Buchbesprechung: Eberhard Sandschneider

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Der erfolgreiche Abstieg Europas – Heute Macht abgeben, um morgen zu gewinnen

Autoren informieren ihre Leser meist im Vorwort oder der Einleitung darüber, warum sie das Buch geschrieben haben. Sandschneider äußert sich in der Einleitung und im Haupttext auf Seite 52 über seine Motive.

Von Dr. Reinhard Hildebrandt

 



In der Einleitung enthüllt er, dass er keine letzten Wahrheiten verkünden möchte. Wie die Welt auszusehen habe und wie sie zu verstehen sei, liege ihm fern. Was er will, sei „laut zu denken“ (S.4) und seine „Leser teilhaben lassen an den unglaublich spannenden, aber auch komplizierten und herausfordernden Prozessen, aus denen neue Ideen entstehen, wenn intellektuelle Welten frontal aufeinandertreffen“ (S.5). Die eigentliche Herausforderung unserer Zeit sei die beschleunigte Komplexität (S.9). Berechenbarkeit und Voraussagemöglichkeiten existierten nicht mehr und Erfolg verspreche nur noch eine Strategie, „die auf einem Denken gegen den Strich und einer flexiblen Strategie der Anpassung an Unerwartetes beruht“ (S.9). Mit seiner flotten Formulierung, wie der „Abstieg des Westens erfolgreich zu managen ist“ (S.10), gibt er zu erkennen, um was es ihm in seinem 196 Seiten umfassenden Buch außerdem geht. „Der Wettbewerb um Begriffe dreht sich sicher auch um Einfluss, Eitelkeit und Geld. Wer es schafft, provozierend zu formulieren, kann sicher sein, von der Presse zitiert und auf Konferenzen und in Talkshows eingeladen zu werden. Zugegeben: Nichts anderes tue auch ich in diesem Buch.“(S.52). Zwischen beiden von Sandscheider genannten Motiven besteht unübersehbar eine tiefe Kluft. Wer komplizierte Prozesse pointiert formulieren will und mit ihnen auf Konferenzen und in Talkshows glänzen möchte, verfehlt das andere Ziel: ein Denken gegen den Strich und die Entwicklung einer flexiblen Strategie der Anpassung an Unerwartetes.

Pointiert formulieren heißt nichts anderes als in der Argumentation die Komplexität von Prozessen auf einfachste Zusammenhänge herunter zu brechen und dem Publikum brillant zu präsentieren. In der Talkshows eigentümlichen Effekthascherei – und nicht nur dort – ist Sandschneider mit einer solchen Vorgehensweise Erstaunen, Zustimmung und Beifall der Adressaten sicher. Ein Denken gegen den Strich und eine flexible Strategie der Anpassung an Unerwartetes hingegen bedarf als ersten Schritt der theoretisch fundierten Analyse des als gängig Geltenden, um bisher übersehene Alternativen erstmals ins Blickfeld zu rücken. Im nächsten Schritt folgt, das unerwartet eingetroffene Ereignis im Spiegel der aufgefundenen Alternativen plausibel zu erklären. Eine solche tiefer gehende Analyse benötigt Zeit und Durchhaltevermögen bei den Lesern, was Sandschneider sich selbst und seinen Lesern offenbar nicht zumuten möchte.

Der Begriff der „Westen“, sagt Sandschneider, hat sich in der Alltagssprache fest eingebürgert. Jeder wisse zumindest in etwa, was gemeint sei, wenn vom „Westen“ die Rede ist (S.15). Insbesondere das politische Selbstverständnis großer Teile der außenpolitischen und strategischen Elite Deutschlands beziehe sich immer noch auf die Existenz des Westens als „strategische Interessengemeinschaft, die auf der Grundlage gemeinsamer Werte handelt“ (S.16). Zum Beweis zitiert er die langjährige Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Washington, Almut Wieland-Karimi: „Das feste Fundament der transatlantischen Partnerschaft bildeten neben anderen Wirtschaftsbeziehungen gemeinsame Werte“ (S.72).

Sandschneider stellt dieser auf einem festen Glauben beruhenden Überzeugung die Aussage des Beraters der amerikanischen Außenministerin in europäischen und eurasischen Angelegenheiten, Jeremy Schapiro, entgegen. Schapiro führt aus: „Europa redet immer noch von einer gemeinsamen Vergangenheit und von gemeinsamen Werten. Damit wird impliziert, das Europa der natürliche und traditionell wichtigste Partner der USA ist. … Die USA verhalten sich pragmatisch: Sie ignorieren Europa, wenn es keine geeinte Meinung hat, beispielsweise in der China-Politik; sie umgehen es, wenn es als Opposition auftritt, wie bei Problemen im Irak und im Nahen Osten; sie nutzen Europa, wenn sie auf Zustimmung stoßen, wie es im Afghanistan- und Iran-Konflikt der Fall ist; sie spalten Europa und setzen eigene Ziele mit Partnern gleicher Meinung um, zum Beispiel bei Verhandlungen mit Russland. Die Obama-Administration sieht sich nicht länger als Schutzpatron Europas, sondern sucht nach einem ebenbürtigen Partner mit eigenen Zielen und klar formulierten Standpunkten.“(S.75). Sandschneider stellt fest: „Klarer kann man die Probleme des Selbstbetrugs der Europäer kaum noch formulieren“ (S.75).

Nun würde man erwarten, dass Sandschneider als erstes das ungleiche Verhältnis USA-Europa auf der Grundlage einer Theorie untersucht. Statt dessen argumentiert er geopolitisch und erwähnt die Neuorientierung des strategischen Interesses der USA auf den Pazifik, den Nahen und Mittleren Osten und nach Südasien (S.77), hebt das zwischen Europa und den USA fehlende Einverständnis über Fragen nationaler Souveränität und die Rolle internationaler Institutionen (vom Strafgerichtshof bis zu den Vereinten Nationen) hervor, benennt die Kontroversen in der Bekämpfung der globalen Finanzkrise, des internationalen Handels sowie der Währungspolitik (S.79) und schließt ab mit der Feststellung: „Solange Europa auf Amerika wartet, anstatt selbst die Initiative des Handelns in die Hand zu nehmen, bleibt es ein Akteur zweiter Klasse und muss damit leben, immer weniger ernst genommen zu werden.“ (S.80).

Erforderlich wäre jedoch die Entwicklung eines strategischen Konzept gewesen, mit dem Europa dem Status eines „Akteurs zweiter Klasse“ entfliehen kann. Dazu müsste Sandschneider zuerst untersuchen, in welcher „Machtwährung“ Europa den USA ebenbürtig oder sogar überlegen ist. Der Begriff der Hegemonie wäre als nächster Schritt in die Analyse einzuführen. Sandschneider ist bewusst, dass die USA sich selbst als hegemoniale Macht begreifen und Westeuropa seit dem Ende des zweiten Weltkrieges (und Osteuropa seit dem Ende des Ost-West-Konflikts) als hegemonisierte Region betrachten und behandeln. Er hat zwar nicht direkt an der erst vor kurzem verfassten Analyse der Transatlantic Academy mit dem Thema „Global Shift – How the West should Respond to the Rise of China“ mitgearbeitet, aber in der gleichnamigen Publikation auf Seite 9 einen Artikel über China verfasst. Er wird doch wohl auf der Seite davor (Seite 8) folgenden Satz gelesen haben: „Moreover, China is the only credible challenger to American hegemony, in Asia and beyond.“

Was läge also näher als das Herrschafts-Beherrschungs-Verhältnis zwischen Hegemon und Hegemonisiertem zu erläutern und auf dem Hintergrund einer den USA ebenbürtigen Machtwährung Europas (falls vorhanden) ein brauchbares Konzept zu entwickeln, mit dem Europa dem Status eines Akteurs zweiter Klasse entfliehen kann. Allein auf eine Bewusstseinserweiterung der Europäer und die Überwindung der ihnen unterstellten Lethargie zu hoffen, reicht bei weitem nicht aus. Genau darauf beschränkt sich aber Sandschneider, indem er lang und breit über die „Mauern im Kopf“ der Europäer redet, „Lebenslügen des Westens“ kritisiert, sich über „Weltordnungsdebatten“ äußert, „die Leiden des wiedervereinten Europas“ vorführt und am Schluss nach einem Weg „zum erfolgreichen Abstieg Europas“ sucht.

Hätte sich Sandschneider mit der Wirkungsweise hegemonialer Verhältnisse auseinandergesetzt, wäre er selbst darauf gekommen, dass Hegemon und Hegemonisierte miteinander keine „strategische Partnerschaft“ eingehen können. Beide sind auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt und reden nicht von gleich zu gleich. Zwischen ihnen herrscht also nicht nur eine Asymmetrie im Kräfteverhältnis. Die USA und Europa pflegten zwar immer einige „gemeinsame Werte und Interessen“, aber stets auch sehr unterschiedliche. Zu letzterem zählt beispielsweise das von Sandschneider erwähnte Interview des amerikanischen Präsidenten George W. Bush vom 6. September 2006, in dem jener ohne Skrupel und entgegen stichhaltiger Beweise sowie ohne Rücksichtnahme auf die andersdenkenden Europäer erklärt, die USA würden nicht foltern und so sei es und bleibe es auch (S.85).

Anders als von Sandschneider behauptet sind „strategische Partnerschaften“ Europas mit anderen Ländern wegen des Nichtvorhandenseins von hegemonialen Beziehungen aber durchaus möglich, obwohl die Partner unterschiedliche Werte vertreten und in ihren Interessen nicht völlig mit denen Europas übereinstimmen. Zur Aufrechterhaltung der Partnerschaft ist in einem nicht hegemonialen Verhältnis lediglich die Übereinstimmung in klar definierten Verhaltensweisen und die Sortierung von Zielen für einen begrenzten Zeitraum erforderlich. Unverständlicherweise erteilt Sandschneider strategischen Partnerschaften zu Ländern wie Russland oder China eine Abfuhr, macht sich lustig über entsprechende Angebote der Europäer an afrikanische Länder und redet herablassend von „Standardrepertoire politischer Sprache“ (S.63).

Was Sandschneider wirklich beabsichtigt, bekundet er erst sehr spät auf Seite 168 seines Buches. Dort schreibt er: „Europa muss erwachsen werden und sich von den USA politisch und strategisch emanzipieren. Das Ziel muss in einer engen Partnerschaft ohne Abhängigkeit bestehen. Die USA haben Europa längst ein gutes Stück weit abgeschrieben und eine deutlich pazifische Perspektive eingenommen. Technologische Großprojekte wie Airbus, Galileo und Ariane sind ein richtiger Weg, um Eigenständigkeit zu erreichen, aber auch um die Voraussetzungen zu schaffen, diese zentrale Partnerschaft für Europa auf eine neue Grundlage zu stellen.“

In diesem Zusammenhang ist Sandschneider zugute zu halten, dass er als Forschungsdirektor in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik den Mut aufbringt, mit seinem Buch den seit Jahrzehnten in der DGAP vorherrschenden Transatlantismus in Frage zu stellen. Bis in die jüngste Zeit bekämpften in ihr Transatlantiker vehement auch nur die leiseste Kritik am transatlantischen Bündnis. Die Infragestellung des transatlantischen Verhältnis wurde als ein Sakrileg angesehen.

Sandschneiders Argument, die USA hätten Europa längst abgeschrieben und sich dem Pazifik zugewandt, ist vordergründig. Die USA denken nicht daran, Europa zu verlassen. Sandschneider wäre in der Lage gewesen, sich die Gründe für ein Verbleiben sehr schnell selbst zu erschließen. Er hätte sich nur fragen müssen, welche Rolle Großbritannien bis in die Gegenart hinein in der hegemonialen Strategie der USA gegen Europa zugewiesen bekommt und welchen Stellenwert der Finanzplatz London für die USA hat. Weiter geholfen hätte ihm auch die Frage nach dem Beharren der USA auf der Sperrminorität im IWF; denn offensichtlich bestehen die USA, so lange sie es nur irgendwie ermöglichen können, auf dem US-Dollar als alleinige Weltleitwährung.

Für Sandschneider ist es keine Erwähnung wert, welche für Deutschland unkündbaren Rechte den USA erlauben, Truppen weiterhin in Deutschland zu stationieren und warum sie so großen Wert auf die fortdauernde Stationierung legen. Vor einigen Jahren hätten die USA problemlos ihre Truppen und das Stuttgarter Hauptquartier nach Rumänien verlegen können. Sie haben damals sogar damit gedroht. Was hat sie schließlich von einer Verlegung abgehalten? Sicherlich nicht die Kostenfrage, wie offiziell behauptet wird.

Sandschneider scheint auch nicht den Grund zu kennen, warum das im Aufbau befindliche europäische System Galileo in unmittelbarer Nähe zum bereits seit langer Zeit existierenden und militärisch kontrollierten amerikanischen GPS angesiedelt wird. Offiziell heißt es, beide Systeme würden sich gut ergänzen und bei Ausfall des einen könne man schnell auf das andere umschalten. Es kursiert aber auch die Information, dass im Falle einer Abschaltung von GPS auch Galileo aufgrund seiner Nähe zum amerikanischen System betroffen wäre und dann sofort funktionsunfähig würde. Sandschneider erwähnt keinen dieser Punkte. Statt dessen legt er den Europäern nahe, sich von den USA zu emanzipieren.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen appelliert Sandschneider an die Europäer, Platz für die aufsteigenden Nationen zu machen. Platz machen bedeute schließlich nichts anderes als „eigene Macht zu teilen“ (S.169). „Die Bereitschaft, Platz zu machen, ist notwendige Voraussetzung, um zu verhindern, dass in den derzeitigen Prozessen globaler Machtverschiebung Konflikte entstehen, deren Kosten unkalkulierbar sind, aber immer zulasten Europas, seiner Sicherheit, aber auch seiner globalen wirtschaftlichen Interessen gehen.“(S.170).

Wer hat denn beispielsweise in der Vergangenheit stets zu verhindern versucht, dass sich europäische Unternehmen massiv an der Re-Industrialisierung Russlands beteiligen und durch die gegenseitige wirtschaftliche Verflechtung mehr Sicherheit für Europa entsteht? Dieses Mehr an Sicherheit war den USA ein Dorn im Auge. Wer hat denn den Versuch unternommen, ohne Rücksicht auf die Europäer und unter Missachtung der russischen Interessen Georgien und der Ukraine den Zugang zur NATO zu ermöglichen und die Europäer unter Zugzwang zu setzen?

Im Bericht der Transatlantic Academy unter dem Titel „Global Shift – How the West should Respond to the Rise of China“ wird die Forderung eines engen Verbundes zwischen den USA und Europa erhoben: „Second, the members of the trandatlantic community need to cultivate a new mindset about ourselves appropriate for a multipolar interdependent world.”(ebd.). Wenn, wie vorgeschlagen, zwischen den USA und Europa eine Arbeitsteilung entstehen soll und die USA im pazifischen Raum die Führungsrolle übernehmen, heißt das doch wohl, dass sich Europa an der amerikanischen Containmentpolitik gegen China beteiligen muss. Das von den Autoren von „Global Shift“ unter dem Gesichtspunkt von Multipolarität formulierte Dreieck USA-Europa-China würde zu einem bipolaren Verhältnis zwischen „dem Westen“ und China zusammen schrumpfen. Selbst Sandschneider deutet bereits in seinem Buch an, dass in den USA in den Kreisen der sicherheitspolitischen „Falken“ das Feindbild China gepflegt wird (S.55). Was das für die intensiven europäischen Handelsbeziehungen mit China bedeutet, müsste Sandschneider als Chinaexperte doch wohl sehr bewusst sein. Wenn er dennoch den Wunsch äußert, die „zentrale Partnerschaft für Europa (mit den USA. d.Verf.) auf eine neue Grundlage zu stellen“ (S.168), muss er sich fragen, wie er es mit der alten Weisheit hält, dass ein Kamel eher durch ein Nadelöhr geht als dass ein Hegemon auf seine Ansprüche verzichtet.

Im Schlussteil seines Buches erwähnt Sandschneider zwei Modelle gelungenen Abstiegs von der Macht. Im ersten Modell skizziert er den Abschied Großbritanniens von seiner imperialen Macht. Zwar entspreche die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Großbritanniens nicht mehr der alten Größe, meint Sandschneider, und auch die strategische Handlungsfähigkeit hänge letztendlich von der Zusammenarbeit mit den USA ab, aber immerhin hätte es Großbritannien geschafft, den kontinuierlichen Niedergang zu managen. Selbst in dieser Passage seines Textes unterlässt es Sandschneider, die besondere Rolle Großbritanniens in der Hegemonie der USA zu schildern, und bezeichnet Großbritannien nur noch als europäische Regionalmacht (S.173). Im zweiten Modell hebt er die Schweiz als Beispiel hervor, in dem die „Begriffstrias“„hard power“, „soft power“ und „smart power“ eine neue Balance gefunden hätte und die Flexibilität im Handlungsvermögen, sich auf ein rasant veränderndes Umfeld einzustellen, ein großer Pluspunkt sei (S.174/175). Zu der Frage, unter welchen Zugzwang die Schweiz in der Frage der Aufnahme von „heißem Geld“ inzwischen geraten ist, äußert er sich nicht.

Ganz zum Schluss skizziert Sandschneider „die Parameter eines erfolgreichen Abstiegs“ Europas. „Sie werden gebildet durch das Zusammenwirken aus eigener Leistungsfähigkeit ohne Angst vor der Konkurrenz durch andere, vom Willen zur Kooperation nicht nur mit Demokratien, sondern auch mit Autokratien, von der Flexibilität bei der Suche nach Problemlösungen ohne die belehrende Überhöhung der eigenen Werte und Erfahrungen und schließlich durch den Verzicht auf machtpolitische Beharrung gegenüber den aufsteigenden Mächten“ (S.176). Dem könnte man ohne weiteres zustimmen, denn diese Einsicht hatten andere schon lange vor Sandschneider, aber sie stießen mit ihren Vorschlägen in den für die Außenpolitik entscheidenden Zirkeln Europas immer wieder auf massive Einwände, ganz zu schweigen von den USA. Vielleicht wäre es nützlich, den Falken in der Republikanischen und Demokratischen Partei der USA und den Repräsentanten einiger amerikanischer Denkfabriken diese Parameter zur Übernahme zu empfehlen.

Vom ausgewiesenen Chinaexperten Sandschneider erwartet der Leser in seinem Buch tiefere Einsichten über die gesellschaftlichen und ökonomischen Quellen des Aufstiegs Chinas zum Global Player, seine gegenwärtige Befindlichkeit und seine bereits sichtbaren oder noch versteckten Schwächen. Was bietet Sandschneider dem wissensdurstigen Leser an?

Man könne „mit Fug und Recht feststellen“, sagt er, „dass die beiden letzten Führungsgenerationen über 30 Jahre hinweg keine nennenswerten Fehler gemacht und China dorthin gebracht haben, wo es heute ist: ein angesehenes und zunehmend einflussreiches Land in der Spitzengruppe der Staaten“ S.129/130). Dies muss man ihm glauben, denn Beweise liefert er nicht. Was er jedoch liefert sind Meldungen, die jeder Zeitungsleser bereits kennt: Der Verweis auf Horrormeldungen über China (S.98), das immer selbstbewusstere Auftreten von Chinas Eliten und die Einforderung von Mitsprache bei globaler Regelsetzung (S.101/104/ 149), Chinas Streben nach Weltmachtstatus (S.113), zunehmende soziale Konflikte in China (S.113). Mehr Einblick in die komplexe Herrschaftsstruktur Chinas wäre schon wünschenswert gewesen. Man wird wohl in der von Sandschneider aufgezählten „weiterführenden Literatur“ nachlesen müssen.

Berlin, den 24. 10. 2011

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