Braucht Deutschland ein Zentrum für verfolgte Schriftsteller, Künstler und Mu­siker?

Share

Bild von Prof. Dr. Jakob HessingAuf einer Tagung des Moses-Mendelssohn-Zentrums zum jüdischen Kulturerbe hielt Prof. Dr. Jakob Hessing (s. Bild) aus Jerusalem am 27. Oktober 2011 im Berliner Centrum Judaicum die folgende Rede. Hessing arbeitet als Schriftsteller und leitet die germanistische Abteilung der Hebräischen Universität Jerusalem (http://pluto.huji.ac.il/~jhessing/). Die Überschrift seines Vortrags verweist auf die Bemühungen um den Aufbau eines „Zentrums der verfolgten Künste“, wie es namentlich von der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft (http://www.exil-zentrum.de/ sowie http://www.exil-club.de/ ) seit Jahren gefordert wird. Aber auch die Nobelpreisträgerin Herta Müller hat sich in letzter Zeit mehrfach öffentlich für ein Museum des Exils eingesetzt (eine Kurzinfo dazu ist nach dem Redetext zu finden). Hessings Vortrag greift diese Bemühungen auf, um sie jedoch in den weiteren Zusammenhang einer Betrachtung zum Verhältnis von Macht und Kunst hinüberzuführen. Dabei ist es ihm gelungen, diese uralte Frage der Menschheit – wie nämlich die Kunst sich gegenüber der Macht behaupten kann – aus der gleichzeitigen Perspektive biblischer und moderner Zeiten sowie poetischer, religiöser und philosophischer Annäherungen lebendig werden zu lassen.

Von Prof. Dr. Jakob Hessing


Braucht Deutschland ein Zentrum für verfolgte Schriftsteller, Künstler und Mu­siker?

Prof. Dr. Jakob Hessing, Jerusalem

Vortrag, gehalten am 27.10.2011, im Rahmen der Tagung “Kultur und Identität. Deutsch-jüdisches Kulturerbe im In- und Ausland“,

veranstaltet vom Moses Mendelssohn-Zentrum Potsdam im Centrum Judaicum, Berlin, vom 25. – 27. 10. 2011

Meine Damen und Herren,

„Braucht Deutschland ein Zentrum für verfolgte Schriftsteller, Künstler und Mu­siker?“ Diese Fragestellung, unter der ich gebeten bin, heute zu Ihnen zu sprechen, hat zunächst einen ganz praktischen Aspekt, und er sei hier als erstes benannt. Ein solches Zentrum ist bereits im Entstehen – genauer: es wird schon seit einiger Zeit der Ver­such ge­macht, dieses im Entstehen begriffene Zentrum institutionell zu verankern, ihm eine öffentlich-rechtliche Grundlage zu geben -, und im Juli 2011 hat der Wissen­schaftliche Dienst des Deutschen Bundestages dazu das relevante Material zusam­men­ge­stellt. Er geht von dem sogenannten „Gedenkstättenkonzept des Bundes“ aus, und ich zitiere:

Aufgrund seiner Geschichte trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für die Opfer von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Die Bundesrepublik sieht es ebenso als wichtige Aufgabe an, an das Unrecht der SED-Diktatur zu erinnern und das Gedenken an die Opfer des Kommunismus in Deutschland wachzuhalten. […]

Entsprechend der Kompetenzverteilung des Grundgesetzes ist die Förderung von Ge­denk­stätten in erster Linie Aufgabe der Länder und Kommunen. Seit 1999 fördert aber auch die Bundesregierung Gedenkstätten und Projekte von besonderer nationaler Be­deu­tung. Grundlage dafür ist das Gedenkstättenkonzept […]1

Hier ist eine aufschlußreiche Entwicklung zu beobachten. Das Trauma der NS-Zeit brachte es mit sich, dass Bonn seine Kulturpolitik dezentralisierte, um jeder Gefahr einer ‚Gleichschaltung’ vorzubeugen; zehn Jahre nach der Wiedervereinigung aber, im Rahmen des Gedenkstättenkon­zeptes, eignete Berlin sich vorsichtig wieder das Ho­heitsrecht eines kollektiven Gedächtnisses an: Wo es um die Verbrechen der deut­schen Diktaturen geht – um politische Strukturen also, die auf der Gleichschal­tung beruhten –, übernimmt nun, gleichsam spiegelbildlich, auch der Bund eine zentrale Rolle, erhebt bestimmte ‚Gedenkstätten und Projekte’ in den Stand ‚besonderer natio­naler Bedeu­tung’.

Eine Gedenkstätte für verfolgte Künstler, so teilt der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages mit, gehört freilich nicht zu ihnen. „Es gibt kein zentrales Mahnmal bzw. keinen Gedenkort von nationaler Bedeutung für verfolgte Künstler der NS- oder der DDR-Zeit“, so lesen wir; es gibt nur

Beispiele für Denkmäler oder Erinnerungsorte aus dem Bereich der verfolgten Künste [wie] das Mahnmal für die Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz, die ‚Künstlerkolonie Berlin’ in Wilmersdorf [..] oder Künstlerhäuser wie die Villa Merlän­der in Krefeld [..] Es gibt an vielen Orten in Deutschland Erinnerungsorte, Gedenkta­feln oder ‚Stolpersteine’, die an das Schicksal verfolgter Künstler erinnern, die aber kei­­ne überregionale Bekanntheit und Bedeutung erlangt haben.2

Nur eine einzige Ausnahme verzeichnet das Merkblatt des Wissenschaftlichen Dien­stes. „Speziell dem Thema ‚verfolgte Künste’“, so heißt es, „widmet sich allein ein Mu­seum und eine entsprechende Initiative in Solingen, die von der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft getragen wird.“3 Dies ist das eingangs genannte Zentrum, das seit einiger Zeit im Entstehen ist, und in der Fortsetzung beschreibt das Merkblatt die Schwierigkeiten, mit denen es zu kämpfen hat:

Im Jahr 2004 hat der Landschaftsverband Rheinland zwei Millionen Euro in die Bür­gerstiftung eingebracht. Er hat außerdem im Jahr 2009 beschlossen, die Be­triebs­kosten mit jährlich bis zu 290,000 Euro zu bezuschussen. Ende 2010 stimmten alle Beteiligten zu, dass das Zentrum in Form einer gemeinnützigen GmbH gegründet werden solle. Dennoch konnte die offizielle Gründung des Zentrums noch nicht erfolgen, weil die Stadt Solingen aufgrund ihrer Haushaltssituation nicht in der Lage ist, den von ihr zugesagten Teil der Finanzierung zu sichern […]Wenn die Stadt keine finanzielle Sicherheit bieten kann, ist die Existenz des Zentrums trotz der Zusage des LVR gefährdet.4

Es ist eine alte Geschichte, und vielen unter Ihnen wird sie aus dem täglichen Überle­bens­kampf unserer Fakultäten und Universitätsabteilungen nur allzu bekannt sein. Das Geld ist knapp, und auf der praktischen Ebene wäre die Frage, über die ich mit Ihnen hier nachdenke – „Braucht Deutschland ein Zentrum für verfolgte Schrift­stel­ler, Künstler und Mu­siker?“ – also etwa so zu formulieren: Ist die Entstehung ei­nes sol­chen Zentrums wichtig genug, um sie aus dem Aufgabenbereich der Kommu­nen und Länder herauszuheben und in ein von der Bundesregierung gefördertes Pro­jekt von nationaler Bedeutung zu verwandeln?

Die Frage nach der Notwendigkeit dieses Zentrums hat aber nicht nur eine praktische, sondern auch eine grundsätzliche Dimension, und bevor ich mich ihr zu­wende, sei hier etwas klargestellt. Wie Sie gehört haben, wird die Initiative für die Zentrumsgründung weitgehend von der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft in Wupper­tal getragen; und wenn ich Ihnen nun hinzufüge, dass mein erstes wissenschaftliches Buch im Jahr 1985 eine Biographie Else Lasker-Schülers war, und meine etwas später erschienene Dissertation eine Rezeptionsgeschichte Else Lasker-Schülers nach dem Zweiten Weltkrieg, dann wird es Sie nicht wundern, dass ich ein Mitglied dieser Ge­sellschaft bin. Hier aber spreche ich nicht in dieser Eigenschaft zu Ihnen, nicht als Mit­glied der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft, nicht – oder genauer: nicht nur – als Parteigänger einer öffentlichen Initiative; hier spreche ich, zuerst und zulezt, als ein Mensch zu Ihnen, dem die Geschichte und die Kultur des deutschen Judentums am Her­zen liegt, und der daher dankbar dafür ist, zu einer Tagung eingeladen zu sein, die sich diesem Thema widmet. So – im Rahmen meiner Überlegungen zur Kultur im All­gemeinen, und zur jüdischen und deutsch-jüdischen Kultur im Besonderen – wen­de ich mich nun dem grundsätzlichen Aspekt unserer Leitfrage zu.

Gestatten Sie mir, an diesem Übergang noch einmal auf meine eben genannte Disser­ta­tion zurückzukommen. Als ich Anfang der 80er Jahre den Wegen nachging, über die die unter Hitler vertriebene Dichterin Else Lasker-Schüler in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft wieder einen Ort fand, wurde mir bewußt, wie leicht die soge­nannte ‚öffentliche Meinung’ zu manipulieren ist. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte man sie für verrückt erklärt, weil sie dem wilhelminischen Bürgertum nicht geheuer war; unter Hitler verbot man ihre Bücher, weil sie eine Jüdin war; und nach 1945 wurde sie als die ‚größte Dichterin’ gehandelt, die ‚Deutschland je hatte’,5 weil man im Adenauerstaat zusehen mußte, die Flecken der Vergangenheit zu übertünchen. Ge­meinsam ist diesen drei Varianten, dass sie mit der Dichterin und ihrem Werk nichts zu tun haben, sondern nur die Projektionen einer jeweils herrschenden Macht sind: die Macht des Bürgertums, des Faschismus oder des Kulturbetriebs, von der die Kunst und ihre Künstler aufgerieben werden.

Natürlich soll hier die Verlogenheit des Bürgertums und des Kulturbetriebs kei­neswegs mit der Tödlichkeit des Faschismus gleichgesetzt werden; wohl aber gilt es, die Kunst vor jeder Macht in Schutz zu nehmen, die sich an ihr vergreift. Immer ist in ihr die Möglichkeit angelegt, der Macht entgegenzutreten, und immer ist die Kunst deshalb in Gefahr, von der Macht verfolgt und schließlich zerstört zu wer­den.

Der schöne Zufall will es, dass ich als Letzter in der langen, eindrucksvollen Vor­trags­­reihe dieser Tagung zu Ihnen spreche, und lassen Sie mich von hier aus, vom Ende aus, noch einmal an den An­fang zurückgehen – an den Punkt, an dem in der für unsere Kultur entscheidenden Tra­dition der Zusammenstoß zwischen der Macht und der Kunst zum ersten Mal, und sogleich in aller Radikalität, formuliert wurde.

Und Gott redete alle diese Worte: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyp­tenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben n­e­ben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Was­­ser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! (Ex 20,1-5)

Es ist das erste der Zehn Gebote, das ich Ihnen hier vorlese, das biblische Bilderver­bot, und von besonderer Bedeutung sind für unseren Zusammenhang seine letzten Worte: „Bete sie nicht an“ – die verbotenen Bilder – „und diene ihnen nicht!“ Wir kennen natürlich den Kontext und wissen, dass Gott hier gegen die Götzen spricht, gegen die ‚falschen’ Götter der anderen Völker; und wir wissen auch, mit welch vollendeter Dramaturgie das Sinaiereignis sich unserem kulturellen Gedächtnis ein­geprägt hat: während Moses die Bundestafeln erhält, tanzen am Fuße des Berges die Kinder Israel schon um das goldene Kalb. Sehen wir aber ab von dieser Inszenierung, die der heilige Text den Zeilen gegeben hat, dann schält sich in ihnen die Grundfor­m einer Konfrontation heraus: So, wenn es hart auf hart kommt, begegnet die Macht der Kunst, denn in ihren mißtrauischen Augen steht die Kunst immer im Ver­dacht, die Kon­terbande einer Gegen-Macht in ihrem Gepäck zu führen, die vernichtet werden muß.

Verstehen Sie mich bitte richtig, meine Damen und Herren: Ich plädiere nicht für die anderen Götter, die seit biblischen Zeiten als die ‚falschen’ gelten, ich stelle nur einen Vorgang dar; ich beschreibe, wie die Macht der Kunst entgegentritt. Je grö­ßer diese Macht ist, desto gnadenloser geht sie vor – auch, und gerade, in den beiden Testa­menten der Bibel. Sie brauchen sich nicht bei Sigmund Freud Auskunft zu holen oder die Thesen Jan Assmanns zu studieren, Sie brauchen nur im Buch Exodus nach­zulesen, wie es den Tänzern um das goldene Kalb ergangen ist, um zu verstehen, was ich meine.

Zwei der drei monotheistischen Religionen, das Judentum und der Islam, ha­ben sich, zumindest was das Gottesbild betrifft, strikt an das Verbot gehalten. Das Christentum aber ist einen anderen Weg gegangen und wurde damit zu der Ausnah­me, die die Regel bestätigt. Es fiel den frühen Christen nicht leicht, sich von dem Bil­derverbot zu befreien, und es hat zweihundert Jahre gedauert, ehe die ersten Darstel­lungen des Heilands entstanden. Hier werfen wir einen kurzen Blick auf die Anfänge dieser Kunst und verfolgen zwei Motive in den ersten Heilandsbildern.

Zunächst begegnet uns das Motiv des Guten Hirten. Es findet sich in den römi­­schen Katakomben, also in den unterirdischen Grabkammern, in denen diese Bilder – Ausdruck einer damals noch verfolgten Kunst – vor der Macht verborgen bleiben mußten. Das Antlitz des Erlösers ist unsichtbar, schwarz wie ein Schattenriß steht seine Gestalt auf der Felswand, auf seinen Schultern trägt er das Lamm: Hüter seiner schwachen Gemeinde, die in diesen frühen Jahrhunderten sehr schutzbedürftig war.

Daneben aber meldet sich schon der andere Jesus an. Ein zweites Motiv in den Katakomben ist die Erweckung des Lazarus: Aus einer gegiebelten Aedicula – einem römisch stilisierten Grab, das es im Johannesevangelium gar nicht geben konn­te – kommt der auferstandene Lazarus hervor, und vor ihm, wiederum groß und schwarz und auch hier noch ohne Antlitz, steht der Heiland. Der Jerusalemer Kunst­histo­riker Moshe Barasch, dem ich hier folge, weist auf den rechten Arm hin, den Jesus in die Höhe hält, und er macht darauf aufmerksam, dass dies die imperiale Ge­bär­de der rö­mischen Kaiser war.6 Die Figur des Heilands changiert bereits, sie zeigt schon die Macht, die sich in ihr verkörpert, und im 4. Jahrhundert ist es dann so weit: das Mo­saik in Santa Constanza in Rom, kurz nach der Konstantinischen Wende ent­standen, stellt die traditio legis dar – Jesus Christus, den rechten Arm erhoben, steht im Mittel­punkt der Welt und gibt ihr sein Gesetz.7

Ein Geheimnis klärt sich auf. Weit über ein Jahrtausend konnte die christliche Kunst fortan Europas Kultur bestimmen, ohne der Verfolgung ausgesetzt zu sein, denn es war ihr, wie es sich für das Christentum gehört, ein Wunder gelungen. Sie trat der Macht nicht entgegen – sie repräsentierte die Macht; und sie tat es, indem sie die Spuren dieses Vorgangs schrittweise löschte: In der Menschwerdung Jesu fing sie das große Dilemma der Gottesdarstellung auf, den Anthropomorphismus; und in den bei­den Varianten des Heilands – in der Unschuld des Christkindes und den Schmerzen des Gekreuzigten – tarnte sie ihren eigentlichen Anspruch.

Das Christentum ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt, wie aber steht es um die Kunst, die nicht von Gottes Gnaden ist? Was geschieht, wenn sie mit der Macht in Konflikt gerät, und weshalb sollten wir alle besorgt sein, dass sie in diesem Konflikt nicht untergeht? Ich wähle als Beispiel den ersten aus einer langen Reihe verfolgter Künstler, die aus dem deutschen Judentum hervorgegangen sind: Heinrich Heine.

Als er in den frühen 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zu schreiben begann, hat­te die Reaktion über Napoleon gesiegt, mit der Heiligen Allianz hatte das Christen­tum wieder Einzug gehalten in die Politik, und dem jungen Juden fiel es schwer, einen Ort zu finden. In seiner Tragödie Almansor stellte er den Religionsko­nflikt am Zu­sam­­men­­stoß von Christen und Muslimen im mittelalterlichen Spanien dar, und bald da­rauf, schon direkter, versuchte er den Rabbi von Bacherach zu schrei­ben, einen Ro­man über die Ritualmordlüge, die die Christen im Mittelalter, und nicht nur im Mittel­alter, über die Juden verbreiteten. Das Buch hat er nie abgeschlossen; im Sommer 1825 – den Gesetzen der Heiligen Allianz gehorchend – ließ er sich taufen, ohne es zunächst bekannt zu geben; und 1831 ging er nach Paris, wo er die zweite Hälfte sei­nes Lebens zubrachte und 1856 starb.

Im Kampf mit der Macht mußte auch der Künstler Heinrich Heine weichen, und hier wollen wir eine Spur verfolgen, die das in seinem Werk hinterlassen hat. Im Umkreis des Rabbi von Bacherach schrieb Heine ein Gedicht, das er wie seine Tragö­die „Almansor“ nannte, ein Titel, der schon andeutet, dass er hier noch einmal in das mittelalterliche Spanien zurückkehrt. Das längere Gedicht besteht aus drei Teilen und beschreibt zunächst den Dom zu Corduva:

In dem Dome zu Corduva

Stehen Säulen, dreizehnhundert,

Dreizehnhundert Riesensäulen

Tragen die gewaltge Kuppel.

[…]

Mohrenkönge bauten weiland

Dieses Haus zu Allahs Ruhme,

Doch hat vieles sich verwandelt

In der Zeiten dunkelm Strudel.

Auf dem Turme, wo der Türmer

Zum Gebete aufgerufen,

Tönet jetzt der Christenglocken

Melancholisches Gesumme.8

Die Moschee ist zur Kirche geworden, und der junge Maure Almansor, mit leichter Selbstironie, leitet daraus die Berechtigung seiner eigenen Konversion ab:

In dem Dome zu Corduva

Steht Almansor ben Abdullah,

All die Säulen still betrachtend,

Und die stillen Worte murmelnd:

„O, ihr Säulen, stark und riesig,

Einst geschmückt zu Allahs Ruhme,

Jetzo müßt ihr dienend huldgen

Dem verhaßten Christentume!

Ihr bequemt euch in die Zeiten,

Und ihr tragt die Last geduldig; –

Ei, da muß ja wohl der Schwächre

Noch viel leichter sich beruhgen.“

Und sein Haupt, mit heiterm Antlitz,

Beugt Almansor ben Abdullah

Über den gezierten Taufstein,

In dem Dome zu Corduva.9

Während Almansor den Akt der Taufe noch einmal symbolisch wiederholt, wird er zum lächelnden Narziß. Das ist auch die Rolle, die er im zweiten Teil des Gedichtes spielt. Im Schloß zu Alkolea nimmt er an einem Ball teil und schmeichelt dort allen Damen, im dritten Teil schließlich bleiben Almansor und die Tochter des Hauses allein im Schloß:

Donna Clara und Almansor

Sind allein im Saal geblieben;

Einsam streut die letzte Lampe

Über beide ihren Schimmer.10

Doch dann, ganz plötzlich, verändert sich die Szene:

Auf dem Sessel sitzt die Dame,

Auf dem Schemel sitzt der Ritter,

Und sein Haupt, das schlummermüde,

Ruht auf den geliebten Knieen.

Rosenöl, aus goldnem Fläschchen,

Gießt die Dame, sorgsam sinnend,

Auf Almansors braune Locken –

Und er seufzt aus Herzenstiefe.

Süßen Kuß, mit sanftem Munde,

Drückt die Dame, sorgsam sinnend,

Auf Almansors braune Locken –

Und es wölkt sich seine Stirne.

Tränenflut, aus lichten Augen,

Weint die Dame, sorgsam sinnend,

Auf Almansors braune Locken –

Und es zuckt um seine Lippen.11

Die Lippen des jungen Mannes zucken, weil er nun zu träumen beginnt. Die letzten Strophen des Gedichtes leuchten sein Inneres aus:

Und er träumt: er stehe wieder,

Tief das Haupt gebeugt und triefend,

In dem Dome zu Corduva,

Und er hört viel dunkle Stimmen.

All die hohen Riesensäulen

Hört er murmeln unmutgrimmig,

Länger wollen sies nicht tragen,

Und sie wanken und sie zittern; –

Und sie brechen wild zusammen,

Es erbleichen Volk und Priester,

Krachend stürzt herab die Kuppel,

Und die Christengötter wimmern.12

Eben noch scheint ein in der Dichtung Heinrich Heines seltener Augenblick des Frie­dens eingetreten zu sein: Der Ritter und seine Dame sind alleine im Schloß, und Don­na Clara, als wolle sie ihn salben, gießt Öl auf Almansors Haupt. Doch das ständig auf­geschobene Glück will sich auch jetzt nicht einstellen – Donna Clara bricht in Tränen aus, während sie sich über die braunen Locken ihres Geliebten beugt und sie „sorgsam sinnend“ betrachtet. Dreimal wiederholt das Gedicht diese Worte, und ihre Bedeutung enthüllt sich erst im Traum des schlafenden Almansor.

Er befindet sich wieder im Dom zu Corduva, doch das gebeugte Haupt lä­chelt diesmal nicht über dem Taufstein, sondern es trieft. Das scheint zunächst die Folge der Taufe zu sein, aber dann, unter dem Murmeln der Säulen, verwandelt sich der Kopf, wird zum schweißnassen Haupt des Simson, der das Haus der falschen Göt­ter zusammenstürzen läßt. Moschee und Kirche sind zum Tempel der Philister gewor­den, Donna Clara zur fremden Frau, zur Delila, die das Haar des Geliebten bedroht, und der Jude, seinem Gotte treu geblieben, tritt unter der Maske des Mauren hervor – im Traum nimmt er Rache an seinen Peinigern.

Wer dies alles aber am tiefsten durchschaut, ist die Frau. ‚Tränenflut aus lichten Augen’ weint Donna Clara, und zu Recht: auch Simson, der den Tempel der Philister zerstört, dient noch jener gnadenlosen Macht, die einst, am Fuße des Sinai, die Tänzer um das goldene Kalb erschlagen ließ.

Der Zusammenstoß zwischen der Macht und der Kunst nimmt kein gutes Ende. „Es ist“ – so dichtete Heine in einem anderen Zusammenhang – „eine alte Geschichte, / Doch bleibt sie ewig neu; / Und wem sie just passieret, / Dem bricht das Herz ent­zwei.“13 Ob wir sie werden ändern können, muß dahingestellt bleiben, aber wir müssen uns bemühen, sie zu lernen, um sie zu durchschauen.

So ist auch das Projekt konzipiert, das in Solingen seine ersten Gehversuche macht: nicht als ein Archiv für längst vergangene Ereignisse, sondern als ein lebendi­ges, in jedem Sinne des Wortes gegenwärtiges Lern-Zentrum, in dem das Berühren der Exponate nicht verboten ist, sondern im Gegenteil höchst erwünscht. „Das Zen­trum für verfolgte Künste“ – so heißt es in einer Broschüre der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft zu dem Projekt – „thematisiert staatlich verfolgte Künstler und ihre Wer­ke. Es ist kein herkömmliches Museum, keine Gedenkstätte, sondern eine interdiszip­li­näre nationale Einrichtung mit internationalem Hintergrund für den Zeitraum zwi­schen 1918 und 1989 mit Schwerpunkt ‚Drittes Reich’, die pädagogisch gegen Ver­ges­sen und Verdrängung arbeitet.“ Und im Blick soll immer auch die aktuelle Gegen­wart stehen, „unter besonderer Berücksichtigung des Schicksals von Immigranten, mit Hinweisen auf Unterdrückung, Verfolgung und Vertreibung von Intellektuellen in an­deren Ländern und deren Situation als ‚Asylbewerber’ in Deutschland. Für Schüler­gruppen, Studenten und engagierte Bürger böten sich hier vielfältige Möglichkeiten einer aktiven Beteiligung.“

Es ist offensichtlich, dass das Konzept sowohl organisatorisch als auch pä­da­gogisch noch ausgearbeitet werden muß; und bedenkt man die Geschichte dieses Lan­des, so ist es ebenso offensichtlich, dass einer der Schwerpunkte immer das „Drit­te Reich“ zu bleiben hat. Das bedarf keines Kommentars – und warum also, so werden Sie jetzt vielleicht fragen, habe nicht auch ich die NS-Zeit in den Mittelpunkt meiner Über­legungen zur verfolgten Kunst gestellt, wie man es an diesem Ort, und auf dieser Tagung, wohl erwarten könnte? Warum habe ich statt dessen so weit ausgeholt und die Fragen aus einer eher unerwarteten Perspektive aufgegriffen?

Ich habe es getan, weil ich Ihnen nicht das Offensichtliche bieten wollte und damit auch vieles, das sich ihm nach den Regeln des Erinnerungsdiskurses gleichsam zwangsläufig angeschlossen hätte; weil ich Ihnen keine ‚Vergangenheit’ vorführen wollte, keine schon über­wun­dene Diktatur, die sich aus sicherem Abstand betrachten und in dieser ‚Betrach­tung’ zugleich ad acta legen ließe; weil der Zusammenstoß zwi­schen der Macht und der Kunst eine uralte Ge­schichte ist, die sich überall und jeder­zeit wiederholen kann; und weil ich deshalb den Machthabern – allen Machthabern – nicht den Deckmantel des Faschis­mus geben wollte, unter dem sie sich verstecken könnten, nicht das Alibi des ausge­wie­senen Bö­sen, mit dem sich jedes Regime als unverdächtig auszugeben vermag. Es gibt kein un­verdächtiges Regime, und besonders in unseren Demokratien, in denen das oft nur schwer zu erkennen ist, sollte es uns immer bewußt bleiben.

Ich komme zum Schluß, meine Damen und Herren: Ja, selbstverständlich braucht Deutschland ein Zentrum für verfolgte Künste. Und nicht nur Deutschland, sondern alle Länder dieser Erde brauchen solche Zentren. In ihnen soll die Macht sich selbst zurücknehmen vor der Kunst; in ihnen soll sie offenlegen, wie sie ihr zu ver­schie­denen Zeiten den Freiraum beschnitten hat; in ihnen soll sie der Kunst die Exter­ritorialität eines Gedächtnisses zurückgeben, das sich vor keiner Macht zu verantwor­ten braucht. Und in diese Zentren soll sie auch ihre Schulkinder schicken, damit sie beizeiten lernen, wogegen sie sich zu wehren haben.

Dieses Manuskript wurde mit Genehmigung des Autors von der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Sie setzt sich seit ihrer Gründung im November 1990 für ein Zentrum der verfolgten Künste ein. In der Biographie ihrer Namensgeberin focussiert sich das Thema:
Else Lasker-Schüler, 1932 mit der höchsten deutschen Literaturauszeich-nung, dem Kleist-Preis, geehrt, musste 1933 in die Schweiz fliehen. Während in Deutschland ihre Theaterstücke nicht mehr aufgeführt werden durften, ihre RTomane und Gedichte verbrannt und vebroten wurden, erhielt sie ind er Schweiz als jüdische Emigrantin Schreibverbot und 1939 keine Aufenthaltsgenehmigung mehr.

Ihre Zeichnungen wurden 1937 als „entartet“ von den Nazis aus der Berliner Nationalgalerie entfernt. In Palästina (Israel) hat sie „die Sprache dieses kühlen Landes“ nie erlernt. Paul Hindemith, der erste große Komponist (und einer von mehr als 200 Tonsetzern), der ihre Lyrik vertonte, ging über die Türkei in amerikanische Exil.

Unter dem Dach des Kunstmuseums Solingen ist mit der Bilder-„Sammlung Gerhard Schneider“ und der Exilliteratur-„Sammlung Jürgen Serke“ das Projekt eines Zentrums der verfolgten Künste“ in Ansätzen realisiert. Die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft hat mit 17 internationalen Foren in Deutschland, Israel, Polen, Tschechien, der Schweiz und Italien gezeigt, wie ein solches Zentrum interdisziplinär arbeiten könnte: Mit Zeitzeugen, Schulwettbewerben, modernen Lyrikformen wie Slam Poetry und Rapp, Lesungen, Aufführungen von einst und heute verbotenen Filmen, Theaterstcken und Kompositionen, mit in Auftrag gegebenen Bühnenwerken – etwa über die ermordete russsische Journalistin Anna Politkowskaja („Audienz im Kreml“). Denn das Thema Zensur, Verbot von Kunstwerken und Verfolgung von Künstlern, Journalisten und anderen Intellektuellen bleibt aktuell, so lange es machtgierige Politiker gibt.

Nach Jerusalem, Breslau, Prag, Zürich, Catania, Tel Aviv, Berlin etc. soll das XVIII. Else Lasker-Schüler-Forum vom 10. – 15. 04. 2012 in Wien stattfinden. Else Lasker-Schüler war mit Karl Kraus befreundet, der vor 75 Jahren starb. Zu den Mitwirkenden gehören Opfer und Zeitzeugen der NS-Diktatur -, Wissenschaftler, Schriftsteller, Journalisten u. Künstler, die sich mit Aufkommen, Auswirkungen u. Folgen der NS-Herrschaft in und für Österreich befassen. Neben Bühnenaufführungen, Lesungen, Vorträgen u. Zeitzeugen-Berichten wird erstmals in Österreich ein Zyklus von ELS-Gedichtvertonungen aufgeführt. Komponist Charles Kálmán hatte mit Vater Emmerich aus dem NS-besetzten Wien flüchten müssen.

Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft e.V. * Herzogstraße 42 * D- 42103 Wuppertal;

Telefon: 0202 30 51 98 / Fax: 0202 7475433

E-mail: vorstand(Adresse geschützt vor Spambots)Else-Lasker-Schueler-Gesellschaft.de www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de

Vorstand: Hajo Jahn, Heiner Bontrup, Anne Grevé, Klaus K. Otto, Martina Steimer. – Beisitzer: Prof. Dr. Manfred Brusten, Wolfgang Drost, Monika Fey, Dorothee Kleinherbers-Boden, Bernd Passmann sowie die Autorin Ulla Hahn

Stiftung „Verbrannte und verbannte Dichter-/KünstlerInnen – für ein Zentrum der verfolgten Künste“ / Vorstand: Hajo Jahn, Herbert Beil, Dr. Rolf Jessewitsch, Dr. Rolf Köster – Kuratoriumsmitglieder: Hans-Dietrich Genscher, Ingrid Bachér, Ursula Schulz-Dornburg, Jürgen Serke, Prof. Dr. Klaus Goebel und Prof. Dr. Christoph Stölzl E-mail: redaktion(Adresse geschützt vor Spambots)exil-archiv.de">redaktion(Adresse geschützt vor Spambots)exil-archiv.de / www.Exil-Zentrum.de

Endnoten

1 Zitiert nach: Barbara Kaernbach und Ref. Anna Rozovskaya-Lampey, Gedenken an verfolgte Künst­ler, Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Fachbereich WD 10: Kultur, Medien und Sport, 13. Juli 2011, Az. 3000/067/11, S. 4

2 Ebd., S. 6

3 Ebd.

4 Ebd., S. 7

5 So hat sie Gottfried Benn in einer Rede aus dem Jahr 1952 genannt.

6 Moshe Barasch, Das Gottesbild, München 1998, S. 49-51.

7 Ebd., S. 52.

8 Heinrich Heine, Sämtliche Schriften in sieben Bänden, hg. von Klaus Briegleb, München 1968 ff.,; Band 1, S. 159

9 Ebd., S. 159-60

10 Ebd., S. 161

11 Ebd., S. 161-2

12 Ebd. S. 162

13 Vgl. ebd., S. 91

Anhang: Das Bemühen um ein „Zentrum für verfolgte Künste“

Seit Jahren bemüht sich die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft – und namentlich ihr Vorstandsvorsitzender Hajo Jahn – um die Gründung eines „Zentrums für verfolgte Künste“ in Deutschland. In einem solchen Zentrum sollte der weit über 10.000 nicht nur jüdischen Künstler gedacht werden, die als Verfolgte, Inhaftierte, Vertriebene und Geflohene des NS-Regimes als fast vergessen gelten. Genauso wäre der durch das DDR-Regime verfolgten und inhaftierten Künstler zu gedenken. Nun scheint sich seit einiger Zeit in dieser Frage etwas zu bewegen: So hat der Bundestagsausschuss für Kultur und Medien auf Veranlassung der ELS-Gesellschaft eine Expertise erstellt, so dass die Forderung nach politischer und finanzieller Förderung eines solchen Projekts den entsprechenden Gremien des Bundestags vorliegt. Darüber hinaus hat sich die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller in den Medien sowie in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel für ein solches Zentrum, das sie Museum des Exils nennt, ausgesprochen. Wir zitieren aus diesem Brief Herta Müllers jene Passagen, welche die kulturelle, moralische und politische Bedeutung eines solchen Zentrums auf treffliche Weise benennen. Zuvor erinnert sie namentlich an das Schicksal der emigrierten Schriftsteller Nelly Sachs und Konrad Merz, die nach dem Krieg es nicht fertig brachten, nach Deutschland zurückzukehren – nicht zuletzt, weil sie nicht willkommen waren. Konrad Merz, der die deutsche Besatzung der Niederlande in einem Schrank überlebt habe, seien stets die Tränen gekommen, wenn er an seine Jugend in Berlin dachte. Sein Roman über das Leben im Exil – einer der ersten dieses Genres – trug denn auch den Titel „Ein Mann fällt aus Deutschland“. Herta Müller fährt in ihrem Brief an Frau Merkel fort:

„Das Exil ist die Konsequenz der ersten Vertreibung aus Deutschland. Schriftsteller, Musiker, Maler, Architekten, aber auch Ärzte, Juristen und natürlich Politiker wurden von den Nationalsozialisten aus dem Deutschen Reich vertrieben oder verhaftet und in Konzentrationslagern ermordet. Nur selten entschieden sie sich 1945 zur Rückkehr in das nun demokratische Deutschland. Und nicht selten wurden sie von den Dagebliebenen verhöhnt. Ich denke an den Auftritt von Paul Celan oder Albert Vigoleis Thelen bei der Gruppe 47. Aber für fast alle gilt: Nach dem Krieg wollte man nichts mehr von ihnen wissen.

Die Nobelpreisträger hatten natürlich eine herausgehobene Position. Aber Konrad Merz und die unzähligen anderen, die vor dem Krieg wichtige Stimmen waren, wie etwa Theodor Kramer, der im englischen Exil noch Tausende großartige Gedichte schrieb, wurden vergessen und sind es immer noch. Heutzutage gibt es viele unterschiedliche Zweige der Exilforschung, aber es gibt kein Zentrum, in dem sich anschaulich die heterogenen Erfahrungen des Exils als Teil der deutschen Geschichte zeigen lassen. Bei einer Veranstaltung zur Villa Aurora….habe ich einmal plakativ gefordert, Deutschland brauche ein „Museum des Exils“, um sich über die Verluste durch die Vertreibung von Künstlern und auch von Wissenschaftlern klarzuwerden. Einen Ort, der die oft fürchterlichen Lebensumstände derjenigen zeigt, die kurz davor noch die Elite dieses Landes waren, das kulturelle Leben in Deutschland prägten. Die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft in Wuppertal hat in dieser Hinsicht Vorbildliches geleistet. Sie hat mit ihren begrenzten Mitteln nicht nur Werk und Leben von Lasker-Schüler in zahlreichen internationalen Veranstaltungen aus dem Vergessen geholt. Die Gesellschaft hat auch erste Schritte unternommen, um die Arbeit von vertriebenen Künstlern zu sammeln und zu dokumentieren. Aber diese Anstrengungen können keine Gedenkstätte ersetzen, die sich mit allen Facetten des Exils und seiner Konsequenzen in Sammlungen, Ausstellungen und Diskussionen widmet.“

Eine solche Stätte könne ein Ort werden, so Müller, „der auch Verbindungen knüpfen kann an die Erfahrungen des Exils nach dem Krieg, an die aus der DDR und anderen osteuropäischen Diktaturen vertriebenen Künstler. Ein wenig gehöre ich ja auch dazu. Ein Ort, an dem Biographien erzählt werden können, die mit dem Exil verknüpft sind.“

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag wurde beendet.