. Dort muss man heute Kondratieff mit größtem Respekt behandeln. Wir sagen „Neo-Kondratieff-Agenda“ Kondratieff zu Ehren, und bezeichnen so die neue russische Wirtschaftspolitik, die Präsident Putin 2007 begonnen und Präsident Medwedjew seit 2008 fortführt und in die Tat umsetzt. Ich wurde 2006 zum Vizepräsident der Kondratieff-Gesellschaft an der Russischen Akademie der Wissenschaften gewählt, nicht nur, weil ich diese Theorie-Alternative mit entwickelt habe, sondern auch, weil ich den russischen Theorie-Vorläufern die verdiente Referenz erweise. Das gehört zum Handlungswissen in der praktischen Umsetzung.

3. Frage: Wenn wir Sie recht verstehen, dann betrachten Sie den Begriff der Welle zum Verständnis von innovationsgetriebener Wirtschaftsentwicklung als problematisch und betonen stattdessen das stosswellenartige von Innovationen. Sie sprechen von Schüben und Pulsen der Innovation. Warum betonen Sie diesen Unterschied?

Oh, diese Frage trifft den harten Kern der Missverständnisse der neo- keynesianischen Konjunkturtheoretiker, die von Schumpeter den Teil der Zyklen-Theorie übernommen haben, der nicht gut genug ist. Nicht gut genug, so dass leichtgläubig die Annahme übernommen wird, dass das so weitergeht, was bis hierher wellenförmig angelaufen ist. Es erlaubt, leichtfertig zu behaupten, nach der Konjunkturspritze mit zig Milliarden sei alles wie zuvor: „Nach jedem Dezember folgt wieder ein Mai“. In Wirklichkeit hat sich in einem Struktur-Umbruch etwas fundamental in den Industriezweigen verändert, die für Export und Import offen sind und dem internationalen Innovations-Wettbewerb ausgesetzt sind wie Hardware, Software, Unterhaltungselektronik und auch Handies, wo die Siemens-Töchter angeblich nicht mehr mithalten konnten.

Schumpeter war Makroökonom. Er unterschied nicht nach Branchen und Wirtschaftszweigen, in denen das innovative Unternehmertum die Innovationen mit Neuer Nachfrage hervorbringt. Gut an Schumpeters Makroökonomie, die mit Keynes rivalisierte, ist die Zyklentheorie, die kurz-, mittel- und langfristige Verläufe unterscheidet, was Keynes ja geflissentlich unterlassen hatte; eine schlimme Erbschaft. Schlecht an Schumpeters Zyklenkonzept war die Unterlegung mit Wellentheorie. Er kannte 1939 nur Längswellen in den Trendabweichungen, keine Stosswellen mit brachialer Wellenfront, die Brüche bringen; die kleine Brüche und große Brüche bringen können, die, wenn sie nicht richtig verstanden werden, zu einer Großen Depression wie 1929-38 entarten können. Das Konzept „Stosswellen“ ist besser als die „Längswellen“, aber auch noch nicht gut genug für eine therapietaugliche Diagnostik.

Wenn man die Schumpeter-Dynamik durchmathematisiert, wie es der Schumpeter-Schüler Richard Goodwin in seinem nichtlinearen Akzellerations-Modell und ich mit dem nichtlinearen Alternator-Modell gemacht haben, dann wird evident: Eine nach dem Schumpeter-Prinzip von Innovationen angetriebene Wirtschaft läuft als ein „Prozess der schöpferischen Zerstörung“ ab, und zwar in der Form eines Pulsators.

Die Finanzfachleute unter uns würden sagen, es sind Klumpenrisiken, die sich 2007-08 zu einem zerstörerischen Klumpen zusammenballten und den Einbruch („bust“) verursachten und als Crash-Pulsator auf die Banken und Börsen einschlugen. Die Sonnenseite der Medaille ist die Möglichkeit, dass durch kreative Kräfte auch „Gelegenheitsklumpen“ entstehen, die den Ausbruch aus der Stagnation und Rezession bewirken können und als Chancen-Pulsator die Karre aus dem Dreck ziehen können („boom“). Durch einen Schub von Basisinnovationen, und wir arbeiten an diesem „Gelegenheitsklumpen“ als die Krisen-Arznei.

4. Frage: Was ist das „Schumpeter-Mensch-Modell“ bzw. das „ Metamorphose-Modell“?

Es gibt da ein gewisses Wirrwarr, weil mein Metamorphose-Modell des Umschwungs und Aufschwungs zuerst da war: 1975, als ich mein Buch mit dem Untertitel versah: „Innovationen überwinden die Depression“. Darin wagte ich die Prognose, der nächste große Umbruch sei 1989 zu erwarten, was dann auch kam. Umbrüche erzeugen Durchbrüche. Der größte Bruch war die Berliner Mauer, die 1989 brach und über den Osten brach ein Schub von Basisinnovationen herein.

Das Schumpeter-Mensch-Modell ist mein Schumpeter-Clock-Modell der Erwartungsbildung von Investoren, die – wenn sie investieren – die Wahl haben zwischen weitermachen oder anders machen. Das ist der „Alternator“ in der Erwartungsbildung. Wenn viele Investoren auf Innovationen setzen, weil sie erwarten, dass viele dasselbe tun, dann wirkt der Alternator mit der Koordination zusammen. Dabei entstehen die Konjunkturzyklen, kurze und lange, je nach der „Reichweite“ der Neuerungen. Das ist meine Neufassung (1985) von Schumpeters Zyklen-Theorie auf der Basis des Metamorphose-Modells (1975).

Für heute ist wichtig, dass der „Alternator“ anzeigt, dass diese Bruch-Krise recht gute Voraussetzungen für einen Schub von Innovationen zur Schaffung von Neuer Nachfrage und neuen Arbeitsplätzen bietet. Und dass der Schub in manchen Ländern kommen wird, weil dort die Eliten die notwendige Koordination nicht vermasseln, und dass in anderen Ländern der „Gelegenheitsklumpen“ nicht wahrgenommen oder zerredet wird, so dass der Chancen-Pulsator an diesen Ländern vorbei läuft und der Krise eher U-förmig und leidvoller verläuft als in den Ländern, die wenn schon kein V, so doch die W-Form erreichen, mit weniger tiefer Boden-Bildung, und schnellerer Erholung durch die Nachhaltigkeit der ökonomischen Erneuerung.

Praktisch sind wir in der Europäischen Innovations-Akademie dabei, solche Chancen-Pulse mit Combo-Effekt in Team-Arbeit zu leisten.

Eine andere Sache sind die „Schumpeter-Mensch-Long-Swings“, die Herman Wold, der große schwedische Wirtschaftswissenschaftler, so bezeichnete, als er mein Metamorphose-Modell auf Branchen-Zyklen in der US-Industrie anwendete. Eine Frage, die uns heute beschäftigt, ist, ob dies Konzept der Volatilität in den Zweigen der Realökonomie auch auf Zweige der Finanzwirtschaft übertragen werden können, um die Gefahr der Ansteckungen mit Destabilisierung zu überprüfen.

5. Frage: Sie unterscheiden Basisinnovationen von Verbesserungsinnovationen. Könnten Sie den Unterschied erläutern?

Eine Basisinnovation aus dem Jahre 1987 könnte als Beispiel dienen. Das Beispiel ist gut, weil es zum einen den Start einer langen S-Kurve im Bereich Mensch-Maschine-Systeme (MMS) markiert, zum zweiten aber auch den Start einer mittellangen S-Kurve (Kuznets-Zyklus von rund 20 Jahren) markiert, der jetzt in der Finanzkrise 2008-09 seinen Zenit und Knacks erlebt hat. So dass die lange S-Kurve noch zwanzig oder mehr Jahre weitergeht als Fortsetzung des Branchen-Wachstums in diesem Bereich, während die mittellange S-Kurve jetzt zu Ende ist, im Bust endete, und nun durch eine neue mittellange S-Kurve abgelöst werden wird, deren Start mit einer großen Verbesserungsinnovation im Jahr 2009 erfolgt, die einen neuen Aufschwung mit mittellangem Kuznets-Boom bis ins Jahr 2029 hinaus bringt. Dessen Pfad wird dann mit den Jahren mit größeren und kleineren Produkt- und Prozessinnovationen gepflastert sein, die Produktlebenszyklen der mittleren Länge (sogenannte Juglar-Zyklen von 8 bis 12 Jahren) und der kurzen Art (Kitchin-Konjunktur-Zyklen von 3 bis 4 Jahren) mit sich bringen. Es ist klar, dass jeder Investor, der nicht blind ist, solche Staffelung der Zeithorizonte des Kapitaleinsatzes braucht, um richtig und rechtzeitig zu disponieren. Wem das zu komplex ist, der versteht die Welt nicht.

1987 wurde in Sydney die erste „elektronische“ Handelsplattform für den Börsen-Termin-Handel mit Vieh eingerichtet, die im Millisekundenbereich Vieh-Zertifikate handeln kann (Tic Trade). Mit dieser Art Mensch-Maschine-System kann die Maschine „algorithmisch“ in der Sekunde über 100.000 Orders ausführen. Bald wurde diese Basisinnovation des CALM Computer Assisted Lifestock Market auf den Algorithmus-Handel mit Wertpapieren transferiert: Aktien und Anleihen, zuerst in New York, wo diese Erstinnovation im elektronischen Börsenhandel den Kuznets-Zyklus auslöste, der später zur Blasenbildung im „algorithmischen“ Handel mit Derivaten führte, bis 2007-08 diese Blase platzte. Typisch für die Blase ist ein Quantensprung. Dank der neuen Art Mensch-Maschine-Interaktion im Tic Trade war die Zahl der dafür gelisteten Papiere explodiert. Waren es unter 5000 im Jahr 1987, so stieg die Zahl bis 2007 auf fast 400.000. Das Hundertfache.

Die interessante Frage ist nun, wie es mit dieser Branche weitergeht. Zum leichteren Verständnis der Möglichkeiten dient die Rückschau.

In Deutschland machte die Frankfurter Börse den Anfang zu diesem Quantensprung. Erst dachte man, das bläst den regionalen Börsen das Lebenslicht aus. Doch das Gegenteil war der Fall: Diese profitierten, weil Anleger über Xetra die Orders an sieben deutsche Regionalbörsen weiterleiten können, etwa über Xontro zur Münchner Börse. Diese garantiert dem Anleger mit Max-One, dass 80% der Aufträge innerhalb 3 Sekunden ausgeführt werden. Andere Verbesserungsinnovationen waren 1999 der Aufbau des Handels mit verbrieften Derivaten durch die Stuttgarter Börse sowie 2002 die Einführung des Handels mit aktiv gemanagten Fondsanteilen an der Hamburger Börse. Es kann gar kein Zweifel an dem Szenario aufkommen, dass in diesem Bereich Mensch-Maschine- Interaktion mit „algorithmischem“ Handel jetzt ein neuer mittellanger Kuznets-Zyklus schon gestartet ist, der mit einer Verbesserungsinnovation bei Algorithmen, etwa dem NSM Nonlinear Soft Modelling, längst begonnen hat und mit davon induzierten Prozessinnovationen untermauert wird, welche das Ganze sicherer machen als vor der Zeit der geplatzten Blase, und auch nutzen-kosten-effizienter.

Ein Beispiel für eine solche Prozessinnovation war 1999 das Limit-Control-System, dass das Orderbuch-Management so rationalisierte, dass ein Makler mehrere Orderbücher zugleich führen konnte, ohne in der Fülle und dem Tempo der Transaktionen unterzugehen. Diese Rationalisierung bringt nun auch die schnelle Versorgung mit Echtzeitkursen und die deutliche Verengung der Spannen (spreads) mit sich. Das macht das System plötzlich für viele Privatanleger hoch interessant. Eine Zahl, um dies zu verdeutlichen: Waren es in Deutschland 2004 1.500.000 Finanzdienstleister und nur wenige Privatpersonen, die Zugang hatten, so wird die mittellange S-Kurve dieser Fortentwicklung bis 2030 weiterlaufen, und Millionen Privatleute zum Geldverdienen mit Geld durch Tic Trade verlocken. Denn der Wunsch nach Ausgleich der Verluste zwingt sie nun dazu.

Fazit 2: Basisinnovationen sind, wenn sie erfolgreich sind, für die Menschen unwiderstehlich, und der zwingende Nutzen schafft neue Betriebe und neue Arbeitsplätze. Es entsteht ein Wachstumszyklus.

6. Frage: Wie kann man überhaupt entscheiden, ob man eine wirklich Innovation vor sich hat, es gibt doch auch Scheininnovationen? Wir denken da zum Beispiel an die vielen „innovativen Finanzprodukte“ der jüngsten Vergangenheit. Und von Hayek lehnt ja Innovationsförderung, mit Hinweis auf die „Anmaßung des Wissens“ ab. Gibt es wissenschaftliche Kriterien, um Innovationen von „Scheininnovationen“ zu unterscheiden?

Ja, auch dieses Feld wird bald von Scheininnovationen wimmeln, und von Leuten, die sich Wissen anmaßen, ohne es zu haben (Angeber), oder die wissentlich Schlechtes gutheißen, wie Rating-Agenturen, die als käufliche Kreaturen die Derivate mit dem AAA stempelten und so den Betrug bei der Zertifizierung der Finanzderivate 2003 bis 2007 mit dem Schein-Güte-Siegel deckten. Indes, nicht alles Rating ist faul. Meine Gruppe hat eine Erfolgsgeschichte im Innovations-Rating. In zwei Versionen: Die eine Art kann Scheininnovationen rausfiltern und so die größten Verlustrisiken (Vorspiegelung von Scheininnovationen als echte) vermeiden helfen. Das wissen die Fonds-Manager sehr zu schätzen. Die zweite Version ermittelt den Innovationsgrad °M auf der Skala von Null bis Zehn und das hilft die Alpha-Chancen zu finden, die von Innovationsfonds gesucht sind: Schumpetersche Pionier-Renditen.

7. Frage: Auf die Frage, welche früheren Innovationen sich im Lauf der Geschichte als Basisinnovationen herausgestellt haben, haben Sie plausible Antworten gefunden. Viel schwerer zu beantworten ist jedoch die Frage, welche Erfindung von heute in der Zukunft zur Basisinnovation werden wird. Liegt die Schwierigkeit nicht auch darin, dass man zur Beantwortung dieser Frage einen „Horizont“ benötigt, der auch von der künftigen Gesellschaftsordnung und dem Menschenbild abhängt, um an diesem Horizont die Maßstäbe zu setzten, die uns die Geschichte bei der Betrachtung der vergangen Zyklen implizit liefert?

Ja, darum die Unterscheidung der Zyklen-Länge und Zeit-Horizonte als Ansatz für die Vorausschau auf potentielle Neuen Nachfrage in Abhängigkeit von Menschenbild, Gesellschaftsordnung usw. Bei kurzen Kitchin-Zyklen ist die Neue Nachfrage der Alten sehr ähnlich, bei 10-jährigen Juglars teils anders, bei 20-jährigen Kuznets komplett anders.

Wer heute über den Rand der Krise blickt, wird erkennen, dass jetzt durch den Einbruch die kurze Frist, die mittlere Frist und die lange Frist nicht, wie üblich, verstreut sind, sondern die Startzeitpunkte der Zyklen in unüblicher Weise durch den tiefen Einbruch synchronisiert sind. Das heißt, wer jetzt Geld in einen neuen Arbeitsplatz investieren soll, der ist in der Zwickmühle, kurz und lang unterscheiden zu müssen, also die Gleichheit und Andersartigkeit der Nachfrage und die Nachhaltigkeit der Bedürfnisse zu beurteilen, auf die er setzt.

Ich stehe zu der Zeiteinteilung, 1.) dass 1989 ein neuer Langfrist-Zyklus begonnen hatte, der als neue S-förmige Trend-Kurve bis 2050 reicht. Dieser Lang-Trend 1990-2050 wurde 2.) ab 1990 von einem Mittellang-Trend (ein Kuznets-Zyklus) in der Nachfrage überlagert, der 2007/9 auslief und brach, 3.) die zweite Hälfte dieses ausgelaufenen Kuznets wiederum war von 1999 bis 2008 überlagert von Juglar-Zyklen, einer im dot.com Sektor, ein anderer bei Sub-Prime-Krediten, ein dritter in strukturierten Produkten auf die Sub-Primes, und exakt dieser Finanz-Juglar brach, und zwar krachend („crash“) wie ein Paukenschlag.

Worin ich mich nun von Schumpeters Zyklentheorie radikal unterscheide ist in der Staffelung der Zeit-Horizonte und was daraus für die Vorausschau folgt: „Before you invest, investigate!“. Die Lage ist nämlich nicht nur durch einen Trendbruch der Konjunktur gekennzeichnet, sondern auch durch Entfaltung eines Trend-Fächers mit mehreren Wahlmöglichkeiten für Trend-Finger, die sich krümmen können. Der strategische Investor identifiziert seinen Trend und investiert in ihn. In strukturdynamischer Sicht hat der Einbruch des Finanz-Juglars 2007-8 und das Reinreißen des abgelaufenen Kuznets-Zyklus sehr differenzierte Folgewirkungen; sie bringen jetzt nicht nur Risiken, sondern Chancen. Erstens: Der Einbruch zwingt den ohnehin fällig gewesenen Phasenübergang vom ausgelaufenen Kuznets-Zyklus schneller zum Start eines neuen Kuznets-Zyklus. Der Trott nimmt einen schnelleren Takt an. Zweitens: Der Bruch erzeugt die strukturelle Bereitschaft zum Start von mehreren neuen Finanz-Juglar-Zyklen, die als Finanz-Produkt-Lebenszyklen ein gefundenes Fressen für Banken und Versicherungen auf der Suche nach neuen Ertragsquellen sind.

8. Frage: Sie sagen, dass das Abebben der Innovationsdynamik zu Stagnation und Krisen führt. Aber wodurch tritt die Stagnation ein. Wird der potenzielle Aufschwung blockiert, weil das „Angebot“ an wissenschaftlicher Forschung und neuen Erfindungen fehlt? Oder mangelt es an der „Nachfrage“ durch die Wirtschaftsunternehmen neue Erfindungen aufzugreifen?

Für Innovation und Stagnation in der Realökonomie wissen wir das. Für Innovationen in der Finanzsphäre und in der Kultursphäre, wo es auf Wissenskapital und Symbolkapital ankommt, wissen wir weniger.

Die Formel in meinem Metamorphose-Modell lautet: Stagnation ist Mangel an gewichtigen Innovationen. Dieser Mangel kann von einer Fülle von Kleininnovationen und Scheininnovationen verdeckt sein, die Gewicht vorspiegeln aber keines haben. Dafür steht angeblich General Motors als Mutter-Unternehmen, das dem Tochter-Unternehmen OPEL anscheinend deren Großinnovationen im Interesse der Detroiter Kleininnovationen gesperrt hatte, oder?

Als Professor für Unternehmensführung und Innovationsmanagement in Cleveland habe ich jahrelang erlebt, was Sie erfragen, nämlich, wie GM als potentieller „Nachfrager“ von Innovations-„Angeboten“ aus dem Kreis der Zulieferfirmen reagierte: Bestenfalls hinhaltend. Eine Verallgemeinerung der hohen Innovations-Neigung in ganz USA auf die innovationsmüde US-Autoindustrie wäre falsch, wie auch keine Rückschlüsse von GMs Innovations-Neigung auf die der Amerikaner erlaubt sind. Die USA sind und bleiben Weltmeister im Entwickeln von Neuerungen und in der zügigen Umsetzung in Erstinnovationen.

9. Frage: Welche Technologiefelder betrachten Sie als besonders „zukunftsträchtig“? Wo würden Sie das Potenzial für Basisinnovationen sehen?

Wer Technologiefelder umfassend mit Begriffen wie Biotechnik oder Nanotechnik bezeichnet, hat allgemein recht und speziell meist nicht, weil auf sieben Entwicklungsversuche in einer „zukunftsträchtigen“ Technologie nur ein durchschlagender Innovationserfolg mit einer wegweisenden oder bahnbrechenden Innovation gelingt, die dann den nächsten Juglar- oder Kuznets-Zyklus in Gang setzen. Ich erwarte nun einen Schub von Basisinnovationen, die den nächsten Finanz-Juglar treiben, den nächsten Clean-Energy-Kuznets einleiten sowie den schon seit 1989 laufenden Langfrist-Zyklus im Internet durch neue Formen der Interaktion und Formate mit Gruppen-Intelligenz weiter anheizen, vor allem bei Vorsorge-Investitionen und bei Gesundheitsdiensten. Das ist ein ganzer Trend-Fächer von kleinen und großen Gelegenheiten mit kurzer und langer Reichweite. Das wird nun wirklich spannend, weil die großen Potentiale, die jetzt sichtbar werden, weniger von ungenutzten Technologien kommen (Angebots-Lücken) wie früher in der industriellen Vergangenheit, sondern mehr von ungesättigten Bedürfnissen in aller Welt (Nachfrage-Lücken), in der Informationsgesellschaft mit Wissenswirtschaft als Leitsektor. Bei uns gibt eine Querschnitts-Technologie, welche ich für die Zukunft von überragender Bedeutung ansehe, die interaktive Internet-Technik. Sie kann die Gruppen-Intelligenz von Gruppen von potentiellen Nachfragern auf den Punkt bringen, indem der Wissensstock (mit)-geteilt wird, der zu Sammelbestellungen führt. Ich kenne dafür ein paar Beispiele und engagiere mich dabei.

10. Frage: Schumpeter sieht in der von der Realwirtschaft losgelösten Finanzsphäre die Hauptursache von Wirtschaftsdepressionen, im Gegensatz zu innovationsbedingten Rezessionen. Ohne Traktion in der Realwirtschaft entwickelt der Finanzsektor eine Eigendynamik, die erst zum spekulativen Exzess und dann zur ungebremsten Selbstliquidation führt. Wird diese Einschätzung durch die gegenwärtige, von den USA ausgehende, Krise bestätigt?

Sie haben völlig recht. Wenn in der US-Wirtschaft im Jahre 2007 40% aller Gewinne im Finanzsektor gemacht wurden, weil die Kreativität und Finanzinnovativität dort kulminierte, dann ist es „Loslösung“ von der Realökonomie im großen Stil. Und wenn die Japanische Staatsregierung die Neuverschuldung Japans auf 200% des Brutto-Sozialproduktes (BSP) hochtreibt, um Konjunktur-Schwankungen von 50% des BSP zu glätten, dann ist dies auch ein “Realitätsverlust“ in einem Missverhältnis, das Ihren Begriff der „Loslösung“ voll erfüllt. Darum sehe ich das Szenario bestätigt, dass der Finanzbereich durch weitere Kitchins, Juglars und Kuznets-Zyklen mehrschichtig weiter wächst und um den langen Neo-Kondratieff-Trend gefächert im Trendfinger beschleunigt. Auf den IMF, den die G20-Gipfelrunde mit der neuen Aufgabe eines Stabilitäts-Monitoring betraut hat, kommt eine „neo-schumpetersche“ Prüfungsaufgabe zu, die ganz schön schwierig ist. Im Kleinen, bei Innovations-Fonds (iFonds), lösen wir solche Analysis-Aufgaben. Aber wie geht das im Großen?

11. Frage: Alle Regierungen und die Mehrheit der Fachleute sehen in der augenblicklichen Situation als Mittel der Wahl massive Keynesianische Nachfragestimulierung als Antwort auf die Finanz- und Wirtschaftskrise. Wie stehen Sie zu dieser Meinung?

Nachfragestimulierung nach dem Gießkannenprinzip kann nur die verlängerten Werkbänke in Massenfabrikationen und im Bauwesen anregen. Die Opel-Diskussion zeigt, wohin das führt: GM und FIAT könnten entschuldet und aufgepäppelt werden, um Arbeitsplätze hier zu sichern; kurzfristig. Aber die Abwackprämie 2009 verstopft mittelfristig die Märkte für neue Modelle 2010 bis 2014. Der Bundeswirtschaftsminister von Guttenberg hat recht, wenn er Zukunftskonzepte fordert, die auf neue Märkte für neue Modelle zielen. Das nannten wir früher die selektiv-indirekte Innovations-Förderung als Gegenmodell der selektiv-direkten Investitionslenkung. Die verspricht, das leidige „Mittelabflussproblem“ zu lösen, das der hat, dem nichts besseres als die Globalsteuerung der Nachfrage mit der Gießkanne einfällt. Dann fließt das angekündigte Geld nicht ab, weil in den Zwischenstationen so viele kluge Leute sitzen, die den Abfluss in die Nichtsnutzigkeit verhindern, und sich dafür beschimpfen lassen müssen. Es kommt heute darauf an, die Gruppen-Intelligenz derjenigen Experten hier im Lande besser zu nutzen, die nicht gehorsam den Mittelabfluss ins Nirwana der Nutzlosigkeit betreiben, sondern sehr wohl wissen, dass es darauf ankommt, neuer Nachfrage neue Wege zu bahnen.

12. Frage: Wie schätzen Sie die gegenwärtigen Innovationspotentiale in den USA, in Europa und in sich entwickelnden Ländern wie China, Indien, Brasilien ein?

Dieser Herausforderung, neuer Nachfrage neue Wege zu bahnen, ist das „Nationale Innovations-System“ in Deutschland längst nicht so gut gewachsen wie das US-amerikanische und das in den BRIC-Staaten der Fall ist.

Meine Einschätzung basiert auf einer 2007er Potential-Analyse von 68 Ländern. Ich nahm teil im Auftrag des Institute of Economic Strategy (INES) der Russischen Akademie der Wissenschaften, die ebendiese Frage beantworten sollte. Meine Unteraufgabe war, mittels unseres Innovations-Rating das Innovations-Potential von 17 Ländern (USA und andere) grob zu schätzen und in die Matrix-Methode des INES zu integrieren. Das Ergebnis war sonnenklar: Angebotsseitig betrachtet, also aus Sicht der herrschenden Supply-Side-Ökonomie, ist USA bei der Innovations-Trefferquote vorn, und Westeuropa folgt, mit Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien auf den Hinterplätzen in einem Minderleistungs-Regime. Nachfrageseitig betrachtet, also aus Sicht der Erschließung großer, ungesättigter Nachfrage-Potentiale durch angepasste Technologien, sind die BRIC-Nationen Brasilien, Russland, Indien und China längst weltweit in Führung gegangen. Wohlgemerkt, das merkt man überhaupt nur, wenn man die Sichtweise dieser Angebots-Logik einmal verlässt und die Brille der Schaffung von Neuer Nachfrage aufsetzt. In der Anwendung einer Neukombination von Angebots- und Nachfragepolitik sind die BRIC-Staaten weltweit vorn.

13. Frage: Und wie beurteilen Sie die Innovationspotentiale in Deutschland?

Die Fixierung auf die angebotsseitig orientierte Ordnungspolitik ist ein prägendes Merkmal von Deutschland als Exportweltmeister mit seiner Marke „Made in Germany“, die der Meister eher angebotseitig versteht, und nicht nachfrageseitig. So dass ein Vergleich nicht nur mit den großen USA und BRIC-Nationen, sondern vor allem mit den kleineren westeuropäischen Nachbarländern Zweifel weckt, ob diese traditionsreiche Fixierung auf frühere Stärken auch morgen noch ausreicht.

Schon Wolfgang Schäuble schrieb in seinem 1994er Buch „Und der Zukunft zugewandt“, die Deutschen seien verliebt in den Status Quo. Die Status-Quo-Verliebtheit der Deutschen hatte auch sein damaliger Kabinettskollege Theo Waigel im Sinn, als er spottete: „Sie wollen die Veränderung, nur Ändern darf sich nichts“. Die Status-Quo-Vorliebe wirkt als Potential-Klemme: Lieber als große Innovationen sind kleine Innovationen, und am liebsten sind keine Innovationen. So werden die größeren Innovationen gebremst und Scheininnovationen gefördert. Bis zu dem Punkt, dass Herr Dr. von Pierer als Berater von Schröder und Merkel sich versteigt, „kontinuierliche“ Innovation gut zu finden.

Es ist nun allen klar, dass man solche laufenden Kleinst-Innovationen nur noch mit Draufzahlen von Schmiergeld im Markt verkaufen kann.

Die Bundesrepublik investiert Milliarden in Forschung und Entwicklung und schafft so prima Inputs in Innovationspotentiale. Indes, wer fragt eigentlich offiziell, was dabei heraus kommt und wie gut das ist? Hier geben die Innovations-Daten aus der Innovations-Finanzierung durch Innovations-Fonds einige Hinweise darauf, wo Deutschland wirklich steht. Das Innovations-Rating im Auftrag amerikanischer und europäischer Fonds ergibt, dass Innovationen deutscher Firmen deutlich seltener sind, als von Innovationsfonds als akzeptabel eingeschätzt werden und auch seltener als Innovationen aus west- und nordeuropäischen Ländern. Es steht dem mächtigen Strom von Inputs in die deutsche Innovationsfähigkeit nur ein Rinnsal an Output als Innovations-Leistung gegenüber, das aus dem hohen Innovationspotential herauskommt.

Weichere Indikatoren für eine Umsetzungs-Hemmnis gibt es schon länger. Roman Herzogs Ruck-Rede sprach schon vor 1998 von der Umsetzungslücke. Sie existiert also nicht erst seit 1998 (Rot-Grün), und auch nicht erst seit 1982 (Schwarz-Gelb). Der Innovationsknacks kam schon um 1975, als die Ordnungspolitiker dem Ölpreis der OPEC die Schuld zu wiesen. Der Knacks kam mit dem Politik-Schwenker weg vom Keynesianismus und hin zum Anti-Keynesianismus Mitte der siebziger Jahre. Da wurde das Baby der Innovations-Förderung in Deutschland, die während der Zeit bis zur Vollbeschäftigung 1974 so nebenbei mit abfiel, mit dem Bade des Nein zur Globalsteuerung der Nachfrage mit ausgeschüttet, weil man die Bedeutung der Innovation für Wachstum und Beschäftigung nicht mehr hoch schätzte wie zuvor. Seither ist die Arbeitslosigkeit von der Vollbeschäftigung in 1973 auf fünf Millionen Arbeitslose in 2003 gestiegen. Markterschließende und arbeitsplatzschaffende Innovationen wurden systematisch unterlassen. Am Ende des Trends steht die SachsenLB, über die dann Herr Prof. Milbrad sagte, es gebe nicht genug Innovationspotential in sächsischen Unternehmen, um die sächsische Fördergelder dort so profitabel anlegen zu können, wie in jenen US-Finanzinnovationen. Es ist wie in Grimms Märchen vom Hans im Glück: Finanz-Blindheit im Großen bewirkt volkswirtschaftliche Ausfälle, so wie Betriebsblindheit im Kleinen betriebswirtschaftliche Ausfälle bewirkt, wie ein jeder weiß.

Die Finanzblindheit verdrängt besonders die Innovationsfinanzierung von komplexeren Neuerungen zum Nachteil der Kleinstinnovationen, die man in Taiwan und Korea ebenso gut oder gar besser kann als hier, weil man dort nicht, wie hier, als Innovator „heroisch“ sein muss.

Nicht nur für Deutschland gilt das. Das ist das Ergebnis von Banken-Studien, auch aus Frankreich und Italien, die auf dem Kongress des Europa-Forums für Geld und Finanzen (SUERF) neulich in Paris vorgestellt wurden. Vor allem kleine und mittlere Innovationsfirmen werden so benachteiligt. Im SUERF-Vortrag hieß es: Sie werden diskriminiert, und das ist nur eine Umschreibung der Schwierigkeiten, die man dem Innovator macht, so dass dort zum „heroischen Unternehmer“ wurde. Unsere Innovations-Daten zu den Innovations-Finanzentscheidungen bestätigen diese Befunde. Ich hielt auf dem SUERF-Kongress einen Vortrag: „Mittlere Innovations-Firmen kämpfen im Innovations-Wettbewerb an zwei Fronten“. Einerseits stehen sie im Wettbewerb mit Großkonzernen, andererseits mit kreativen Kleinunternehmen, die mit staatlicher Innovations-Förderung den mittleren Firmen die Marktanteile anknabbern und die Renditen kappen.

Der innovative Mittelstand, besonders die mittleren Firmen, werden so nicht nur am Markt in die Zwickmühle genommen; das ist ja normal; sondern sie werden auch durch die Besonderheit der deutschen staatlichen Innovations-Förderung benachteiligt (Englisch: discriminated). So dass über viele Jahre hin die traditionelle Stärke der mittleren Unternehmen, wegweisende und bahnbrechende Innovationen auf den Markt bringen zu können, geschwächt wurde. Was die Kleinbetriebe und die Großkonzerne nicht können oder nicht wollen, nämlich viele größere Innovationen in die Märkte zu bringen, das war traditionell die Stärke der mittleren Unternehmen, die dafür genug im Kopf und im Kreuz haben, um größere Markterfolge mit Organisations- und Entschlusskraft zu stemmen. Denen wird es viel zu schwer gemacht, so dass die Innovationskraft der Gesamtwirtschaft ermattet.

Fazit 3: Wer für Deutschland mehr Markterschließungs-Dynamik und arbeitsplatzschaffende Innovationen will, der sollte in dieser Krisenzeit die oft übersehenen Mittelunternehmen mehr beachten.

14. Frage: Sollte man Innovationsschübe im technologisch ausgerichteten Mittelstand fördern und wie kann das geschehen?

Ja, mit Nachdruck, denn der innovative Mittelstand in Deutschland verkörpert das Prinzip „Innovation aus Tradition“, das die Erinnerung der Deutschen daran wach halten soll, dass der bisher erreichte Wohlstand zu 80% dem innovativen Unternehmertum und nur zu 20% den Staatsunternehmen zu verdanken ist. Wobei nicht vergessen werden soll, was denn die Alternative ist, wenn wir die Organisationsfähigkeit der mittleren Unternehmen zur Erschließung der Neuen Nachfrage im Privatsektor ignorieren, und wenn dann stattdessen das Schaffen neuer Nachfrage im Staatssektor die politische Oberhand gewinnt. Wem fällt dazu nicht der New Deal von 1933 in USA mit riesigen Rüstungsaufträgen aus Washington ein – von den Rüstungsaufträgen ab 1933 aus Berlin ganz zu schweigen?

Dieses Alternativ-Szenario von Rüstungsaufträgen als Gegengift zur Depressionsgefahr, das steht dem von mir vertretenen Leitbild der „Innovation aus Tradition“ eines innovativen Unternehmertums und der Präferenz für das Subsidiaritätsprinzip diametral entgegen. Und ich werde nicht müde werden, dieses Leitbild lauthals hoch zu halten.

Dieses Leitbild eines Schubes von Basisinnovationen, bewirkt vor allem durch die gepoolte Organisationskraft mittlerer Unternehmen, die zur Markterschliessung streckenweise in strategischen Allianzen zusammengehen, wird von dem Konvoi-Modell getragen. Der Weg zur Bündelung der Schubkräfte durch Mittelstandskooperationen ist eigentlich auch nur unter den Sonderkonditionen der scharfen Krise zeitweilig notwendig und wird im Aufschwung wieder überflüssig. Kurzum, notwendig für eine Stoßwelle, nicht für eine Längswelle.

Die Erfahrungen aus der Innovations-Finanzierung lehren uns: Weder sind die Großunternehmen in ihrer Massierung beweglich genug, um einen Innovationsschub im Konvoi in Bewegung zu setzen, noch sind die viel gelobten innovativen Gründungsunternehmen auf Anhieb im Stande, gewichtige Innovationen schubartig, im Konvoi, umsetzen zu können. Sie können es nicht in dieser eigenkapitalengen Bankenszene in Deutschland. Nur die mittleren Unternehmen besitzen Spielräume, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Organisation von markterschließenden und arbeitsplatzschaffenden Konvois. Dies erfordert das Neu- Erfinden der sogenannten Cluster-Politik der Länder und einen neuen Förderauftrag an die Förderbanken, der mit der Asymmetrie im Hausbankensegment aufräumt. Daran wird hinter den Kulissen gearbeitet.

15. Frage: Wenn Ihnen heute die berühmte Zauberfee sagte, Sie hätten drei Wünsche frei, um Maßnahmen zu ergreifen, mit denen ein auf Basisinnovationen aufbauender neuer Konjunkturzyklus begonnen werden kann. Welche Maßnahmen würden Sie sich wünschen und ergreifen?

Es ist mein Herzenswunsch, diese Gelegenheit nicht zu verplempern und den „Gelegenheitsklumpen“ in „Combo-Effekte“ umsetzen zu helfen, so dass das Innovieren viel leichter geht und nicht so schwer gemacht wird, dass es des Schumpeterschen Heldentums bedarf. Den Paradigmenwechsel betreiben wir nun an der Umsetzungsfront.

Ich nenne darum drei erwünschte Basisinnovationen mit hohen Nutzwerten für die Begünstigten und illustriere daran die Vorgehensweise, die Ergebnisse bringt und den Einsatz zu freudigen Erlebnissen macht.

Die erste Basisinnovationen soll die Vierte Gewalt, also die Medienwirtschaft, auf Vordermann bringen. Damit sie mittels Interaktivität zur Mobilisierung der Gruppen-Intelligenz zwecks Verbesserung der gesellschaftlichen Ziele und politischen Maßnahmen beiträgt. Die Medien haben nicht nur eine Kontrollfunktion, sondern zukünftig in der Wissensgesellschaft eine wachsende Mitgestaltungsfunktion. In der heutigen Diskussion, nachdem viele Milliarden zur Rettung der IKB und HRE aus dem Ärmel geschüttelt wurden, zeigt sich dieser Bedarf nach Mobilisierung der kollektiven Intelligenz erstens an der Frage, warum der Finanz-Staat bei der Commerzbank nur ein Viertel der Anteile wollte, bei der Hypo Real Estate jedoch 100% haben will und dafür Staatsschulden auf Pump zu Lasten der Kinder und Enkel macht. Denn wehe, die Wechselwähler würden im Superwahljahr in Proteststimmung geraten und statt die Partei zu wechseln das tun, was im neuen Bestseller des Literatur-Nobelpreisträgers José Saramago zu lesen ist: leere Stimmzettel abgeben. Ohne dass in dem Buch die Rolle der Medien klar wird, wie sie zu diesem Demokratisierungsfortschritt beigetragen haben, bei dem Wechselwähler zu Weißwählern wurden, so wird in dem Buch doch erkennbar, dass die Hans-im-Glück-Politik der zwei großen Volksparteien der Industriegesellschaft im Übergang zur Informationsgesellschaft, mit Wissenswirtschaft als Wachstumsbranche Nr. 1, an Grenzen gestoßen ist. Die Vierte Gewalt erweitert diese Grenzen, durchbricht sie durch Kampf gegen das Unwissen. In diesem Sinne sind epochale Basisinnovationen immer Durchbrüche des Neuen, Besseren; Durchbrüche durch das Nein des Guten, Alten, und immer waren solche Durchbrüche Siege der Gruppen-Intelligenz.

Selber stehe ich im Kampf des Besseren, Neuen gegen das Alte, Gute als Möchtegern-Verleger in den Startlöchern. Sie wissen, die Presse und das Buchgewerbe, alias Druck-Märkte, sind weltweit durch das Internet unter Zugzwang zu Neuem, das Geld verdient. Der Druck in den Druck-Märkten kommt von den Weißwählern, die mitnichten bloß von einem Leseformat (Zeitung, Buch) auf das andere wechseln (Buch, Zeitung), sondern den Verlegern die kalte Schulter zeigen und zum alternativen Medium abwandern. Zu anderen Medien, welche sie als Nachfrager-Gruppen mit ihnen gefallenden Themen und Inhalten beliefern und diese Lieferungen in gefälligen Formaten liefern. Ich selber bin mit MCM Verlag in einem Top-Themen-Segment dabei. Zum Treiber-Thema „Innovation“ besitzt MCM die Urheberrechte für zwei Reihen von Innovations-Buchtitel und von Innovations-Artikeln.

Das eigentlich basisinnovatorische an dem MCM-Vorgehen ist die Mobilisierung der potentiellen Nachfrage nach den Premium-Inhalten durch Einräumung von Mitgestaltungsrechten. Wie das? Denken Sie doch an die EBM „Espresso Book Machine“, die der Blackwell-Ver-lag gerade in London aufgestellt hat. Dort kann man Bücher, sogar Ausschnitte der Bücher, und Neu-Kombinationen der Kapitel per Knopfdruck auswählen, so wie Espresso, Cappuccino oder Kaffee mit und ohne Milch und Zucker in den Kaffee-Automaten an Tankstellen, in Büros und an Treffpunkten aller Art, wo sich die Leute begegnen, sich ansprechen und ihre Bedürfnisse und Ansichten kommunizieren. Die erste Basisinnovation erfüllt also ein basisdemokratisches Grundbedürfnis.

Meine zweite Basisinnovation betrifft eine Verbesserung der Altersvorsorge, und auch hier wieder durch Erweiterung der Wahlmöglichkeiten zum Nutzen der einzahlenden Rentensparer und Steigerung der Rentensicherheit in Deutschland, sowie der zukünftigen Rentenhöhe in der Gruppe derer, die gruppenintelligent an der Neuerung teilhaben.

Die Basisinnovation als solche gibt es schon, dank der Weisheit jener Bundestagsabgeordneten, die sie durchgesetzt haben: Die Basisrente darf seit 2006 auch fondsgebunden durch Verträge mit Versicherungs-und Fondsgesellschaften vom Rentensparer mitgestaltet werden. Seit 2008 gilt das reformierte Versicherungsvertragsgesetz (VVG), in dem der Gesetzgeber den Rürup-Renten-Sparern die Möglichkeit eröffnet, von den Versicherern ein verursachergerechtes Zuteilen der Rentensparerträge zu verlangen, welche diese dadurch erwirtschaftet haben, dass sie „en group“ in ertragreichere Chancen investiert haben. Solche ertragreicheren Investments sind z.B. in Innovationsfonds (iFonds), die in Innovationsfirmen (iFirmen) anlegen und der Gruppen-Intelligenz der Anleger durch bessere Chancenauswahl und Beteiligungskontrolle Tribut zollen. Solche Einbeziehung von Gruppen-Intelligenz erfolgt in Deutschland noch nicht, in Norwegen, USA und anderen Ländern sehr wohl. Es fehlt nun das verursachergerechte Zuteilungsverfahren in der deutschen Versicherungsbranche. Bei dieser Verfahrensinnovation bin ich als Innovations-Berater der 3IN Investment in Innovation (iFonds) mit am Zuge, die neue Chance des VVG in die Tat umzusetzen und in Deutschland die Innovations-Finanzierung von iFirmen zu verbessern. Wie gesagt, mit Schwerpunkt auf mittlere Innovations-Firmen, und in einer Art und Weise, welche die guten neuen Rahmenregeln praktisch umsetzt in Alpha-Renditen und deren verursachergerechte Zuteilung auf die Investoren-Gruppe, die diese Gruppen-Intelligenz aufbringt.

Die dritte Basisinnovation wünsche ich im Gesundheitswesen. Genau genommen wünsche ich eine radikale Service-Innovation in der salutogenetischen Beratung nicht von Schwerkranken, sondern von kränkelnden Menschen, insbesondere Älteren. Ein Beispiel ist die Verbesserung der Vorsorge bei Herzinfarkten durch gruppen-intelligentere Umsetzung der Erkenntnisse aus der Rehabilitation in die Prävention.

Ein zweites Beispiel betrifft mich direkt. Ich habe eine verschleppte Sinusitis, die ich aus Unverträglichkeit von synthetischen Antibiotika bisher nicht wirksam bekämpfen konnte, und die jetzt meine Augen zu befallen droht. Als „Pansinusitis“, sagen die Ärzte, ohne mir sagen zu können oder zu wollen, weil es sich für sie nicht geziemt, wie ich als Chemikalien-Allergiker meine Sinusitis mit Naturpräparaten und mit der früheren Behandlungs-Weisheit der „Kräuterfrauen“ bekämpfen könnte. Diese Weisheit besaß meine Großmutter. Deren Ehemann war der Inhaber der Phytopharmafabrik Hellmann & Mensch OHG, die in der DDR platt gemacht wurde. Ich bin Alleinerbe der H&M und so auch von ein paar alten Geschäftsgeheimnissen von Oma und Opa. Eines betrifft ein natürliches Sinusitis-Mittel, also das Präparat. Jetzt muss das Anwendungswissens wieder entdeckt werden. Ich denke, das erfordert auch ein gezieltes Mobilisieren von Gruppen-Intelligenz in Vorbereitung der genannten Service-Innovation durch interaktives Innovations-Vorfeldmarketing. Dieses bereitet meine H&M jetzt vor.

Kurzum, die konkreten Maßnahmen, die ich mir jetzt wünsche, sind durch Definition eines neuen Geschäftsmodells im Verlagswesen, in der Versicherungswirtschaft und bei Gesundheitsdiensten schon ins Auge gefasst und durch neue Management-Technik bei Innovations- Strategie, Innovations-Finanzierung und Innovations-Marketing auch schon in Angriff genommen und als ein Konvoi in Bewegung gesetzt bzw. sie warten in der Pole-Position auf den Startschuss.

Das Ganze zusammen ist auch eine Neuerung im Behavioral Finance mit Fokus auf bessere Konditionen für innovatives Unternehmertum.

Fazit 4: In einem Innovations-Schub geht plötzlich leicht, was vorher als zu schwer galt oder für unmöglich gehalten wurde. Das gilt ganz besonders für gewichtige Innovationen, die nach der Formel in dem Metamorphose-Modell (Stagnation = Mangel an gewichtigen Innovationen) nun die Medizin sind, um die Stagnation und Schrumpfung in den von der Finanzkrise befallenen Wirtschaftszweigen zu kurieren. Dabei setze ich auf Innovations-Fonds (iFonds), die mittlere Innovations-Firmen (iFirmen, MidCaps) finanzieren. Das Geschäftsmodell für die Realisierung der Gelegenheiten ist das Konvoi-Modell.

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