Henry Kissinger “On China” – Analyse eines Konzepts

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Henry Kissinger definiert für den Zeitraum von 1945 bis zum Ende des Ost-West-Konflikts (1990) das Verhältnis der USA zur konkurrierenden Sowjetunion nicht als Herausbildung und Funktionsweise einer dualen Hegemonie, sondern versetzt beide zusammen mit China in ein Dreiecksverhältnis unterschiedlich mächtiger, aber prinzipiell gleichrangiger Kontrahenten. Zur Erhaltung des Kräftegleichgewichts zwischen diesen drei Polen sei die atomare Abschreckung eine unbedingte „Notwendigkeit“ gewesen, behauptet Kissinger. Darin ist er sich mit seinem späteren Außenministerkollegen George Shultz, dem früheren US-Verteidigungsminister Bill Perry und dem ehemaligen US-Senator Sam Nunn einig. Für die Zeit nach dem Ost-West-Konflikt vertritt er jedoch die Auffassung, dass eine von nuklearen Waffen freien Welt die bessere Alternative darstellt. Welcher Paradigmenwechsel verbirgt sich hinter dieser neuen Rationalität bzw. von welcher Theorie hat sich der Stratege Kissinger verabschiedet? Ein Blick in den Epilog des Buches vermittelt mehr Aufschluss (Kissinger, Henry, On China, London, 2011)

Von Dr. Reinhard Hildebrandt


1. Grundlegende Einsichten

Im Epilog zum Haupttext seines Buches befasst sich Kissinger mit dem bereits 1907 verfassten Memorandum des Mitarbeiters des britischen Außenministeriums, Eyre Crowe, zum Verhältnis von Großbritannien und Deutschland. Kissinger fragt: „But what was Germany’s real goal? Was it natural evolution of German cultural and economic interests across Europe and the world, to which German diplomacy was giving traditional support? Or did Germany seek ‘a general political hegemony and maritime ascendancy, threatening the independence of her neighbors and ultimately the existence of England? Crowe concluded that it made no difference what goal Germany avowed. Whichever course Germany was pursuing, ‘Germany would clearly be wise to build a powerful a navy as she can afford.’ And once Germany achieved naval supremacy, Crowe assessed, this in itself – regardless of German intentions – would be an objective threat to Britain, and ‘incompatible with the existence of the British Empire’… Even if moderate German statesmen were to demonstrate their bona fides, moderate German foreign policy could ‘at any stage merge into’ a conscious scheme for hegemony. Thus structural elements, in Crowe’s analysis, precluded cooperation or even trust.”(ebd.S.519). Kissinger stellt also fest, dass in Crowe’s Analyse bereits seit 1907 für Diplomatie kein Spielraum mehr zur Verfügung stand: „… there was no longer any scope for diplomacy; the issue had become who would back down in a crisis, and whenever that condition was not fulfilled, war was nearly inevitable. It took seven years to reach the point of world war.” (ebd.).

Als nächstes vergleicht Kissinger zwei Denkschulen miteinander: Als erstes nimmt er sich die Neokonservativen in den USA vor. In deren Urteil garantieren nur demokratische Institutionen Vertrauen und Verantwortung. Autoritäre Regimes, die den USA gefährlich werden könnten, müssen zum Regimewechsel gezwungen werden. „In these conceptions, regime change is the ultimate goal of American foreign policy in dealing with non-democratic societies; peace with China is less a matter of strategy than of change in Chinese governance.” (ebd.S.520). Die zweite Denkschule ist die der chinesischen “triumphalists” (ebd.S.521). In deren Sichtweise sind die Beziehungen zwischen China und den USA als das große Duell des 21. Jahrhunderts zu bezeichnen. Ein „marathon contest“: „Moreover, the competition is essentially zero-sum; the only alternative to total success is humiliating failure: ‚If China in the 21st century cannot become world number one, cannot become the top power, then inevitably it will become a straggler that is cast aside.”(ebd.S.521). Kissinger vertritt die Auffassung, dass weder die augenblickliche US-Administration unter dem Präsidenten Obama noch die chinesische Führung der Analyse des Crowe Memorandums folgen. Dennoch warnt er dringlich vor dem Rückfall in ein solches strategisches Denken.

Aus seiner Sicht entstünde dann folgende Situation: „China would try to push American power as far away from its borders as it could, circumscribe the scope of American naval power, and reduce America’s weight in international diplomacy. The United States would try to organize China’s many neighbors into a counterweight to Chinese dominance. Both sides would emphasize their ideological differences. The interaction would be even more complicated because the notion of deterrence and preemption are not symmetrical between these two sides. The United States is more focused on overwhelming military power, China on decisive psychological impact. Sooner or later, one side or the other would miscalculate.” (ebd.S.521). Kissinger empfiehlt deshalb: “Relations between China and the United States need not – and should not – become a zero-sum game.”(ebd.S.523). “A cold war between the two countries would arrest progress for a generation on both sides of the Pacific. It would spread disputes into internal politics of every region at a time when global issues such as nuclear proliferation, the environment, energy security, and climate change impose global cooperation” (ebd.S.522).

Aber welches Beziehungsverhältnis hat Kissinger im Visier, wenn er schreibt: „The basis aproach – discussed in the previous chapters – remains valid; how to achieve the necessary balance is the challenge for each new generation of leaders on both sides.”(ebd.S.526).

Sein Vorschlag lautet: “The appropriate label for the Sino-American relationship is less partnership than ‚co-evolution’“(ebd.S.526). Kissingers dringende Bitte an die Entscheider auf beiden Seiten lautet: “The United States and China owe it to their people and to global well-being to make the attempt. Each is to big to be dominated by the other. Therefore neither is capable of defining terms for victory in a war or in a Cold War type of conflict. They need to ask themselves the question apparently never formally posed at the time of the Crowe Memorandum: Where will a conflict take us?”(ebd.S.527). “The argument that China and the United States are condemned to collision assumes that they deal with each other as competing blocs across the Pacific. But this is the road to disaster for both sides.”(ebd.S.528). Zum Schluss seines Buches bringt Kissinger folgende Hoffnung zum Ausdruck: “When Premier Zhou Enlai and I agreed on the communiqué that announced the secret visit, he said: ‘This will shake the world’. What a culmination if, forty years later, the United States and China could merge their efforts not to shake the world, but to build it.”(ebd.S.530).

Humanitäre Erwägungen werden den Machtpolitiker Kissinger kaum zur grundlegenden Revision seines bisherigen strategischen Denkens bewogen haben. Er befürwortet auch weiterhin den Einsatz der traditionellen Strategie zur Erhaltung des Kräftegleichgewichts. Dem daraus folgenden Aktions- und Reaktionsmechanismus will er jedoch zugunsten der Erhaltung eines besonderen Verhältnisses zwischen den USA und China Zügel anlegen. Das von beiden Kontrahenten des Ost-West-Konflikts (den USA und der Sowjetunion) unbedacht herbeigeführte negative Ende ihrer dualen Hegemonie möchte Kissinger den USA und China ersparen. Zwar verlor am Ende des Ost-West-Konflikts nur die Sowjetunion ihren hegemonialen Status, aber die US-amerikanische Führungen mussten in weniger als zwanzig Jahren erkennen, dass ihr Machtpotential zur Errichtung einer nunmehr notwendig gewordenen globalen Hegemonie bei weitem nicht ausreichte und dass sie jetzt statt dessen – dank zweier verlorener Kriege, der Finanzkapital- und Staatsschuldenkrise sowie ihrer unübersehbar maroden Infrastruktur – China erheblich geschwächt gegenübertreten müssen.

Zu erinnern ist in diesem Kontext daran, dass zu Zeiten des Ost-West-Konflikts US-Administrationen erst nach dem Verlust ihrer atomaren Unverwundbarkeit im Jahre 1959 die Sowjetunion erstmals als ihr hegemoniales Gegenüber wahrnahmen und in der gesamten Zeit danach offiziell nie bereit waren, die Sowjetunion als eine Hegemonialmacht anzuerkennen, mit der sie doch zusammen bis 1990 eine duale Hegemonie bildeten. Die USA setzten nach dem Verlust der atomaren Unverwundbarkeit alles daran, der Sowjetunion jegliche Ebenbürtigkeit zu entziehen. In einer Situation vorübergehender Schwäche, hervorgerufen durch die sich ab Anfang der siebziger Jahre abzeichnende Niederlage in Vietnam, verbündeten sie sich mit China. China gab ihnen auf dem indochinesischen Kriegsschauplatz zwar überdeutlich zu verstehen, wie wenig ihre hochgerüstete Armee gegen hochmotivierte Befreiungskrieger auszurichten vermochte. Aber im eigenen Abwehrkampf gegen die als Einkreisung empfundene Ausdehnung sowjetischen Einflusses auf das südchinesische Meer durch die prosowjetische Orientierung des vereinten Vietnams trat China vorrübergehend an die Seite der geschwächten USA.

Im Dreiecksverhältnis USA-Sowjetunion-China unternahm China jetzt alle Anstrengungen, den USA das Vordringen der Sowjetunion auf die Südhalbkugel der Erde als lebensbedrohliche Gefahr nahe zulegen. Getrieben wurde diese Politik Chinas von der Befürchtung, dass die USA und die Sowjetunion ihr Verhältnis zueinander erstmals als duale Hegemonie begreifen und als gemeinsames strategisches Ziel die Aufteilung der Welt auf Kosten Chinas (und aller anderen Mächte) anstreben könnten. Die Anerkennung Osteuropas als sowjetische Einflusssphäre durch die USA und die Entspannung des Berlinkonflikts (Berliner Abkommen 1972) hatten sie in ihrem Misstrauen bestärkt. Wie sich erst später herausstellte, schätzten sie jedoch das strategische Denken und Handeln us-amerikanischer Administrationen und Denkfabriken sehr viel höher ein als es in Wirklichkeit war.

Nach der Überwindung ihrer vorübergehenden Schwäche kehrten die USA unter dem Präsidenten Carter zu ihrer alten Haltung zurück, die Sowjetunion nicht als gleichwertigen Hegemon anzuerkennen. Auf die Belieferung Äthiopiens mit Waffen auf dem Luftwege reagierte Carter mit der Drohung: Kooperation unter den Bedingungen der USA oder Konfrontation! Sowjetische Antonow-Transportflugzeuge konnten nach der Erteilung von Überflugrechten über Afghanistan und Pakistan auf direktem Wege Äthiopien erreichen und entschieden mit dieser Aktion den Sieg Äthiopiens über Somalia.

Carters Nachfolger im Präsidentenamt, Ronald Reagan (1981-1989), überzog die Sowjetunion mit einer die sowjetische Wirtschaft schließlich ruinierenden Rüstungsoffensive (Krieg der Sterne), so dass die sowjetische Führung unter Gorbatschow in der Mitte der achtziger Jahre den Rüstungswettlauf aufgeben musste und einen Ausgleich mit den USA anstrebte. Reagan und sein republikanischer Nachfolger im Amt, Bush Senior, bestanden jedoch auf der Anerkennung der sowjetischen Niederlage und der Aufgabe jeglichen Hegemonialanspruchs. Sie taten dies in der Zuversicht, künftig eine globale Hegemonie errichten zu können, in der sich auch die chinesische Politik den us-amerikanisch bestimmten Spielregeln der Weltpolitik unterwerfen müsste. Als Folge der Einsicht, dass die USA ihre ursprünglichen Pläne zur Errichtung einer globalen Hegemonie aufgeben mussten und jetzt erneut auf eine duale Hegemonie – nur diesmal mit China – zurückgeworfen werden, stellt Kissinger seine umfangreiche Erfahrung zur Verfügung. Er möchte die USA davor bewahren, erneut unbedacht auf die Niederlage eines Kontrahenten zu setzen und in der Verfolgung dieses Ziels sich selbst nachhaltig zu ruinieren. Gleichzeitig ruft er China auf, den momentanen Schwächezustand der USA nicht auszunutzen und triumphalen Strategien eine Absage zu erteilen. Völlig unklar ist jedoch, welche Vermeidungsstrategie für Kissinger die Balance of power strategy der Vergangenheit ersetzen soll. Kissinger besteht weiterhin auf den Ausgleich der Kräfte und äußert sich nur sehr zurückhaltend über eine zusätzliche Orientierung an Normen. Wie er mit den Instrumenten der Diplomatie eine ausschließlich machtorientierte Politik maßgeblich beeinflussen will, bleibt unklar. Seine detaillierte Beschreibung der amerikanisch-chinesischen Beziehungen soll offenbar die Entscheidungsträger beider Seiten vom Eigenwert der Diplomatie überzeugen, aber eine dem angestrebten besonderen Verhältnis adäquate Strategie kann sie nicht ersetzen.

Kissingers Konstruktion des Dreiecksverhältnisses USA-Sowjetunion-China vermeidet jegliche Aussage über die Ranggleichheit oder -ungleichheit der beteiligten Mächte. Er wählt den Begriff „triangular diplomacy“, der über den sich selbst und von anderen zugemessenen Stellenwert der beteiligten Mächte keine Auskunft gibt. Er unterlässt jede Aussage darüber, dass sich die USA im Machtdreieck selbst stets einen Spitzenplatz einräumten und die Kontrahenten weit unten an der Basis des Dreiecks zu platzieren suchten.

2. Das trilaterale Verhältnis USA-Sowjetunion-China in der Beschreibung Kissingers

An der Vorstellung über die sich selbst zugemessene Rangordnung bzw. Spitzenposition der USA innerhalb des Dreiecksverhältnisses änderte auch die vorrübergehende Schwächung durch den Vietnamkrieg wenig. Weiterhin begriffen sich die USA und die Sowjetunion nicht als Gegenpole einer dualen Hegemonie, in der zwar die sowjetische ökonomische Kraftentfaltung derjenigen der USA weit unterlegen blieb und die USA im geopolitischen Kräftevergleich der Sowjetunion in fast allen Regionen der Erde überlegen waren. Aber die Sowjetunion vermochte den Vorsprung der USA im militärischen Kräfteverhältnis immer wieder auszugleichen. China zeigte sich den beiden anderen sowohl ökonomisch wie militärisch weit unterlegen und konnte nur mit seiner fast eine Milliarde zählenden Bevölkerung punkten, die laut Mao selbst durch einen atomaren Vernichtungsschlag nicht vollständig getötet werden könne.

Streng genommen zerfiel das machtpolitische Dreieck in drei sehr unterschiedliche duale Verhältnisse (USA-Sowjetunion, Sowjetunion-China, USA-China). Kissingers Wortwahl „triangular diplomacy“ verdeckt diese Unterschiedlichkeit und erweckt beim Leser den Eindruck, dass sich drei gleichwertige Machtpole gegenüberstünden. Während sich die chinesische Führung vom Bündnis mit den USA also vor allem Sicherheit vor Angriffen von Seiten der Sowjetunion erhoffte und ein gemeinsames amerikanisch-sowjetischen Vorgehen gegen China zu vermeiden suchte, versuchte Kissinger, den Zwist Chinas mit der Sowjetunion zur Wiederherstellung der unangefochtenen Dominanz der USA zu nutzen. Auf indirekte Weise drückt Kissinger dieses Ziel im folgenden Zitat der Einleitung zu seinem Buch aus: „The American motive for the opening was to put before our people a vision of peace transcending the travail of the Vietnam War and the ominous vistas of the Cold War.”(ebd.S. xv).

2.1 Strategisches Denken Chinas aus der Sicht Kissingers

Im ersten Kapitel seines Buches befasst sich Kissinger mit der traditionell in China gepflegten Vorstellung, dass China als Reich der Mitte („Middle Kingdom“) und zugleich Zentrum der Welt an seiner Peripherie von Völkern mit lediglich graduellen Unterschieden zur chinesischen Kultur umgeben sei (S.10) und dank seiner außerordentlichen Widerstandskraft sowie seiner gegenüber allen anderen überlegenden Kultur über Jahrhunderte hinweg „the world’s most productive economy and most populous trading area“ gewesen sei, die allen Invasionen fremder Völker über Jahrtausende hinweg stand gehalten (ebd.S.11) und gegenüber den Nachbarvölkern stets unparteilich gehandelt habe (ebd.S.19). Seine Langlebigkeit verdanke dieses Imperium nicht der Ausübung von roher Gewalt der Herrscher gegen das Volk, sondern vor allem der Fähigkeit seiner Machtelite, einen dauerhaften Konsens zwischen den Über- und Untergeordneten herzustellen (ebd.S.13) und eine hierarchisch gegliederte Gesellschaftsstruktur zu errichten, in der jeder seinen Platz genau kenne („Know the place“) („Great Harmony“) (ebd.S.15). Chinesische Kaiser hätten es auch immer wieder erfolgreich verstanden, Invasoren dadurch zu schwächen, dass sie konkurrierende Invasionsmächte ins Spiel brachten, „Barbaren“ gegen „Barbaren“ (ebd.S.21) ausspielten (z.B. das zaristische Russland gegen Japan [ebd.S.84f.]).

Nach dieser Lobeshymne auf die chinesische Kultur und Staatskunst wendet sich Kissinger der jüngeren Geschichte Chinas zu, in der sich chinesische Führungen dem drängenden und bedrängenden Verlangen europäischer Mächte erwehren mussten, China für den Handelsaustausch mit ihnen zu öffnen, mit ihnen diplomatische Beziehungen aufzunehmen und ausländische Botschaften in China zuzulassen. Als Niederlage Chinas erwähnt er die Abkehr vom „Canton System“, das den Handelsaustausch nur wenigen lizenzierten chinesischen Händlern übertrug, zum nachfolgenden Vertrag von Nanjing und seines Ergänzungsabkommens (dem Vertrag von Bogue), in dem China zur Zahlung von 6 Millionen Dollar Schadenersatz verpflichtet wurde, Hongkong abzutreten hatte und fünf Häfen Chinas für den internationalen Handel öffnen musste, in denen Großbritannien das Recht zur Errichtung permanenter Vertretungen erhielt und direkt mit den lokalen Behörden verhandeln konnte (ebd.S.53).

Diese von China als „ungleich“ betrachteten Verträge erwiesen sich als Einfallstor für gleichlautende Forderungen der USA und Frankreichs, in denen nicht, wie Kissinger schreibt, kleinlaut um eine Erweiterung des Handelsverkehrs gebeten wurde, sondern um wesentlich mehr: „But the European invaders had no such aspiration nor limited goals. Deeming themselves more advanced societies, their goal was to exploit China for economic gain, not to join its way of life.”(ebd.S.55). Großbritannien und Frankreich gingen zu einem späteren Zeitpunkt sogar dazu über, die Sommerresidenz des chinesischen Kaisers abzufackeln, um auf diese Weise China noch weiter zu demütigen (ebd.S.67). Zur Festigung des kollektiven Gedächtnisses der chinesischen Bevölkerung werden bis in die Gegenwart zahllose Gruppen zu den Trümmern des Palastes geführt, wo ihnen berichtet wird, wie arrogant und brutal sich die europäischen Mächte gegenüber China verhalten haben.

2.2 Maos „Great Harmony“

Im 4. Kapitel setzt sich Kissinger mit Maos kontinuierlicher Revolution auseinander. Im Gegensatz zu allen vorherigen radikalen Dynastiewechseln innerhalb des mehrere Tausende Jahre existierenden chinesischen Volkes, in denen nie das vornehmlich auf Konfuzius und Laotse zurückzuführende gesamte Wertesystem absolut infrage gestellt wurde, verkehrt Mao alle grundlegenden Werte und unterwirft selbst die Mitglieder der Machtelite dem Wechsel von Anerkennung und Verdammung. Anders als nach dem Prinzip von Yin und Yang, in dem die Gegensätze ineinander übergehen und in einem neuen Gleichgewicht „universaler Harmonie“ münden, kehrt Mao alles Untere nach oben und verklärt über den zyklischen Wechsel hinaus den gesellschaftlichen Fortschritt mit seinem Endpunkt der „Great Harmony“ zum Maß aller Dinge (ebd.S.95). Aus Maos Sicht endete die von ihm eingeleitete Industrialisierung Chinas nicht in der Überwindung aller gesellschaftlichen Gegensätze, sondern bildete den Ausgangspunkt für einen neuen revolutionären Wechsel, in dem die im vorherigen Zyklus entstandene gesellschaftliche Machtelite zur Selbstkritik und zur Abdankung gezwungen wurde, um einer neuen Platz zu machen. „In this manner“, schreibt Kissinger, „Mao generated a series of built-in contractions. In pursuit of the Great Harmony, Mao launched the Hundred Flowers Campaign in 1956, which invited public debate and then turned on those intellectuals who practiced it; the Great Leap Forward in 1958, designed to catch up with the West industrially in a three-year period but which led to one of the most pervasive famines in modern history and produced a split in the Cultural Revolution in 1966, in which a generation of trained leaders, professors, diplomats and experts were sent to the countryside to work on farms to learn from the masses”(ebd.S.107/108). Kissinger registriert zwar das Scheitern Maos aufgrund der Intransigenz der chinesischen Bevölkerung – „at once obedient and independent, submissive and self-reliant, imposing limits less by direct challenges than by hesitance in executing orders they considered incompatible with the future of their family” -, aber erwähnt als Grund nur die enge Verbundenheit jedes einzelnen Chinesen mit seiner Familie (S.110), nicht jedoch die Widerspenstigkeit, die in einem abhängigen Bewusstsein ebenso existiert wie die Bereitschaft zum Dienen.

3. „Triangular Diplomacy“

3.1. „Co-evolution“

Im 5. Kapitel betritt Kissinger erstmals vertrautes Gelände. Ab jetzt steht die von ihm so bezeichnete „triangular diplomacy“ im Zentrum seiner Ausführungen. Kissinger beginnt mit

der Feststellung, dass Mao Zedong zwei Monate nach der Ausrufung der Volksrepublik China (16. Dezember 1949) nach Moskau gereist sei, um mit der Sowjetunion eine Allianz zu schmieden („His purpose was to form an alliance with the Communist superpower, the Soviet Union“[ebd.S.113]). Er erwähnt nur indirekt, vor wem Mao Schutz bei Stalin suchte und fasst verkürzt zusammen: „Instead, the meeting inaugurated a series of moves that would culminate in transforming the hoped-for alliance into a triangular diplomacy by which the United States, China, and the Soviet Union maneuvered with and against each other.”(ebd.S.113). Die Formel “with and against each other” entspricht im diplomatischen Verkehr der Mächte untereinander dem diplomatischen Alltagsgeschehen. In den Beziehungen der Kontrahenten einer dualen Hegemonie hingegen darf das „against“ aber nur dann zur Auflösung der Dualität führen, wenn der Sieger des Kampfes sich seiner Überlebensfähigkeit sicher ist. Andernfalls führt er fahrlässig oder unbewusst seinen eigenen Untergang als Hegemonialmacht herbei. Kissinger lässt in seinen weiteren Ausführungen des Buches insbesondere in der Beurteilung der Politik Reagans und Bush Senior gegenüber der Sowjetunion nicht erkennen, dass für ihn das Ende der Sowjetunion auch negative Rückwirkungen auf den hegemonialen Status der USA hatte.

Offensichtlich hat er zunächst den Traum der amerikanischen Machtelite, von der Dualität zur Globalität amerikanischer Hegemonie aufsteigen zu können, mitgeträumt und ist erst nach dessen unrühmlichen Ende zur Einsicht gelangt, dass die USA und China in der Konstellation einer für beide Seiten unabwendbaren besonderen Beziehung die Grenzen der Belastbarkeit dieser Struktur unbedingt erkennen sollten. Sein Ratschlag an die Machthaber der USA und Chinas, das Schwergewicht in ihren Beziehungen nicht auf ihre Partnerschaft zu legen, sondern auf die Erarbeitung und Einhaltung von Rahmenbedingungen, die eine „co-evolution“ von beiden ermöglichen, schließt die Spekulation auf das Ende des Kontrahenten aus und beschwört zugleich die Gefahr einer Doppelherrschaft, die sich alle übrigen Mächte zum Feind machen würde („The appropriate label for the Sino-American relationship is less partnership than ‚co-evolution’“(ebd.S.526). Was dieser Ratschlag für die hegemoniale Praxis bedeutet, führt Kissinger nicht mehr aus.

3.2 Der Koreakrieg

Wie prekär das sowjetisch-chinesische Verhältnis von Anfang an war, schildert Kissinger im Zusammenhang mit den Geschehnissen des Koreakrieges (1950-1953). Zur Erinnerung: Nach der Niederlage gegen Japan 1895 verlor China seine Funktion als Schutzmacht Koreas. Korea lehnte sich in den folgenden Jahren stärker an Russland an. Als das zaristische Russland während des Boxeraufstandes (1900) die an Korea angrenzende Mandschurei besetzte, reduzierte sich der Einfluss Chinas in Ostasien noch weiter. Nach dem Sieg Japans im japanisch-russischen Krieg 1904/05 wurde Korea japanisches Protektoratsgebiet. Im Frieden von Portsmouth zur Beendigung des Kriegs (1905) erhielt China zwar die Hoheitsrechte über die Mandschurei zurück, aber militärisch kontrollierte fortan Japan den Süden des Landes und Russland den Norden. In der Zeit zwischen der Auflösung der chinesischen Zentralgewalt 1919 und der ja-panischen Militärintervention 1932 konnte die Mandschurei zwar vorübergehend selbständiger agieren, aber nach der Intervention geriet der von Japan geschaffene und nominell eigenständige Staat Mandschukuo völlig unter die Kontrolle Japans. Bis 1910 blieb Korea japanisches Protektorat und hatte danach die Annexion durch Japan zu ertragen. Nach der Niederschlagung des koreanischen Aufstands im Jahre 1919 konstituierte sich unter Syngman Rhee in Schanghai eine koreanische Exilregierung und im Lande selbst wurden kommunistische Partisanen unter der Führung von Kim Il Sung zu Beginn der dreißiger Jahre aktiv.

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs besetzte die Sowjetunion die gesamte Mandschurei und den Norden Koreas. Die Demarkationslinie zwischen sowjetischen Truppen im Norden und us-amerikanischen im Süden Koreas verlief am 38. Breitengrad. Während die Sowjetunion bereits 1945/46 ihre Truppen aus der Mandschurei zurückzog, hielt sie den Norden Koreas bis zum Jahre 1948 besetzt. Obwohl also die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges 1945 die Unabhängigkeit Koreas garantierten, stationierten sie noch bis 1948 weiterhin ihr Truppenkontingent auf koreanischem Territorium. Die letzten Truppen verließen sogar erst geraume Zeit später die beiden Teile des Landes.

In den Jahren ihrer Uneinigkeit über die künftige gesellschaftliche Verfassung des Koreas und insbesondere nach dem Scheitern der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über eine provisorische gesamtkoreanische Regierung im Jahre 1946 leitete Kim Il Sung unter der billigenden Oberaufsicht der Sowjetunion die Umgestaltung des Landes nach dem Vorbild der Sowjetunion ein, während die im Süden von den USA 1945 unter Syngman Rhee eingerichtete Militärregierung unter der Oberaufsicht der USA bis 1948 mit diktatorischen Mitteln uneingeschränkt weiter existierte. Die neue Parlamentsmehrheit, entstanden nach den nur im Süden des Landes unter UN-Aufsicht durchgeführten Wahlen (1948), lehnte das nordkoreanische Wiedervereinigungsangebot nicht mehr rundheraus ab und war – im Gegensatz zur Militärregierung unter Syngman Rhee – bereit, mit Abgesandten Nordkoreas Verhandlungen aufzunehmen. Die von Nordkorea am 11. Juni 1950 entsandten drei Bevollmächtigten wurden jedoch, wie David Horovitz berichtet, von der noch im Amt befindlichen Militärregierung verhaftet und offenbar erschossen (David Horovitz, Kalter Krieg – Hintergründe der US-Außenpolitik von Jalta bis Vietnam, Berlin 1969, S.107, zitiert bei Reinhard Hildebrandt, Kampf um Weltmacht – Berlin als Brennpunkt des Ost-West-Konflikts, Opladen 1987, S.281).

3.2.1 Stalins Forderungen an Mao

Wie sich jetzt bereits zeigt, hatte die von den USA nicht zu verhindernde Machtergreifung der Kommunistischen Partei Chinas (1949) erhebliche Folgen für den gesamten ostasiatischen Raum. So verpflichtete die Übereinkunft zwischen China und der Sowjetunion vom 14. Februar 1950 zum gegenseitigen Beistand in Konflikten mit einer dritten Macht und gab China Rückendeckung in Konflikten mit Nachbarländern. Die Mandschurei kehrte in die Volksrepublik China zurück. Aus der Sicht Chinas war der von Stalin geforderte Preis für die Allianz jedoch sehr hoch. Die Forderungen Stalins bezeichnete Mao später als Verlangen nach Schaffung von „Halb-Kolonien“ (zit. bei Kissinger, ebd. S.117).

Stalin forderte und erhielt:

  • Konzessionen für den Abbau von Rohstoffen in der Mandschurei und in Sinkiang,
  • die Benutzung von Schienenwegen in der Mandschurei,
  • die Beibehaltung der chinesischen Seehäfen Dalian und Lushun am Gelben Meer als sowjetische Stützpunkte bis zum Abschluss eines Friedensvertrages mit Japan,
  • die chinesische Anerkennung der Souveränität der Äußeren Mongolei.

3.2.2 Erwünschte und missbilligte Lösungen des Koreakonflikts

Für das Territorium von Korea standen die beiden scheidenden Besatzungsmächte als Folge der Machtergreifung der kommunistischen Partei Chinas vor der Aufgabe einzuschätzen, welche Form und welche Orientierung Koreas in ihrem Interesse lag:

  • ein prosowjetisch, proamerikanisch oder prochinesisch orientiertes wiedervereintes Korea,
  • ein weiterhin geteiltes Land, im Süden proamerikanisch und im Norden prosowjetisch,
  • ein weiterhin geteiltes Land, im Norden prochinesisch und im Süden proamerikanisch,
  • ein weiterhin geteiltes Land, im Norden prosowjetisch und im Süden prochinesisch.
  • ein neutralisiertes vereintes oder geteiltes Korea.

Sie hatten außerdem in ihren strategischen Planungen zu berücksichtigen, wie sich die von ihnen gestützten koreanischen Fraktionen verhalten würden. Nicht jede Variante garantierte deren Überleben.

Nach der Verhaftung und Ermordung der nordkoreanischen Abgesandten durch die südkoreanische Militärregierung verschärften sich die Beziehungen beider Teile Koreas außerordentlich. Horowitz berichtet für den Tag des Kriegsausbruchs, dass im Hauptquartier McArthurs ein wichtiges Mitglied unerwartet ans Telefon gerufen wurde und nach der Beendigung des Telefongespräches flüsterte: „Soeben ist eine tolle Geschichte passiert! Die Südkoreaner haben Nordkorea angegriffen!“ (Horowitz, ebd.S.107). Das Hauptquartier McArthurs ging jedoch von einem Angriff Nordkoreas aus, auf den Südkorea reagiert habe und informierte dementsprechend die us-amerikanische Regierung. Aus der Sicht des us-amerikanischen Außenministers General Marshall hatte der Ausbruch des Koreakrieges „clearly revealed to the American people the full menace of Soviet Imperialism and made possible an upward adjustment of the armed forces to the realities of the world situation“(Samuel P. Huntington, The Common Defense – Strategic Programs in National Politics, New York, London 1961, S.62/63).

3.3 Der Koreakrieg aus der Sicht Kissingers

3.3.1 Sowjetisch-chinesische Unterschiede in der Lagebeurteilung

Wie berichtet Kissinger über den Beginn und die Hintergründe des Koreakrieges?

Die Beweggründe der Führungen in Nord- und Südkorea beschreibt er folgendermaßen: „When the occupying powers withdrew in 1949 and the hitherto occupied zones became fully sovereign states, neither felt confortable within its bounderies. Their rulers, Kim Il-sung in the North and Syngman Rhee in the South, had spent their lives fighting for their national causes. They saw no reason to abandon them now, and both claimed the leadership for all the country. Military clashes along the dividing line were frequent.” (Kissinger, ebd.S.123). Mit welchen Handlungsspielraum statteten die beteiligten Mächte entsprechend ihrer Interessenlage die Führer Nord- und Südkoreas aus?

Kissinger schreibt, dass Stalin und Mao 1949/50 noch den Vorschlag Kim Il-sungs zurück gewiesen hätten, Südkorea nach dem vollständigen Rückzug der US-Armee zu erobern (ebd.S.123). Im April 1950 sei Stalin jedoch nicht mehr so zurückhaltend gewesen. Auf dem Hintergrund der Beseitigung des amerikanischen Atomwaffenmonopols, des verstärkten sowjetischen Einflusses auf die Machtelite Nordkoreas und amerikanischer Hinweise, dass Korea außerhalb des pazifischen Einflussgebietes der USA läge, habe Stalin den Eindruck gewonnen, dass die USA im Falle einer Eroberung des Südens durch den Norden nicht intervenieren würden (Kathryn Weathersby, „Should We Fear This?: Stalin and the Danger of War with America,“ Cold War International History Project Working Paper Series, working paper no. 39 (Washington, D.C.: Woodrow Wilson International Center for Scholars, July 2002),9-11).

Ein prosowjetisches vereintes Korea stärkte zweifellos den sowjetischen Einfluss am Pazifik. Als jedoch die USA aufgrund eines – unter Abwesenheit des sowjetischen Vertreters entstandenen – Votums des UN-Sicherheitsrats in die Kampfhandlungen eingriffen und die bis in die Nähe der Hafenstadt Pusan vorgedrungenen nordkoreanischen Truppen an die Grenze zu China zurückwarfen, stoppten koreanischstämmige Truppen Chinas den Vormarsch und warfen die UN-Truppen wieder bis auf die Demarkationslinie zurück. Die Sowjetunion griff nicht in den Konflikt ein, weil laut Stalin die Stabilisierung des sowjetischen Einflussgebiets in Europa die militärischen Kräfte der Sowjetunion zur damaligen Zeit stark beanspruchten. Damit war die Teilung Koreas auf der Grundlage der dritten Version, – im Norden prochinesisch und im Süden proamerikanisch – besiegelt. Kissinger kommentiert die strategische Situation im folgenden Zitat: „If the United States did intervene, the threat to China would increase as would China’s dependence on the Soviet Union. If China responded to the American challenge, it would require massive Soviet assistance, achieving the same result. If China stayed out, Moscow’s influence in a disillusioned North Korea would grow.”(S.126/ 127). Laut Kissinger griffen die USA in den Konflikt militärisch ein, weil sie nach dem Sieg der kommunistischen Partei Chinas und der Flucht der Kuomintang-Armee nach Taiwan der weiteren Ausdehnung sowjetischen wie chinesischen Einflusses einen Riegel vorschieben wollten. Ein prosowjetisches vereintes Korea und die Eroberung Taiwans durch Truppen Maos empfanden sie als eine nicht hinnehmbare Aggression, die sie mit allen Mitteln zu verhindern suchten.

3.3.2 US-amerikanische Eindämmungsstrategie und Koreapolitik

Kissinger erwähnt nicht die ökonomische Herausforderung, der sich die USA zu Ende der vierziger Jahre ausgesetzt sahen. Für die Vereinigten Staaten wirkte sich der labile Zustand des kriegsbedingt geschwächten Westeuropas und Japans als mangelnde zahlungsfähige Nachfrage nach amerikanischen Produkten aus. Sie mussten erkennen, dass der Wiederaufbau und die Orientierung Westeuropas und der östlichen Anrainerstaaten des Pazifik auf die Vereinigten Staaten (Entfaltung des innerwestlichen Dreiecks USA-Westeuropa-Japan mit den USA als Hegemonialmacht an der Spitze) an der „Dollarlücke“ zu scheitern drohte; d.h. die potentiellen Abnehmerländer benötigten Devisen, mit denen sie in den USA Waren kaufen konnten. Es bedurfte einer vorherigen Kreditvergabe an sie (Marshall-Plan), um sie zahlungsfähig zu machen.

Die USA knüpften die Belieferung der Empfängerländer mit amerikanischen Produkten zugleich an Exportverbote für militärisch relevante Technologien. Sofern in der Produktion dieser Waren Technologien benutzt wurden, die auch für die Produktion militärischer Güter verwendet werden konnten, war den Empfängerländern die Weitergabe – insbesondere an die Sowjetunion, China und die von beiden Mächten beeinflussten Länder – verboten (Cocom seit Anfang 1950). Die USA bestimmten allein darüber, was als militärisch relevante Technologie definiert wurde und wie umfangreich die Technologieexportverbote ausfallen sollten. Die Orientierung Westeuropas und Japans auf das Warenangebot aus den USA hatte also zur Folge, dass deren traditionelle Handelsbeziehungen mit Ländern Ost- und Mitteleuropas und der Handelsaustausch der pazifischen Randstaaten mit China zusammenbrach.

Kissinger blendet diesen Zusammenhang für die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts verständlicherweise aus. Hegemonialansprüche unterstellt er für die damalige Zeit nur der Sowjetunion. Die chinesische Führung hingegen wusste sehr wohl, wie sie die USA einzuschätzen hatten. Kissinger zitiert hier sogar Mao, ohne sich Maos Standpunkt zu eigen zu machen: „If the American imperialists are victorious, they will become dizzy with success, and then be in a position to threaten us. We have to help Korea; we have to assist them. This can be in a form of a volunteer force, and be at a time of choosing, but we must start to prepare.” (Shen, Zhihua, Mao Zedong, Stalin and the Korean War, Guanzhou: Guangdong Renmin Chubanshe, 2003, Chapter 7, zit. bei Kissinger, S.135). Kissinger zitiert gleich danach auch Zhou Enlai: „If the American imperialists crush North Korea, they will be swollen with arrogance, and peace will be threatened.”(ebd.). Auch Stalin betonte, ein vereintes Korea unter der Führung Syngman Rhees werde zum Brückenkopf der USA auf dem asiatischen Kontinent (ebd.S.139). Kissinger hingegen übergeht die Charakterisierung der USA durch chinesische und sowjetische Führer vollkommen und konzentriert sich statt dessen auf die langfristigen Folgen der zunehmend gravierenden Differenzen zwischen der Sowjetunion und China. Das Kapitel schließt er mit folgender Bemerkung ab: „Both Communist leaders had exploited each other’s necessities and insecurities. Mao had succeeded in obtaining Soviet military supplies to modernize his army – some Chinese sources claim that during the Korean War he received equipment for sixty-four infantry divisions and twenty-two air divisions – and Stalin had tied town China into a conflict with the United States in Korea.”(ebd.S.143). Kissinger kommt zu dem Schluss: “Ironically, the biggest loser in then Korean War was Stalin, who had given the green light to Kim Il-sung to start and had urged, even blackmailed, Mao to intervene massively… He urged Mao to intervene, expecting that such an act would create a lasting hostility between China and the United States and increase China’s dependence on Moscow”(ebd.S.147).

3.3.3 Stalin der große Verlierer? – Die chinesische Betrachtungsweise der dualen Hegemonie

Aus welchem Grunde Kissinger in Stalin den großen Verlierer erspäht, ist schwer nachvollziehbar. Im Kapitel 6 beschreibt er selbst die im Gefolge des Koreakrieges scharfen Konflikte zwischen den USA und China über die Zugehörigkeit Taiwans zu China und die us-amerikanische Unterstützung eines unabhängigen taiwanesischen Staates. Ein geschwächtes China lag sowohl im sowjetischen wie im amerikanischen Interesse. Mao begriff und befürchtete bereits in den fünfziger Jahren, dass sich die USA und die Sowjetunion auf dem Wege zu einer dualen Hegemonie befanden. Wäre erst einmal die atomare Unverwundbarkeit der USA verloren gegangen, was 1959 eintrat, würden – aus der Sicht Maos – beide Hegemonialmächte ein gemeinsames Interesse an der Begrenzung gefährlich ausufernder Konflikte entfalten und in ihrem Verhältnis zueinander die Balancierung der Kräfte durch eine Strategie des Überlebens der dualen Hegemonie ergänzen. China würde der Leidtragende einer solchen Entwicklung sein, vermutete die chinesische Führung. Aus diesem Grund unternahm Mao alle Anstrengungen, die beiden Supermächte aufeinander zu hetzen und jeweils den Schwächeren gegen den Stärkeren zu unterstützen.

Zu Beginn des 8. Kapitels bestätigt Kissinger diese chinesische Strategie: „Mao tried to address China’s peril by returning to a classical Chinese stratagem: pitting the barbarians against each other, and enlisting far-away enemies against those nearby”.(ebd.S.202). “Nearby”, d.h. in der unmittelbaren Nähe des chinesischen Territoriums befanden sich im Vietnamkrieg – aus chinesischer Sicht – beide Hegemonialmächte. Getrieben wurde diese Politik Chinas von der Befürchtung, dass die USA und die Sowjetunion ihr Verhältnis zueinander erstmals bewusst als duale Hegemonie begreifen könnten und sich darauf vorbereiteten, die Welt auf Kosten Chinas (und anderer Mächte) unter sich aufzuteilen.

3.4 Der Vietnamkrieg

3.4.1 Beginn, Wendepunkte und Ende des Krieges

Mitte der sechziger Jahre sahen sich die USA gegenüber der Sowjetunion gezwungen, von der Entwaffnungs- zur Schadensbegrenzungsstrategie übergehen. Im Aktions-Reaktions-Mechanismus hatte die Sowjetunion wieder einmal den Vorsprung der USA in der Raketenrüstung aufgeholt. Henry Kissinger zitiert auf Seite 134/135 seines 1965 publizierten Buchs „Was wird aus der westlichen Allianz? [Wien/Düsseldorf], den Ausspruch McNamaras vom Februar 1965, dass die USA im Falle eines Schlagabtausches mit Verlusten von 120 Millionen Menschenleben zu rechnen hätten (zit. bei Reinhard Hildebrandt, Kampf um Weltmacht, S.329). Im Februar 1965 äußerte sich auch der amerikanische Präsident Johnson zur Verantwortung der USA: „Die Geschichte und die eigenen Leistungen haben uns die Hauptverantwortung für den Schutz der Freiheit auf der Erde auferlegt … Kein anderes Volk besaß je eine so große Möglichkeit, für die Freiheit der ganzen Menschheit zu wirken und etwas aufs Spiel zu setzen.“(Schlesinger, Arthur M. jr., Das erschütterte Vertrauen, Bern/München, 1969, S.160). Erklärtes Ziel der Vereinigten Staaten war für die kommende Zeit, der Sowjetunion die Möglichkeit zur Unterstützung von Befreiungsbewegungen zu entziehen, hatte doch die Sowjetunion nach der Gleichziehung mit den USA damit begonnen, überall dort Befreiungsbewegungen zu unterstützen, wo ein Zugewinn ihres Einflusses auf Kosten der USA heraussprang. Als geeignetes Objekt der Praktizierung ihrer Konfrontationsstrategien bot sich für beide Seiten das Vereinigungsstreben Vietnams an.

„Südvietnam erschien den Vereinigten Staaten als Testfall sowjetisch-chinesischer Unterwanderungsbestrebungen. Nachdem die amerikanische Führung 1964/65 glaubte, nun imstande zu sein, mit ihren speziell trainierten Eingreifkräften solche lokale Aggressionen am Ort selbst bekämpfen zu können und unter Bedingungen, die von ihnen bestimmt wurden, brach sie zum ‚vietnamesischen Kreuzzug’ auf. Einkalkuliert war in diesem ‚Kreuzzug’ die Bombardierung Nordvietnams und – falls es der amerikanischen Militärführung erforderlich schien – auch deren Ausdehnung auf den Süden Chinas. … Die Vereinigten Staaten drohten China mit dem Einsatz ihrer gewaltigen Militärmacht, falls China weiterhin den südvietnamesischen Befreiungskrieg anstachele und über Nordvietnam unterstütze, währen die Chinesen erklärtermaßen durch Befreiungskriege die Vereinigten Staaten dauerhaft schwächen wollten, …“ (Reinhard Hildebrandt, Kampf um Weltmacht, S.333).

Der geographische Ort Südvietnam erschien den USA aus folgenden Gründen als geeignetes Demonstrationsobjekt:

  1. Südvietnam bildete einen schmalen Küstenstreifen, bestens geeignet für die Anlage von Marine- und Luftbasen zur Versorgung der kämpfenden Einheiten.
  2. Reisanbaugebiete ließen sich aus der Luft gut beobachten.
  3. Die Landbevölkerung konnte man in ‚concentration-camps’ zusammenfassen und damit dem Einfluss der FNL (Front National de Libération) entziehen.
  4. Die Entlaubung des Waldes und die Vernichtung der Ernteerträge würden der FNL die Deckung und die Versorgungsbasen entziehen.
  5. Nordvietnam war für seine Ernährung auf Reisanbaugebiete angewiesen. Die Deiche würden Bombardierungen nicht standhalten.
  6. Wich die FNL auf die neutralen Länder Kambodscha und Laos aus, verletzte sie deren Neutralität.
  7. Die Versorgung der FNL aus Nordvietnam mit Waffen, Energie und Lebensmitteln wäre nur über beschwerliche Dschungelpfade möglich.
  8. Im Kreis der rückwärtigen Nachschubdepots der Vereinigten Staaten würden zunächst nur Indonesien und Kambodscha fehlen. (Der Militärputsch in Indonesien im Jahre 1965 und die brutale Vernichtung der bis dahin sehr starken kommunistischen Partei Indonesiens sowie der Sturz des Prinzen Sihanouk durch den prowestlichen General Lon Nol im Jahre 1970 schlossen später diese Lücke.)
  9. Nordvietnam war von der Sowjetunion auf dem Landweg zu erreichen, aber die durch China verlaufenden Schienstränge und Straßenverbindungen könnte man auf nordvietnamesischem Gebiet durch Bombardierungen lahm legen.
  10. Sowjetische Waffen- und Benzintransporte, die auf dem Seeweg Nordvietnam erreichen sollten, ließen sich durch die Verminung des Hafens von Haiphong gänzlich unterbinden.
  11. Die seegestützten sowjetischen Versorgungswege hatten sämtlich den Nachteil großer Distanzen. (Ab dem Sechs-Tage-Krieg des Jahres 1967 stand der Suezkanal nicht mehr zur Verfügung. Nach dem Militärputsch in Indonesien im Jahre 1965 konnten sowjetische Versorgungsschiffe für Nordvietnam auch nicht mehr die Malakka- und Sundastraße und die Tiefseestraße zwischen Lombok und Bali durchfahren und mussten einen weiten Umweg um Australien herum einschlagen. Sowjetische Waffenlieferungen durch China hindurch oder über China hinweg wurden von den Chinesen nur schleppend weitergeleitet oder ganz untersagt. China bestand darauf, dass die nordvietnamesische Führung allein chinesische Hilfe annahm und auf Hilfe aus der Sowjetunion verzichtete.)

Kurze Zeit nach dem initiierten Zwischenfall im Golf von Tonking im August 1964, bei dem amerikanische Flugzeugträger angeblich einem unprovozierten Angriff nordvietnamesischer Torpedoboote ausgesetzt waren, bombardierten amerikanische Flugzeuge erstmals Ziele in Nordvietnam. Der amerikanische General Maxwell Taylor charakterisierte die Lage Nordvietnams im Jahre 1965 in der folgenden Bemerkung: „Von seinem Standpunkt aus sieht der nordvietnamesische Führer zuerst die Tiefe und Breite der Verpflichtung der Vereinigten Staaten – er sieht, dass wir nicht erlauben werden, dass Südvietnam durch militärische Gewalt übernommen wird. Als zweites sieht er die Auswirkung unserer Luftwaffe, die den Kreis um seine Hauptstadt Hanoi immer enger ziehen und alles verwüsten, was er in den letzten 10 Jahren aufgebaut hat. Als drittes sieht er in seinem Rücken Rotchina, den gefährlichen Verbündeten und Freund, der traditionell ein Feind ist. Kurz, was er sieht, ist nicht eben günstig.“(European wireless file, USIS Berlin, 13.8.1965, zitiert bei Reinhard Hildebrandt, S.337).

Bereits 1968/69 mussten die USA jedoch ihre Erfolglosigkeit im vietnamesischen Krieg einsehen. Ein vollständiger Sieg der südvietnamesischen Befreiungsfront und ein prosowjetisches vereintes Vietnam unter der Führung des Nordens war nur noch dann zu verhindern, wenn folgende Maßnahmen ergriffen wurden:

  1. „Die Beendigung des amerikanischen militärischen Engagements durch die sogenannte Vietnamisierung des Krieges, was nicht bedeuten musste, dass die Vereinigten Staaten ihre gesamten Truppen aus Südvietnam abzogen.
  2. Die Unterbindung des sowjetischen Waffentransports nach Nordvietnam sowohl durch China hindurch wie über die Seehäfen Nordvietnams.
  3. Die Beendigung chinesischer Waffenhilfe für Nordvietnam.
  4. Die massive amerikanische Waffenhilfe für eine reorganisierte südvietnamesische Armee.“ (Reinhard Hildebrandt, S.345).

Die Bereitschaft zur chinesischen Kooperation erkauften sich die USA mit einer drastischen Reduzierung der China betreffenden Cocom-Liste. China signalisierte den Vereinigten Staaten, dass die Neutralisierung ganz Indochinas der Preis für ein chinesisches Entgegenkommen sei. Die USA hoffen jedoch nach damaligen Aussagen Henry Kissingers, Südvietnam dauerhaft proamerikanisch ausrichten zu können. Als sich der Krieg seinem Ende zuneigte, entsandte China am 20.4.1975 noch eine Delegation mit der Forderung nach Nordvietnam, auf die Eroberung Saigons zu verzichten. Im Mai 1975 übernahm jedoch die FNL endgültig die Führung in Südvietnam. Der Weg für eine Vereinigung beider Teile Vietnams war damit geebnet. Die Sowjetunion entwickelte sich zur wichtigsten Stütze ganz Vietnams, während sich in Kambodscha eine zum radikalen Umbau der Gesellschaft entschlossene prochinesische Gruppe unter Pol Pot durchsetzte.

K.H. Janssen beschrieb in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 14.7. 1978 die veränderte strategische Lage: „Vietnam, im strategischen Vorfeld Chinas gelegen, wurde zum Schnittpunkt kommunistischer Großmachtinteressen. Der totale militärische Sieg der Nordvietnamesen im Frühjahr 1975 passte den Chinesen nicht ins Konzept. Deng Xiao-ping sagte es auf seine drastische Art: Was nützt es, den (amerikanischen) Tiger verjagt zu haben, wenn dafür der (russische) Wolf durch die Hintertür ins Haus kam?“(zit. bei Reinhard Hildebrandt S.377). China übernahm nunmehr den aktiven Teil in der Eindämmung Vietnams. Anfang Juni 1978 verschärfte der Vizedirektor der südchinesischen Provinz Kwangtung die Beziehungen zu Vietnam in folgender Rede:

  1. „Wenn Vietnam ein militärisches Abenteuer wagen sollte, sind wir zum Kampf entschlossen und werden jeden feindlichen Soldaten vernichten, der uns angreift.
  2. Wenn Vietnam dem Volk von Kambodscha den Krieg erklären und eine großangelegte Aggression beginnen sollte, wird China nicht dabeistehen, ohne Kambodscha zu helfen. Wir haben der Regierung von Vietnam bereits erklärt, dass jede Aggression gegen Kambodscha gleichbedeutend ist mit einer Aggression gegen China. Wir werden Kambodscha nicht nur materiell und finanziell helfen, sondern auch nationale Opfer bringen.“ (Die Zeit, 3.11. 1978). Ein Jahr nach der Blitzoffensive Vietnams gegen Kambodscha führte China eine Strafexpedition gegen Vietnam durch, eroberte die Grenzgebiete Vietnams zu China (17.2. 1979) und zwang Vietnam zum Abzug seiner regulären Truppen aus Kambodscha (Reinhard Hildebrandt, S.390).

3.4.2 Kissingers Darstellung des Krieges

Einschränkend bemerkt Kissinger: „Leaders cannot create the context in which they operate. Their distinctive contribution consists in operating at the limit of what the given situation permits. If they exceed these limits, they crash; if they fall short of what is necessary, their policies stagnate. If they build soundly, they may create a new set of relationships that sustains itself over a historical period because all parties consider it in their own interest.” (S.215). Mit anderen Worten: Kissinger fiel die undankbare Aufgabe zu, die bereits unter John F. Kennedy begonnene militärische Intervention (Südvietnam war nach der Niederlage Frankreichs im Indochinakrieg ab 1955/56 unter den maßgeblichen Einfluss der USA geraten) und den unter seinem Nachfolger Johnson stark ausgeweiteten Militäreinsatz zu einem akzeptablen Ende zu führen, das den USA erlaubte, nicht von einer Niederlage zu sprechen. Zu diesem Zweck setzte sich Kissinger als damaliger nationaler Sicherheitsberater und Außenminister der USA in der Nixon-Administration für alle verfügbaren militärischen und diplomatischen Mittel ein. Massive Bombardierungen des Ho-Tschi-Min Pfades und großer Teile Nordvietnams erwähnt er jedoch nur beiläufig, seine diplomatischen Bemühungen hingegen, China als Partner der USA zu gewinnen, sehr ausladend. Als besonders hinderlich für eine effektive Politik bezeichnet er die Überzeugung eines bedeutenden Teils des amerikanischen Establishments, den Krieg für nicht gewinnbar zu halten und als angeborenen moralischen Fehler des amerikanischen politischen Systems zu betrachten (Kissinger,S.213).

Die nicht nur bei Nixon anzutreffende Vorstellung, die USA würden trotz ihrer Verwicklung in den Vietnamkonflikt „the strongest country in an alliance against Communist aggression around the world“ bleiben, ist ein versteckter Hinweis Kissingers auf die tatsächlichen Rangunterschiede zwischen den USA, der Sowjetunion und China (ebd.S.213). Diesen Unterschied zu bewahren, ist das erklärte Ziel Kissingers. Als Ziel des Abzugs amerikanischer Truppen aus Vietnam bezeichnet er deshalb, „to sustain the world’s faith in America’s role“(ebd.S.214). Nicht ungelegen käme ihm zur Erreichung seines Ziels, wenn sich die Sowjetunion und Chinas in einem Grenzkrieg am Fluss Ussuri gegenseitig schwächen würden. Im Falle eines sowjetischen Angriff auf chinesische Atomanlangen, um die atomare Bewaffnung Chinas zu verhindern, empfiehlt er den USA, sich neutral zu verhalten, aber stillschweigend China als den Schwächeren von beiden Kontrahenten zu unterstützen (ebd.S.218).

Kissinger erweckt den Eindruck, dass die sowjetisch-chinesischen Spannungen isoliert vom Verlauf des Vietnamkrieges zu diskutieren seien. Ein nicht unerheblicher Grund für die zunehmenden Spannungen zwischen beiden ist aber die sich abzeichnende Niederlage der USA in Vietnam. Sie führt dazu, dass die sowjetische und die chinesische Führung darüber erbittert streiten, wer künftig in Vietnam den größten Einfluss ausüben wird. Die zunehmenden chinesischen Behinderungen sowjetischer Waffenlieferungen auf dem Schienen- und Luftweg nach Nordvietnam sind ein Merkmal dieses Kampfes. Kissinger erwähnt sie überhaupt nicht. Seine Hoffnung, dass die USA der Nutznießer der chinesischsowjetischen Streitigkeiten sein könnten, zerschlägt sich letztlich. Nach der Chinareise des sowjetischen Premierministers Kossygin lassen die Spannungen zwischen beiden nach (ebd.S.220).

Die chinesische Sichtweise des Dreiecksverhältnisses USA-Sowjetunion-China beschreibt Zhou Enlai anlässlich eines Besuchs Kissingers in China im Jahre 1971. Sollten sich die USA und die Sowjetunion einig sein, meint Zhou Enlai, könnte der Fall eintreten, dass sie China unter sich aufteilen. China würde zwar mit allen Mitteln versuchen, seine erneute Fremdbestimmung abzuschütteln, aber das sei ein langer und verlustreicher Kampf (Memorandum of Conversation: Beijing, July 10, 1971, zit. bei Kissinger S.252). In der Absicht, die Unabhängigkeit Chinas zu bewahren und den eigenen Handlungsspielraum zwischen den Hegemonialmächten USA und Sowjetunion zu erhalten, unterstützt die chinesische Führung deshalb stets den momentan Schwächeren der beiden Hegemonialmächte, behandelt dessen Abgesandten mit größter Höflichkeit und ist stets bemüht, zwischen beiden Kontrahenten für Streit zu sorgen. China weist im folgenden Zitat jede hegemoniale Bestrebung der USA und der Sowjetunion entschieden zurück: „Neither [side] should seek hegemony in the Asia-Pacific region and each is opposed to efforts by any other country or group of countries to establish such hegemony“ (Joint Statement Following Discussions with Leaders of the People’s Republic of China: Shanghai, February 27, 1972), zit bei Kissinger, S.270). Gegen die USA gewandt sagt Mao: „You want to withdraw some of your troops back on your soil; ours do not go abroad.”(Kissinger,S.259). Zugleich signalisiert Mao den USA, dass für das Vereinigungsstreben Nordvietnams mit Südvietnam nicht mit der Entsendung chinesischer Hilfstruppen zu rechnen ist. China wünscht an seiner Südgrenze kein vereintes Vietnam, das versucht sein könnte, seinen Einfluss auf die Nachbarstaaten Kambodscha und Laos auszudehnen.

3.4.3 Die „Quasi-Alliance“ USA-China

Im 10. Kapitel seines Buches befasst sich Kissinger ausführlich mit der „Quasi-Alliance“ zwischen den USA und China. Was er darunter versteht, beschreibt er am Ende des 9. Kapitels: „The reward for Sino-American rapprochement would not be a state of perpetual friendship or a harmony of values, but a rebalancing of the global equilibrium that would require constant tending and perhaps, in time, produce a greater harmony of values. In that process, each side would be the guardian of its own interests. And each would seek to use the other as a source of leverage in its relations with Moscow.”(ebd.S.274). Am Schluss des 10. Kapitels zieht Kissinger jedoch folgende negative Bilanz: „The basis for the quasi-alliance had been the Chinese conviction that the United States’s contribution to global security was indispensable. Beijing had entered then relationship looking to Washington as a bulwark against Soviet expansionism. Now Mao and Zhou began to hint that what looked like feebleness in Washington was in reality a deep game – trying to set the Soviets and Chinese against each other in a war designed to destroy them both. Increasingly, however, the Chinese accused the United States of something worse than treachery: ineffectualness. This is where matters stood when, at the end of 1973, China’s domestic travail began to parallel our own.” (ebd.S.293). Es war beiden in der Zwischenzeit nicht gelungen, das globale Gleichgewicht zu ihrer beider Nutzen neu zu justieren. Weder die USA noch China hatten ihr Verhältnis zueinander als Hebel gegen die Sowjetunion einsetzen können. Insbesondere die USA waren noch nicht einmal in der Lage, „guardian of its own interest“ zu sein. Was war geschehen und welche negativen Entwicklungen würden noch folgen bis zur bitteren Erkenntnis, dass sie beide als Verlierer des Vietnamkrieges in die Geschichte eingehen würden. Schuldige zu finden, fällt Verlierern nie schwer. Für Kissinger ist es auf der Seite der USA die Überzeugung eines bedeutenden Teils des amerikanischen Establishments, den Krieg für nicht gewinnbar zu halten und als angeborenen moralischen Fehler des amerikanischen politischen Systems zu betrachten. Auf Seiten Chinas macht er das Zerwürfnis in der chinesischen Machtelite als zweiten Schuldigen für die Niederlage aus. Aber was waren die wirklichen Gründe?

Auf missverständliche Weise unterstellt Kissinger als Basis der Quasi-Allianz “the Chinese conviction that the United States’s contribution to global security was indispensable“. Ohne die USA konnte aus der Sicht Chinas die globale Sicherheit nicht erhalten werden. Wenn die USA jedoch darunter verstanden, dass globale Sicherheit ohne die Hegemonie der USA nicht zu verwirklichen war, baute die Quasi-Allianz auf einem Grundwiderspruch auf, an dem sie schließlich zu Grunde gehen würde. Die USA benötigten die tätige Mithilfe Chinas in der Zurückweisung des Wiedervereinigungsanspruchs Nordvietnams, waren aber nicht zu der von China verlangten Gegenleistung bereit, entweder Südvietnam zu neutralisieren oder – weiter gehend – dem chinesischen Einfluss zu öffnen. Sie zögerten sogar, Kambodscha und Laos wieder in die Neutralität zu entlassen. Statt dessen stärkten sie die proamerikanischen Kräfte in allen drei Staaten. „Je zurückhaltender jedoch die amerikanische Führung in der Einleitung von südvietnamesischen Reformen und der Ausgleichung der inneren Gegensätze Südvietnams agierte, desto mehr Argumente lieferte sie der kulturrevolutionären Linie in China, wieder stärker die verschiedenen indochinesischen Befreiungsfronten zu unterstützen.“ (Reinhard Hildebrandt, S.376).

Nach dem – durch massives Bombardement Nordvietnams – erzwungenen Einlenken der nordvietnamesischen Führung in den Pariser Geheimgesprächen zwischen Kissinger und dem nordvietnamesischen Sonderbeauftragten Le Duc Tho im Jahre 1973 konnte die Sowjetunion wieder über die entminten Häfen Nordvietnams Waffentechnik, Munition und Erdöl liefern und den Norden in der Vorbereitung eines konventionellen Krieges gegen den Süden unterstützen. Verstärkte Waffenlieferungen der USA an die südvietnamesische Armee im Zeichen der Vietnamisierung des Krieges gelangten auch in die Hände der FNL, die es verstand, die korrupten Offiziere und Generäle der südvietnamesischen zum Weiterverkauf der Waffen zu bewegen. Im Jahre 1975 räumte die südvietnamesische Armee schließlich fast kampflos das Feld. Kissinger schiebt der „versagenden Heimatfront“ und dem „Watergate“-Skandal die Schuld am verlorenen Krieg zu. Zweifellos war die amerikanische Bevölkerung kriegsmüde, war nicht bereit, nach dem erreichten Patt im Jahre 1973 erneut US-amerikanische Soldaten in den Kampf zu schicken und beargwöhnte das ursprüngliche Kriegsziel der USA. Zweifellos lähmte der Skandal um die Ausspähung des Wahlkampfhauptquartiers der Demokratischen Partei durch Präsident Nixon und dessen Rücktritt im August 1974 die US-Regierung, aber ausschlaggebend war letztlich die Weigerung, Südvietnam aus dem amerikanischen Einfluss ganz zu entlassen. Die vietnamesische Führung nahm nach der Vereinigung im Jahre 1975 privilegierte Beziehungen mit der Sowjetunion auf.

China sah sich im zunehmenden Maße von der Sowjetunion eingekreist und war neben den USA zum zweiten Verlierer des Vietnamkrieges geworden. Die Annahme der chinesischen Führung, in eine von den USA aufgestellte Falle getappt zu sein, erweist sich ebenfalls als unberechtigte Suche nach Schuldigen für das eigene Versagen. Es grenzt schon an Hochmut, wenn das Vereinigungsstreben eines Nachbarlandes nicht nur ignoriert, sondern sogar im Verbund mit dessen ärgsten Feind unterbunden werden soll. Diese Bewertung bleibt auch gültig, wenn die Ergebnisse der Entspannungsperiode in Europa in die Gesamtbeurteilung einbezogen werden. In Europa akzeptierten die USA die osteuropäische Einflusssphäre der Sowjetunion und klärten untereinander ab, in welcher Weise Berlin als Kontrollinstrument der fortbestehenden Teilung Deutschlands zum Vorteil beider genutzt werden könne, ohne jedoch ausreichend zu berücksichtigen, welche langfristigen Folgen ein friedlicheres Nebeneinander der beiden deutschen Staaten für die Fortdauer ihrer dualen Hegemonie auslösen würde.

Statt der hier geschilderten Zusammenhänge betont Kissinger einseitig das chinesische Interesse an guten Beziehungen mit den USA, um gemeinsam mit ihnen den „polar bear“ an seiner Nordgrenze zu bändigen. Er protokolliert: „In fact, throughout the 1970s, Beijing was more in favor of the United States acting robustly against Soviet designs than much of the American public or Congress.”(Kissinger,S.277). Mao hätte ihn damals gewarnt: “The Soviet Union … represented a global threat that needed to be resisted globally. Whatever any other nation might do, China would resist an attack, even if its forces had to retire into the interior of the country to fight a guerrilla war.”(ebd.S.280/281). Laut Kissinger ermutigte Mao die USA sogar zum Eingreifen im mittleren Osten und hob die geopolitisch wichtige Position der Türkei, des Irans, Pakistans und Japans als Barrieren gegen den sowjetischen Expansionismus hervor (ebd.S.282/ 283). „The strategy of holding a horizontal line against the Soviet Union reflected China’s dispassionate analysis of the international situation”, beschreibt Kissinger das Bestreben Chinas, aber formuliert auch vorsichtig folgende Kritik: “A coalition of the United States, China, Japan, and Europe was bound to prevail against the Soviet Union. But what if some partners calculated differently – especially in the absence of formal obligations? What if, as the Chinese feared, some partners concluded that the best means to create a balance was for the United States or Europe or Japan, instead of confronting the Soviet Union, to conciliate it? What if one of the components of the triangular relationship perceived an opportunity to alter the nature of the triangle rather than stabilize it? … China’s concept of self-reliance had the paradoxical consequence of making it difficult for Chinese leaders to believe in the willingness of their partners to run the same risks they were.”(ebd.S.285/286).

Kissinger begreift in dieser um Vorsicht bemühten Bemerkung die Erfordernisse einer dualen Hegemonie, denen die sture Orientierung auf die Erhaltung des Kräftegleichgewichts entgegen steht. Im Verlauf des Ost-West-Konflikts sahen sich die USA und die Sowjetunion zwar immer wieder einmal dieser Differenz zwischen Konfrontation und notwendiger Kooperation ausgesetzt, aber die Protagonisten des einfachen Denkens dominierten und fanden im späteren Präsidenten Reagan ihren absoluten Befürworter, der mit der Entfaltung einer technologisch aufwendigen und für die Sowjetunion nicht mehr verkraftbaren Entwaffnungsstrategie das Blatt entgültig zugunsten der USA wenden wollte. Kissinger hebt an der Reagenschen Politik den scharfen antisowjetischen Tonfall hervor, um – wie er betont – die Hegemonie der Sowjetunion zu verhindern (ebd.S.381). Das Resultat dieser Vernichtungsstrategie ist heutzutage jeden Tag zu besichtigen. China reagierte nach der Niederlage in Vietnam mit der Vision der drei Welten, in der die USA und die Sowjetunion die erste, Japan und Europa die zweite und alle unterentwickelten Länder – einschließlich China – die dritte Welt konstituierten (ebd.S.303). Oberstes Ziel China unter Deng Xiaoping wurde der ökonomische Aufholprozess Chinas gegenüber der ersten und zweiten Welt, die Einleitung der sogenannten vier Erneuerungsprozesse in der Agrarwirtschaft, der Industrie, der Wissenschaft und Technologie und der nationalen Verteidigung (ebd.S.362).

US-amerikanische Administrationen benötigten noch mehrere Jahrzehnte bis zur Erkenntnis, dass eine duale Hegemonie nicht die schlechteste Form geteilter Herrschaft darstellt. Auf Widerstand in der Machtelite der USA und ihren Helfershelfern in Denkfabriken stößt diese Vision immer noch. Kissinger blieb zur Zeit des Ost-West-Konflikts der vorherrschenden Ideologie verhaftet: „But we judged the American national interest and global peace best served if the United States maintained the capacity for dialogue with both Communist giants. By being closer to each of them than they were to each other, we would achieve the maximum diplomatic flexibility.”(ebd.S.305). Die Orientierung an der Politik des britischen Imperiums, die eigene übergeordnete Position im internationalen Kräfteverhältnis zu erhalten und auszubauen, indem man oppositionelle Bündnisse gegeneinander auspendelt und auf diese Weise mit sich selbst beschäftigt hält, stellte auch die Maxime Kissingerscher Diplomatie dar. Als Anhänger der realistischen Schule in der Theorie der internationalen Beziehungen war Kissinger zugleich ein Befürworter der im Westfälischen Frieden von 1648 proklamierten nationalen Souveränität der Staaten (S.395), die alle innerstaatlichen und innergesellschaftlichen Arrangements dem Zugriff der internationalen Politik entzog („domenstic arrangements were beyond the scope of foreign policy. Relations between states were governed by principles of national interest“(ebd.S.454).

Aber nicht nur Kissinger, sondern auch die chinesische Führung unter Jiang Zemin sahen sich nach der Auflösung der Sowjetunion zu Anfang der neunziger Jahre mit den Anforderungen der von den USA propagierten „post-souvereign“ Ära konfrontiert, „in which international norms of human rights would prevail over the traditional prerogatives of souvereign governments“ (ebd.S.455). Die Machtelite der USA begriff die Niederlage der Sowjetunion im Ost-West-Konflikt als eine Art von permanentem und universellem Triumph demokratischer Werte bzw. als Überlegenheit des amerikanischen politischen und gesellschaftlichen Systems über alle anderen (ebd.S.459). In einer seiner Wahlkampfreden im Jahre 1992 forderte Bill Clinton: „China cannot withstand forever the forces of democratic change“. Clinton prophezeite: „One day it will go the way of Communist regimes in Eastern Europe and the former Soviet Union. Als neuer Präsident der USA betonte Clinton im Mai 1993, “That the ‘core’ of the administration’s China policy would be ‘a resolute insistence upon significant progress on human rights.”(ebd.S.467). Statt der Anerkennung unterschiedlicher Kulturen, Gesellschafts- und Wertesysteme stand jetzt die Forderung nach Regimewechsel auf dem Programm, vorgetragen insbesondere von Bush Jr., dem republikanischen Nachfolger Clintons (ebd.S.491). Im Epilog kritisiert Kissinger us-amerikanischen Triumphialismus und warnt vor einer Neuauflage des Kalten Krieges. Als Ausweg empfiehlt er eine Politik der „co-evolution“, aber was darunter im Detail zu verstehen ist, führt Kissinger bisher nicht aus.

4. Wechsel der Theorie statt „Change of Regimes“?

4.1 Der unaufhaltsame Automatismus von Aktion- und Reaktion in der Bewahrung des Kräftegleichgewichts (Balance of power) zwischen den USA und der Sowjetunion

Die USA und die Sowjetunion bildeten zwar real eine duale Hegemonie, aber verhielten sich nach den Regeln eines Nullsummenspiels. Der Vorteil des einen war der Nachteil des anderen. Folgte die Strategie diesen Regeln, musste die eigene Kraftentfaltung stets auf Kosten des anderen gesteigert werden. Dieser Aktions- und Reaktionsmechanismus erstreckte sich auf alle erdenklichen Kräfteverhältnisse, vor allem auf die militärische, geopolitische, ökonomische, technologische und kulturelle Kraftentfaltung, aber schloss auch die Anzahl der Bevölkerung und das Wachstum sowie den Zufriedenheitsgrad der Bevölkerung und das unterschiedliche Geschick ihrer Politiker und Diplomaten ein.

Kissinger beschreibt insbesondere die Fähigkeit der Politik und der Diplomatie und misst ihr – anders als in Analysen anderer Autoren – einen hohen Stellenwert zu. Er scheint die Vorstellung zu hegen, dass die Diplomatie in der Lage ist, alle anderen Kräfteverhältnisse zu orchestrieren. Diese Fähigkeit der Diplomatie vermag jedoch nicht den in jedem Kräfteverhältnis angelegten Steigerungsprozess zu leiten und zu kontrollieren. Sie selbst wird von den in ihnen wirkenden starken Kräften vorangetrieben. Am Beispiel des militärischen Kräfteverhältnisses zwischen den USA und der Sowjetunion und des mit ihnen engstens verbunden militrärisch-industriellen Komplexes (Eisenhower) soll dies veranschaulicht werden.

4.1.1 Der Aktions- und Reaktionsmechanismus von Bedrohung und Gegendrohung im militärischen Kräfteverhältnis

Bis zum Verlust der atomaren Unverwundbarkeit im Jahre 1959 besaßen die USA eine gesicherte Erst- und Zweitschlagkapazität, während die Sowjetunion mit der Entwicklung von Interkontinentalraketen erstmals zu einem Angriff auf die USA ausholen konnte. Bis zum Beginn der amerikanischen Satellitenaufklärung im September 1961 stand der Sowjetunion sogar kurzzeitig eine geringe Zweitschlagkapazität zur Verfügung. Nach der Versenkung ihrer Raketen in Silos und dem Übergang zu Feststoffraketen gewann die Sowjetunion diese Kapazität im Jahre 1963 zurück.

In den folgenden Jahrzehnten kämpften die Kontrahenten stets um die Beibehaltung ihrer gesicherten Zweitschlagkapazität, wobei im Wettrennen um die höchstmögliche Zerstörungsfähigkeit mit dem Ziel eines Entwaffnungsschlags und verknüpft mit dem Versuch, die Zerstörung des eigenen Territoriums durch gegnerische Waffen möglichst gering zu halten, die USA immer darauf bedacht waren, ihren Vorsprung zu bewahren. Den nächsten Schritt im Aktions- und Reaktionsmechanismus leiteten deshalb zumeist die USA als erste ein. Im Rüstungswettlauf trieben sich beide Seiten mit zunehmender Zielgenauigkeit ihrer Raketen, dem Einsatz von Mehrfachsprengköpfen, der unverwundbaren Stationierung von Raketen zu Lande und auf dem Wasser, der Entdeckung von Überraschungsangriffen durch Beobachtungssatelliten und dem Streben nach kürzeren Vorwarnzeiten durch den Einsatz von Mittel- und Kurzstreckenraketen sowie Cruise Missiles und der Zerstörung des Angreifers durch zielgenaue Abfangraketen auf die jeweils nächst höhere Stufe des Aktions- und Reaktionsmechanismus voran. In ihrem Ringen um die wirksamste Erst- und Zweitschlagkapazität bis hin zum Entwaffnungsschlag ging es immer darum, das Vernichtungsrisiko des Gegners gravierend zu erhöhen, so dass er vom Einsatz seiner eigenen Raketenstreitmacht Abstand nahm und – spieltheoretisch betrachtet – in Konfliktkonstellationen lieber einen für ihn ungünstigen Kompromiss akzeptierte als auf der Eskalationsleiter mit ungewissem Ausgang immer weiter voranschreiten zu müssen.

Nach dem Verlust des amerikanischen Atombombenmonopols und erst recht nach dem Verlust der atomaren Unverwundbarkeit entstand für beide auf Hegemonie ausgerichtete Mächte eine strategische Situation, in der geopolitische Stabilität ausschließlich mit und zugleich gegen den jeweils anderen errichtet bzw. erhalten werden konnte. Diese für eine duale Hegemonie ausschlaggebende Konstellation steht im Gegensatz zum Selbstverständnis einer jeden Hegemonialmacht, die bei der Wahl der Mittel absolute Freiheit beansprucht – nur durch den eigenen Willen begrenzt. In Bezug auf die gemeinsam hergestellte geopolitische Stabilität waren demnach beide Mächte in gleicher Weise gehindert, alle denkbaren Optionen in reale Politik umzusetzen: die Durchsetzung des eigenen Willens begrenzte den Durchsetzungswillen des anderen. Als Resultat benötigten nun beide ein entsprechendes Potential an Kraftentfaltung, um den jeweils anderen daran zu hindern, bei der Wahl der Handlungsmöglichkeiten lediglich dem eigenen Willen zu folgen.

Die „Freiheit“ beider hegemonialer Mächte bestand fortan in der Wahl zwischen den Optionen, die von der eigenen Kraftentfaltung ermöglicht wurden, und den Optionen, die durch die gegnerische Seite konterkariert und daher wirksam beschnitten werden konnten. Da beide Seiten zu keinem Zeitpunkt exakt einschätzen konnten, welcher Handlungsspielraum für einen selbst und dem Kontrahenten tatsächlich zur Verfügung stand, führte das hohe Maß an Unsicherheit dazu, dass sie trotz härtester Konkurrenz zugleich ein gemeinsames Interesse an der Erhaltung der fragilen geopolitischen Stabilität und damit ihrer dualen Hegemonie entwickelten. Dieses Interesse trat insbesondere an geopolitischen Orten zutage, an denen unbedachte Schritte zu unkontrollierbaren Folgen führen konnten, wie z.B. zwischen West- und Ostberlin oder auf den Transitrouten durch die DDR, oder wenn nachgeordnete Mächte beabsichtigten, kurzzeitig in der etablierten Sicherheitsarchitektur des Ost-West-Konflikts auftretende ungeklärte Schwebezustände zum eigenen Vorteil zu nutzen (z.B. Emanzipationsbestrebungen vorwiegend der Westeuropäer im Gefolge des für die USA ungünstig ausgehenden Vietnamkrieges).

Im Widerspruch zum immer vorhandenen gemeinsamen Interesse an der Erhaltung der geopolitischen Stabilität (Sicherheitsarchitektur) handelten beide Mächte zugleich immer im Sinne der Theorie des Kräftegleichgewichts (Balance of power), in der sich beide als völlig gegensätzliche Identitäten begriffen. Die USA betrachteten ihren sowjetischen Hegemonie„partner“ als Erzteufel und Erzrivale, während sie sich selbst als obersten Verteidiger der Freiheit dekorierten. Die Sowjetunion trat als oberster Repräsentant der Arbeiterklasse auf und unterstellte den USA feindlichste Absichten gegen den Rest der Menschheit. Indem beide Seiten danach trachteten, den anderen mit allen militärischen, wirtschaftlichen und politischen Mitteln zu schwächen, handelten sie im Sinne eines Nullsummenspiels. Sie kümmerten sich nicht um die für eine duale Hegemonie lebensnotwendige Erhaltung der geopolitischen Stabilität und verschoben statt dessen – gedankenlos – die Grenzlinie zwischen den für beide Seiten verfügbaren Handlungsoptionen zuungunsten des jeweils anderen.

Schließlich kombinierten die USA die weitere Entfaltung des militärischen und ökonomischen Kräfteverhältnisses in einer Weise, die der Sowjetunion zu kostspielig und zu risikoreich für den Fortbestand ihrer Ökonomie wurde. Im drohenden „Krieg der Sterne“ sah sich die Sowjetunion kurz vor Ende des Ost-West-Konflikts mit der Situation konfrontiert, dass ihre eigene Handlungsfreiheit auf ein Minimum gesunken war, während diejenige der USA ein Maximum erreichte: Sie verlor sämtliche Einflussgebiete und stand vor ihrer Desintegration. Jedoch auch die USA mussten – wenn auch erst einige Jahre später – akzeptieren, dass das Ende der dualen Hegemonie zugleich auch ihren hegemonialen Anspruch untergraben hatte.

4.1.2 Überführung des Aktions- und Reaktionsmechanismus in den dreigliedrigen Prozess von Bewegung und Gegenbewegung im Machtdreieck USA-Sowjetunion-China

Von Stufe zu Stufe vorwärtsgetrieben wurde der Ost-West-Konflikts nicht nur vom Aktions- und Reaktionsmechanismus, sondern zugleich auch vom Prozess von Bewegung und Gegenbewegung, in den der Aktions- und Reaktionsmechanismus überging. Auf welche Weise dies geschah, gilt es im Folgenden zu erläutern. Wie bereits erwähnt, zerfiel das machtpolitische Dreieck in drei sehr unterschiedliche duale Verhältnisse (USA-Sowjetunion, Sowjetunion-China, USA-China). Kissingers Wortwahl „triangular diplomacy“ verdeckt diese Unterschiedlichkeit und erweckt beim Leser den Eindruck, dass sich drei gleichwertige und gleichstarke, jede für sich zur Selbsterhaltung fähige Mächte, gegenüberstünden. Was ihre Selbsterhaltungsfähigkeit anbelangt, waren alle drei das sedimentierte Resultat in unterschiedliche Zwänge eingebundener widerstreitender einzelner wie assoziierter Subjekte in ihrem Kampf um Einfluss (in der Geschichte wahrzunehmen als Abfolge unterschiedlicher staatlicher und sozialer Formen der USA, Chinas und der Sowjetunion). Die qualitative und quantitative Veränderung ihrer Selbsterhaltungsfähigkeit war gekennzeichnet durch das evolutionäre wie revolutionäre Aufbrechen dieser institutionalisierten Konstellationen im aktuellen politischen Kampf durch neue gesellschaftliche Formationen und deren sukzessive Sedimentierung als adäquates Ensemble relativ stabiler sozialer und staatlicher Formen.

Veränderte Kräfteverhältnisse zwischen den drei Machtpolen USA-Sowjetunion-China spiegelten demnach auch das Aufbrechen etablierter gesellschaftlicher Konstellationen innerhalb der Machtpole und waren nicht nur als Folge des Aktions- und Reaktionsmechanismus zwischen ihnen zu begreifen. Wenn beispielsweise in einer der drei Mächte bereits bekannte Technologien im militärischen Sektor nicht zur Produktion neuer Waffensysteme geführt hatten, weil die gesellschaftlich dominierenden Kräfte ihr Potential für die Kraftentfaltung verkannt oder als zu kostspielig verworfen hatten und die im innergesellschaftlichen Machtkampf nunmehr dominierenden Kräfte durch die Förderung dieser bisher vernachlässigten Technologien für sich einen erheblichen Zuwachs ihres Einflusses in der Welt avisierten, hatte diese innergesellschaftliche Veränderung unmittelbar Auswirkungen auf das bestehende Kräfteverhältnis im Machtdreieck, ohne dass sich die betroffenen Kontrahenten vorwerfen mussten, Anlässe für die gesteigerte Kraftentfaltung des Rivalen geliefert zu haben. Sie sahen sich jetzt mit einer stärkeren Bedrohung als zuvor konfrontiert und reagierten entsprechend. Als Schlussfolgerung ergibt sich, dass sowohl interne wie externe Veränderungen des Kräfteverhältnisses einen Prozess von Bewegung und Gegenbewegung zwischen den Machtpolen USA, Sowjetunion und China hervorrufen konnten. Zur Entfaltung eines solchen Prozesses bedurfte es jedoch noch eines weiteren noch zu beschreibenden Faktors.

Das Bedürfnis von Weltmächten, jenseits ihres Territoriums über Einfluss zu verfügen, ist unterschiedlich ausgeprägt. Während sich die einen mit der unspezifischen Einflussnahme begnügen, ohne den Bereich ihres Einflusses zu umgrenzen, betrachten die anderen das Gebiet ihres Einflusses wie eine Aura, die sich eng um ihr nationales Territorium windet und strenger Bewachung unterliegt. Dies gilt insbesondere für Randzonen, die unmittelbar an Einflussgebiete eines Kontrahenten grenzen. Steigert eine Macht das qualitative und quantitative Ausmaß seiner Selbsterhaltung und Kraftentfaltung, registrieren die Bedrohungsanalysen der anderen Mächte diese Veränderung als Gefährdung der von ihnen bisher beanspruchten geographischen Orte am Rande ihres eigenen Einflussgebietes und befürchten ein Übergreifen der gestiegenen Kraftentfaltung des Kontrahenten. Der von dem Einen ausgehende Bewegungsprozess ruft die vermehrte Kraftentfaltung des Anderen hervor und führt zu einer Gegenbewegung, die wiederum vom ersteren als Bedrohung der Randzonen seines Einflusses wahrgenommen wird. Wird von beiden Seiten der Versuch unternommen, die gesteigerte Kraftentfaltung auch in praktische Politik umzusetzen, stoßen zwei Vorwärtsbewegungen aufeinander. Jede Seite registriert zunächst vorwiegend die Erfolge ihrer eigenen Durchdringungsstrategie und erst nach dem stärker werdenden Widerstand des Anderen betrachtet sie die Aktivitäten des Kontrahenten als Gefährdung des eigenen Einflussgebietes. Die jetzt folgende Umkehr im Bewusstsein beider bewirkt die Abkehr von der Durchdringung und die Hinwendung zu einer Eindämmung des Gegners.

Parallel zur Spirale von Aktions- und Reaktion entsteht also ein Prozess von Bewegung und Gegenbewegung, der von allen als bedrohliche Vorwärtsbewegung der Gegner auf ihre eigenen Einflusszonen registriert wird. Die Beendigung der Vorwärtsbewegungen kündigt sich an, wenn die Kontrahenten die äußersten Grenzen ihrer Kraftentfaltung erreicht haben und gezwungen sind, eine Phase der Konsolidierung ihres gewonnenen oder verbliebenen Einflussgebietes vorzunehmen. Die Konfrontation wechselt also in eine Absicherungsperiode der Beteiligten. Im nächsten Anlauf wechselt wieder die gelungene Absicherung in eine Vorwärtsbewegung über, wenn in der Zwischenzeit Kräfte, die eine solche Vorwärtsbewegung ermöglichen, freigesetzt werden konnten.

Besteht das Machtdreieck sowohl aus zwei Kontrahenten, die sich in einer dualen Hegemonie gegenseitig belauern, aber in Bezug auf ihre Sicherheit auch partiell vertrauen müssen, und einem dritten schwächeren Machtpol, versucht letzterer in ganz besonderer Weise die mittlere Position zwischen den beiden stärkeren einzunehmen, um einen Angriff beider Gegner auf ihn zu vermeiden. Als Beispiel für den dreigliedrig gewordenen Bewegungs- und Gegenbewegungsprozess bieten sich die Bewegungsabläufe in der Konfrontationsperiode des Ost-West-Konflikts (1964 -1968/69) an.

Am Ende des partiellen Ausgleichs (1961-1963/64) überschritten die USA und die Sowjetunion „die bisher vom partiellen Ausgleich gezogenen äußersten Eingriffslinien und eröffneten auf allen Fronten die bisher nur verhalten vorgetragenen Kämpfe zur Durchdringung und Destabilisierung des Gegners. Die im Rahmen dieser Vorwärtsbewegung konzipierten Konfrontationsstrategien hatten – wie bereits erwähnt – auf amerikanischer Seite insbesondere die Verhinderung nationaler Befreiungskriege und auf sowjetischer Seite die weitere Unterstützung von Befreiungsbewegungen zum Ziel. Was im jeweils gegnerischen Einflussgebiet geschah, war Befreiung, und was im jeweils eigenen Einflussgebiet sich entwickelte, wurde als subversive Tätigkeit des Gegners bezeichnet … In der anbrechenden Konfrontationsperiode ab 1964 zielten beide Seiten nicht mehr wie in der Befreiungsperiode (1950 – 1955/56) auf den totalen Untergang des anderen, da der Untergang des Gegners zugleich die eigene weitgehende Zerstörung bedeuten konnte. Erklärtes Ziel der Vereinigten Staaten war jedoch die weitgehende Einschnürung der Sowjetunion auf ihr eigenes Territorium, während die Sowjetunion durch Unterstützung von Befreiungsbewegungen an der Substanz des auf alle Erdteile ausgedehnten amerikanischen Einflussgebietes zu nagen hoffte, um die Vereinigten Staaten langsam aber stetig zu schwächen.

Der Konfrontationsperiode zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ordnete sich im sowjetisch-chinesischen Prozess von Bewegung und Gegenbewegung das Bemühen beider Seiten nach Hinausdrängen des anderen aus dessen Einflussgebiet hinzu. Von chinesischer Seite wurde der Verdrängungskampf mit dem Argument geführt, dass … die einzig erfolgreiche Strategie zur Schwächung des Westens der Angriff auf die ‚ländliche Gegend’ (unterentwickelte Länder des Westens) sei, um die ‚Städte’ bzw. ‚Metropolen’ einzukreisen und schließlich zu besiegen. Nur dieser kriegerischer Weg treibe die Weltrevolution voran. Ein mehr friedlicher Weg zur langsamen Umwandlung des Westens, wie ihn die Sowjetunion praktizierte und in der Unterstützung von nationalen Befreiungsbewegungen praktizierte, sei zwar theoretisch denkbar, letztlich aber nicht zu verwirklichen.“ (Reinhard Hildebrandt, S.331/332). Der Hintergrund dieser Differenz Bestand darin, wie bereits ausgeführt, dass die chinesische Führung der sowjetischen unterstellte, mit den USA zusammen als duale Hegemonie zu Lasten Chinas zu handeln und global die Einflusszonen unter sich aufzuteilen. Die chinesische Führung streckte deshalb bereits ab 1965 erste Fühler in Richtung USA aus, um das chinesisch-amerikanische Verhältnis aus dem Zustand der bis dahin vollständigen Vereisung zu befreien. Durch die Einnahme der mittleren Position zwischen beiden Giganten und ihr gegenseitiges Ausspielen erhoffte sich China, sowohl sowjetischen wie us-amerikanischen Übergriffen auf das eigene Land wirksam begegnen zu können.

4.2 Wechsel von Verhaltensweisen

Kissinger hat in seiner Zeit als Buchautor, Politiker und Stratege die Erhaltung des Kräftegleichgewichts zwischen den Mächten sowohl interpretiert wie selbst vorangetrieben und erstrebt für die Zukunft des Verhältnisses zwischen den USA und China die Vermeidung der negativen Folgen der damals vorherrschenden Handlungsweisen.

Wenn Kissinger die von ihm propagierte „Co-evolution“ zwischen den USA und China zum Erfolg führen will, muss er sich von der Theorie des Kräftegleichgewichts als dominierender Theorie der internationalen Beziehungen verabschieden. Dieser Theorie inhärent ist eine Dynamik, die zu Aktion und Reaktion bzw. Bedrohung und Gegendrohung sowie zum gegenläufigen Prozess von Bewegung und Gegenbewegung führt und von den handelnden Akteuren nicht unter ihre Kontrolle gebracht werden kann. Implizit fordert er zwar einen Theoriewechsel, aber er deutet nicht an, welche Vorgehensweise an die Stelle des bisher vorherrschenden strategischen Denkens und politischen Handelns treten soll.

Kissinger empfiehlt, die us-amerikansich-chinesischen Beziehungen keinesfalls als ein Nullsummenspiel zu betrachten: “Relations between China and the United States need not – and should not – become a zero-sum game.”(Kissinger,S.523). Ein solches Spiel kennt nur Sieger und Verlierer und funktioniert streng nach den Vorgaben der Erhaltung des Kräftegleichgewichts. Weder die USA noch China könnten seiner Ansicht nach aber den jeweils anderen besiegen, so dass ein Nullsummenspiel nur beide schwächen und ihre potentiellen Konkurrenten stärken würde.

Das us-amerikanisch-chinesische Beziehungsverhältnis sollte laut Kissinger auch kein ostentativ partnerschaftliches sein. Partnerschaften beruhen auf der Anerkennung des Anderen als gleichwertigem Anderem. Zur Erhaltung der geopolitischen Stabilität akzeptieren sie die Beschränkung ihrer Handlungsmöglichkeiten und achten darauf, dass für alle Beteiligten die Grenzlinie zwischen erlaubten und unerlaubten Aktionen nicht zugunsten der einen oder anderen Seite verschoben wird (Reinhard Hildebrandt, US Hegemony – Global Ambitions and Decline, Frankfurt am Main 2009, S. 14f). Idealerweise teilt die Grenzlinie für alle Beteiligten die Anzahl der Aktionsmöglichkeiten exakt in der Mitte zwischen zulässigen und unzulässigen, so dass sich keine Seite übervorteilt fühlt. Partnerschaften erfordern zur Erhaltung des Kräftegleichgewichts die Installation von Gremien, in denen intern verursachte quantitative Veränderungen der Selbsterhaltungsfähigkeit ausgeglichen werden. Offensichtlich befürchtet Kissinger, dass die große Vertrautheit und Vertraulichkeit, die zur Erhaltung des partnerschaftlichen Verhältnisses notwendig ist, in den nicht an der Partnerschaft beteiligten sowie unter ihrer Dominanz leidenden Mächten Misstrauen über die friedlichen Absichten des Verbundes wecken könnte. Deshalb empfiehlt er für die amerikanisch-chinesischen Beziehungen „less partnership“ und statt dessen „co-evolution“. “The appropriate label for the Sino-American relationship is less partnership“, heißt es auf Seite 526 seines Buches.

Kissinger vermeidet zwar den Begriff der dualen Hegemonie, geht aber uneingestanden von einem solchen Verhältnis zwischen den USA und China aus. Beide Mächte scheuen den Begriff Hegemonie. Sofern in der Abfolge chinesischer Dynastien die eigenen Kräfte grenzübergreifend eingesetzt werden konnten, waren chinesische Führungen nicht vor dem Versuch gefeit, die Randstaaten Chinas tributpflichtig zu machen, d.h. sie zu hegemonisieren. Die USA bezeichnen sich selbst nicht als hegemoniale Macht, statt dessen sprechen sie gern von „leadership“. Wenn jedoch die von Kissinger vorgeschlagene “co-evolution” beider Mächte keine intime Partnerschaft sein soll, muss sie mindestens als duale Hegemonie funktionieren und entsprechende Verhaltensweisen entwickeln. Wie unklar sich Kissinger über die Funktionsweise einer “co-evolution” noch ist, wird an seiner Erwartung an die handelnden Politiker deutlich: “… how to achieve the necessary balance is the challenge for each new generation of leaders on both sides.” (Kissinger,S.526).

4.2.1 Miteinander von „Co-evolution“ und dualer Hegemonie

Kissinger weiß, dass heutzutage Weltmächte nicht mehr voneinander unabhängig ihre Entwicklung vorantreiben können. Die Herrscher des Römischen Reichs und der damaligen Dynastien Chinas waren zwar über die Existenz des anderen informiert, aber die geographischen Entfernungen und die damals zur Verfügung stehenden begrenzten Handlungsmöglichkeiten gestatteten noch voneinander getrennte Entwicklungen. Seit der Erfindung weitreichender Transport- und Kommunikationsmittel und der Ausdehnung des Handels zwischen den Völkern bis hin zum gegenwärtigen Ausmaß an Globalisierung hat jede Maßnahme zur Entwicklung der eigenen Macht von vornherein nicht eindeutig einschätzbare Auswirkungen auf andere Mächte und muss daraufhin überprüft werden, ob und inwieweit sie in die Entwicklung der anderen eingreift und positive wie negative Rückwirkungen provoziert. Evolution ist nur noch mit- und gegeneinander möglich. Das heißt für die Machteliten der USA und Chinas, Verhaltens- und Handlungsweisen zu entwickeln, die der Entwicklung des anderen nicht schaden und zugleich die eigene Entfaltung vorantreiben. Co-Evolution setzt ein hohes Maß an wechselseitiger Information über beabsichtigte Maßnahmen des anderen voraus und erfordert vor allem deshalb einen rücksichtsvollen Umgang untereinander, damit unbeabsichtigte Beeinträchtigungen des anderen, die erst nachträglich korrigiert werden können, nicht außer Kontrolle geraten. Sofern außerdem Weltmächte zur Ausformung von Hegemonien tendieren und Randzonen ihrer Herrschaftsbereiche zwischen ihnen umstritten sind, müssen sie geeignete Vorkehrungen zur friedlichen Beilegung dieser spezifischen Konflikte treffen, damit außer Kontrolle geratene Spannungen die Existenz eines Pols der dualen Hegemonie nicht in Frage stellen. Das Essential dualer Hegemonien, Handlungen auszuschließen, die geeignet sind, die Existenz des Anderen gänzlich in Frage zu stellen, erfordert absolute Priorität, wenn für die überlebende Hegemonie keinerlei Aussicht besteht, anstelle der bisherigen dualen eine darauf folgende mit einer anderen Macht zu errichten bzw. eine globale Hegemonie auszuformen. Die Missachtung dieses Essentials gefährdet den Fortbestand auch der zunächst siegreichen Hegemonie. Eine duale Hegemonie benötigt daher in gleicher Weise wie eine Partnerschaft Gremien, in denen vereinbart werden kann, auf welche Weise intern und extern verursachte Veränderungen der Selbsterhaltungsfähigkeit zum Vorteil beider Seiten ausgeglichen werden können.

4.2.2 Die Entfaltung des militärisch-geopolitischen Kräfteverhältnisses unter dem Regime einer dualen Hegemonie

Im Epilog seines Buches berichtet Kissinger über die Einschätzung des Aufbaus einer deutschen Schiffsflotte vor dem 1.Weltkrieg durch einen führenden Mitarbeiter des britischen Außenministeriums, der darin eine nicht hinnehmbare Herausforderung des britischen Imperiums sah und für geeignete Gegenmaßnahmen plädierte. Die britische Einsicht, dass eine expandierende Handelsnation auch über eine Flotte und Flottenstützpunkte verfügen muss, die ihre Handelsschiffe auf den Weltmeeren vor Angriffen schützt, gestand er dem Deutschen Reich selbst dann nicht zu, wenn die deutsche Regierung in der Durchführung ihres Vorhabens mit Feingefühl vorging und die britischen Vorbehalte klug und rücksichtsvoll behandelte. Er entzog der Diplomatie jeglichen Spielraum zur Aushandlung von tragfähigen Kompromissen, die verhindert hätten, dass unlösbar werdende Spannungen in einem Krieg endeten.

Angewandt auf die amerikanisch-chinesische duale Hegemonie folgt aus der kategorischen Verweigerung der USA, der anderen Seite Gleichbehandlung zuteil werden zu lassen, dass us-amerikanische Militärkreise die Indienststellung des ersten chinesischen Flugzeugträgers als eine Herausforderung der US-Dominanz im Pazifik und im südchinesischen Meer betrachten und den Aufbau einer chinesischen Militärflotte als Infragestellung der Vorrangstellung der USA in der Welt ansehen. Welche Herausforderung es für China bedeutet, dass die US-Flotte in sämtlichen Gewässern außerhalb der Zwölfmeilenzone Chinas ständig Patrouillenfahrten unternimmt und Seemanöver abhält, ignorieren sie und reklamieren für alle Nachbarländer Chinas im Pazifik und süd-chinesischen Meer eine Schutzmachtfunktion. Während das amerikanische Militär „weiterhin in der Lage sein soll, die amerikanische Macht simultan in sämtlichen Weltregionen zu projizieren und nicht etwa nur in den asiatisch-pazifische Region“, gestatten sie China nur die Vorherrschaft in unmittelbarer Nähe seines Territoriums (Chas W. Freeman, ehemaliger stellvertretender Verteidigungsminister der USA, „Der China-Bluff“, Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 4, 2012, S.48). Wenn Manöver der Marine außerdem dazu dienen, die chinesische Abwehr zu testen und Vorkehrungen zu ihrer Überwindung zu simulieren, sei doch absehbar, argumentiert Freeman, wie China darauf regieren werde (ebd.S.49).

Freeman fragt die gegenwärtig amtierenden Militärkreise in den USA: „Was für ein Verhältnis zu diesem aufstrebenden Giganten – China – wünschen wir uns?“ (ebd.). Nachdem sich die USA die „Mission zueigen gemacht“ hätten, „die bestehende Weltordnung gegen alle Neuankömmlinge zu verteidigen“, beklagt Freeman, „sehen wir uns tatsächlich in der Pflicht, den gesamten Globus diesseits der russischen und der chinesischen Landesgrenzen als amerikanische Einflusssphäre zu behandeln, in der wir das Sagen haben und alle anderen sich unseren Ansichten darüber, was zulässig ist und was nicht, widerspruchslos beugen.“(ebd. S.49). Bezogen auf das amerikanisch-russische Verhältnis folgt daraus die Stationierung von Raketen auf dem amerikanischen Stützpunkt Ramstein in Deutschland, über deren Hoheit die USA seit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am Ende des 2. Weltkrieges vor bald siebzig Jahren weiterhin allein verfügen – offiziell sollen die Raketen vor Angriffen aus dem Iran schützen, aber die russische Führung meint, sie seien gegen Russland gerichtet. Zu fragen bleibt, ob die Abfangraketen überhaupt Attrappen und scharfe Sprengköpfe mit genügender Sicherheit unterscheiden können und die Reichweite der Radarsysteme ausreicht, um die Angriffsraketen bereits in der leicht zu ortenden Startphase zu erfassen (dapd, Tagesspiegel, 22.4.2012, Postol, Theodore, Bedingt abwehrbereit? Die Zeit, 19.4.2012, Hildebrandt, Reinhard, Raketenabwehr, Russland und der Nahe Osten – eine Konferenz in Berlin, Solon-Line, 17.7.2008). Ob die deutsche Regierung Einwände gegen die Stationierung der Raketen erhoben hat und ob sie Vorkehrungen getroffen hat, damit die russisch-deutschen Beziehungen nicht beeinträchtigt werden, bleibt eine weitere offene Frage.

Mit Bezug auf die amerikanisch-chinesischen Beziehungen schreibt Freeman: „Auch unabhängig von dem gegenseitigen Hin und Her im Umgang mit Taiwan und seinem Verhältnis zum übrigen China steuern wir und die Chinesen derzeit offenbar auf eine eskalierende militärische Konfrontation zu“(Freeman,S.49). Forciert man amerikanischerseits die Entwaffnungsstrategie gegenüber China, indem man die eigenen Angriffsraketen und Satelliten mit immer mehr Zerstörungskraft ausstattet und gleichzeitig die Verwundbarkeit der USA durch Antiraketen und Störsatelliten reduziert, bedroht man Chinas hegemonialen Status und zwingt die chinesische Führung zu Gegenmaßnahmen. Die chinesische Führung hat bereits vor einiger Zeit demonstriert, dass sie Satelliten zerstören kann. Sie lässt sich nicht in einen Rüstungswettlauf mit den USA ein, aber stabilisiert ihre Zweitschlagkapazität. Was Freeman beschreibt ist die Weigerung des us-amerikanischen Militärs, die Eindämmungsstrategie gegen Russland endlich aufzugeben und eine duale Hegemonie mit China zu begründen. Dass die Administration unter dem Präsidenten Barak Obama nicht in der Lage ist, gegen das gemeinsame Interesse von Militär und republikanisch dominiertem Kongress vorzugehen, demonstriert die 2012 versehentlich aufgezeichnete Bemerkung des Präsidenten Obama gegenüber dem russischen Präsidenten Medwedew, bis nach den Wahlen in den USA noch Geduld zu bewahren. Erst danach könne mit einer Neuausrichtung der amerikanischen Politik gerechnet werden. In den USA sind Militärs und Rüstungsfirmen ganz offensichtlich in der Lage, so lange die Mehrheit des Kongresses für ihr gemeinsames Interesse an der Aufrechterhaltung der bisherigen Personalstärke der US-Armee und hoher Gewinnmargen für die Produktion von Militärtechnologie und militärischem Gerät einzuspannen, wie die Wiederwahl von Senatoren und Abgeordneten des Repräsentantenhauses als Druckmittel eingesetzt werden kann.

Im Gegensatz zu der eben aufgezeigten Realität würden die USA unter dem Regiment einer dualen Hegemonie ihre Produktion von Rüstungsgütern bereits in der Planungsphase auf Vereinbarkeit mit chinesischen Planungen überprüfen, insgesamt im Umfang zurückfahren und zusammen mit China Gremien ins Leben rufen, in denen notwendige Kompromisse zur Erhaltung der dualen Hegemonie ausgehandelt werden können. Geopolitisch würden sie sich von den Grenzen Chinas zurückziehen und die Nachbarländer Chinas nicht mehr in ihrem Widerstand gegen chinesische Erwartungen massiv unterstützen, zu einvernehmlichen Beziehungen mit ihnen bereit zu sein. Die Nachbarländer müssten dann aus eigener Kraft ihre Beziehungen zu China entwickeln. Freiwillige Verhaltensänderungen in Richtung auf die Funktionsweise einer dualen Hegemonie benötigen sehr viel Zeit. Es geht schneller, wenn sie durch unabänderliche Fakten erzwungen werden. Ein solcher Zwang könnte alsbald vom ökonomischen Kräfteverhältnis zwischen den USA und China ausgehen.

4.2.3 Das ökonomische Kräfteverhältnis unter der Direktive einer dualen Hegemonie

In der gleichen Weise wie die Sowjetunion hatten auch die USA in der Zeit beiderseitiger Überrüstung ihre Ökonomie und ihre Infrastruktur vernachlässigt. Die Auslagerung von Produktion in Billiglohnländer und die Importe der dort produzierten Waren in die USA sorgten zwar bei den us-amerikanischen Unternehmen für sehr positive Geschäftsbilanzen und bescherten den Konsumenten der USA preislich günstige Konsumgüter, aber der Verlust an produktionsnaher Technologie und der Rückgang in der Qualifikation von Arbeitskräften hatte für die Konkurrenzfähigkeit großer Teile der US-Industrie längerfristig sehr negative Folgen. Freeman kommentiert diese Entwicklung mit Bezug auf China in den folgenden Sätzen: „Die Volksrepublik ist unser am schnellsten wachsender Exportmarkt geworden. Zugleich ist sie heute unser größter Lieferant von Industrieprodukten, darunter viele der High-Tech-Geräte, auf deren Entwicklung wir stolz sind, die wir aber nicht mehr selbst herstellen.“ (ebd.S.49). Den Hunger Chinas nach Vorprodukten – wie beispielsweise Sojabohnen, Kupfer und andere Rohmaterialien sowie Halbfertigwaren – zu stillen, steigert zweifellos das amerikanische Exportvolumen, aber hilft der amerikanischen Industrie nicht in der gleichen Weise wie der Export von Autos, Flugzeugen und Werkzeugmaschinen in der Wiedererlangung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und sorgt nicht für eine Zunahme qualitativ hochwertiger Arbeitsplätze in den USA. Zugleich steigen die Kosten für die Reparatur der vernachlässigen Infrastruktur, je länger sie hinausgeschoben werden. Mittlerweile sind die USA, wie Präsident Obama beklagte, das einzige Industrieland mit einer veralteten Eisenbahn- und Schienentechnik. Hochgeschwindigkeitszüge sind in den USA anders als in anderen hochindustrialisierten Ländern noch eine Seltenheit, während beispielsweise in China das Schienennetz für Züge mit einer Geschwindigkeit von über 250 Stundenkilometer mit Hochdruck ausgebaut wird. In absehbarer Zeit wird China auch zu einem ernsthaften Konkurrenten der USA in der Konstruktion von zivilen Flugzeugen werden.

Freeman verzweifelt angesichts des Widerspruchs, den die USA in ihrem Verhältnis zu China aufrechterhalten und nicht bereit sind auflösen. „Unser künftiges Wohlergehen“, notiert er, „hängt also mittlerweile von der ökonomischen Interdependenz mit einem Land ab, auf dessen militärische Bekämpfung wir uns zugleich vorbereiten.“(ebd.S.49). Dies gilt ganz besonders für den Kapitalverkehr. Im Finanzsektor hängen die USA als höchstverschuldetes Land der Welt am chinesischen Tropf. Kauft China mit seinen US-Dollar-Einnahmen statt US-Staatsschuldverschreibungen andere Währungen auf, bestünde die Notwendigkeit, entweder die Zinsen für US-Staatsschulden zu erhöhen, um weiterhin attraktiv für ausländisches Kapital zu sein, oder das Federal System (die Zentralbank der USA) müsste noch mehr auf dem Geldmarkt unveräußerbare Staatsschuldverschreibungen als bisher aufnehmen und dafür US-Dollar ausreichen. Die weltweit zirkulierende Menge an US-Dollar würde sich um den Betrag erhöhen, den die chinesische Regierung nicht in US-Schuldverschreibungen investiert und um die von der Notenbank der USA zusätzlich geschaffene Dollarmenge. Die im Umlauf befindliche Gesamtsumme an US-Dollar hat jetzt bereits eine astronomische Höhe erreicht. Gibt China außerdem einen größeren Teil seiner bisher bereits aufgekauften US-Schuldverschreibungen an die US-Notenbank zurück und verlangt den Gegenwert in US-Dollar, wird der internationale Geldmarkt noch weiter mit US-Dollar überflutet und der Wert der amerikanischen Währung beginnt spätestens dann zu sinken, wenn der in US-Dollar existierenden enorm ausgeweiteten zahlungsfähigen Nachfrage auf dem us-amerikanischen Markt sowie global kein ausreichendes Angebot an Gütern und Kaufordern für amerikanische Finanztitel mehr gegenübersteht. Notwendige Energie- und Warenimporte der USA würden sich verteuern, sofern sie nicht in US-Dollar fakturiert werden.

Bisher verlassen sich die USA darauf, dass eine einseitige Abwertung des US-Dollars nicht im Interesse Chinas liegt, weil er den Wert der in US-Dollar gehaltenen Devisenreserven vermindert und chinesische Waren auf dem amerikanischen Markt verteuert. Die chinesische Währung wird von China an den US-Dollar gekoppelt und im gleichen Maße wie der Dollar abgewertet. Sollte es jedoch der chinesischen Führung gelingen, die Exportabhängigkeit der chinesischen Wirtschaft zu verringern, indem sie die Binnenkaufkraft erhöht und sollte es ihr außerdem gelingen, den Handel mit der Eurozone zu erhöhen und den steigenden Warenaustausch Chinas mit den BRICS-Staaten von der Transferwährung US-Dollar abzukoppeln, könnte sie erstmals ihr gewaltiges Devisenpolster als Waffe gegen die USA einsetzen. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Anteil am Welthandel ungefähr 25 Prozent) bereiten bereits jetzt die Ablösung des US-Dollars als Zwischenglied in ihrem Handel untereinander vor, indem sie die Fakturierung ihres wechselseitigen Warenaustausches in ihren eigenen Währungen anstreben. Das Resultat dieser gesamten Entwicklungen hat für die USA zur Folge, dass sie in gezwungen werden, sich auf eine duale Hegemonie mit China einzustellen. Gelingt den Euroländern außerdem die schrittweise Entschuldung einiger ihrer Mitgliedsländer und die Rückführung ihrer Goldbestände aus den USA, geraten die USA noch weiter unter Druck.

In einer dualen Hegemonie müssen beide Seiten die Anwendung derjenigen ökonomischen Waffen unterlassen, die den hegemonialen Status des einen oder anderen gefährden könnten. Die USA müssten sich fragen, ob

  • ihre angedrohten Handelssperren und Strafzölle für chinesische Produkte,
  • die Überflutung des globalen Geldmarktes mit US-Dollar,
  • ihr Widerstand gegen die Ablösung des US-Dollars als alleinige Weltleitwährung,
  • die Beschränkung des Zugangs für chinesisches Kapital zum amerikanischen Kapitalmarkt,
  • China betreffende Verkaufssperren für die Übernahme sogenannter sicherheitsrelevanter amerikanischer Unternehmen sowie
  • das für sie selbst und alle übrigen Mitglieder der Nato verpflichtende Embargo für Militärprodukte an China

den Bestand der dualen Hegemonie in Frage stellt.

China müsste sich fragen, ob

  • die Verwendung der Devisenbestände in US-Dollar als Kampfinstrument und die Androhung der massiven Rückgabe an US-Staatsschuldverschreibungen sowie
  • die niedrige Bewertung der eigenen Währung den Bestand der dualen Hegemonie untergräbt.

Setzten beide Seiten ihre Instrumente ein, unter denen die duale Hegemonie zerbricht und einem Nullsummenspiel Platz macht, würden sie sich fragen müssen, ob sie in der Lage sind, nach der erzwungenen Niederlage des Anderen eine globale Hegemonie zu errichten oder ob ihre Suche nach einem neuen niederzuringenden Hegemonialgegner erfolgreich wäre. Für die USA stellt sich zusätzlich die Frage, ob sie nicht mit der Aufrechterhaltung ihrer Entwaffnungsstrategie gegenüber China den Einsatz der ökonomischen Waffe Chinas gegen die USA provozieren. Auch die Kombination von militärischem und ökonomischen Kräfteverhältnis hat, wie bereits im Ost-West-Konflikt praktiziert, verheerende Folgen für den Bestand einer dualen Hegemonie.

5. Grundlagen einer Theorie der „Co-evolution“

Kissingers Vorschlag einer “co-evolution“ für das Verhältnis zwischen den USA und China übersteigt die Erfüllungsbedingungen einer dualen Hegemonie. Letztere basiert auf der Entfaltung von Kräfteverhältnissen mit der Ausnahme, bei der jedoch keine Seite ein oder mehrere Kräfteverhältnisse mit der Absicht auf die Spitze treibt, dem anderen Machtpol die hegemoniale Position zu entziehen. Kissingers „co-evolution“ übersteigt auch die Erfordernisse, die eine strategische Partnerschaft begründen. Während strategische Partnerschaften auf Zeit geschlossen werden und dann ihr Ende finden, wenn die Ausgangsvereinbarungen ihrer Gründung entfallen, verzichtet eine „co-evolution“ nicht nur auf die Kündigung des Beziehungsverhältnisses, sondern treibt mit der eigenen Entwicklung auch diejenige des Anderen voran. Kissinger hat in seinem Buch „On China“ in der ausführlichen Darstellung der persönlichen Beziehungen zwischen den Politikern Chinas und der USA oftmals die Grundlagen einer „co-evolution“ gestreift, wenn er z.B. die sprachlich bedingten Verständigungsschwierigkeiten erwähnt und mit seinen Gesprächspartnern die unterschiedlichen Denk- und Verhaltensformen diskutiert. Die Theorie der „co-evolution“ greift tief in die Philosophie ein und setzt sich als erstes mit der Unfähigkeit jeder konkreten Sprache und Kultur auseinander, mehr als einen Ausschnitt aus der Vielheit von Bedeutungen erfassen zu können.

5.1 Ausgangsbedingungen: Der begrenzte Horizont konkreter Sprachen und Kulturen

5.1.1 Der Mythos vom Turmbau zu Babel

Der Menschheit fehlt das Wissen und die Erfahrung über ihren Anfang, über die evolutionsgeschichtlichen Prozesse am Übergang vom „Animalischen“ zum „zoon politicum“. Zu welchem Zeitpunkt die Reflexion und das Bewusstsein über ihre Sprachfähigkeit einsetzte und die mündliche Überlieferung begann, was darin als bedeutend angesehen wurde oder auch nicht und welchen Stellenwert die sprachliche Reflexion in ihrer historischen Erfahrung als Menschheit eingenommen hat, bleibt ihr ebenso verschlossen. Dieser dunkle Teil ist allenfalls in den zahlreichen Mythen über den Ursprung der Menschheit zu erahnen. Noch lange Zeit nach ihrer Entstehung wurden sie nur mündlich überliefert, ehe sie schließlich eine schriftliche Niederlegung erfuhren. Dazu zählen die zahlreichen Mythen über den Anfang des Weltalls, über die Art der Schöpfung und die Gestalt des Schöpfers, dessen Allmacht oder Ohnmacht über Mensch und Natur.

Die Erzählung über die Verwirrung der Turmbaumeister und die Verwirrung der Sprachen in der Hauptstadt Babylons werden von Jacques Derrida in seiner Abhandlung über „Babylonische Türme – Wege, Umwege, Abwege“ als „Mythos vom Ursprung des Mythos, als Metapher der Metapher, Erzählung der Erzählung, Übersetzung der Übersetzung“ bezeichnet (Derrida, Jacques, „Babylonische Türme – Wege, Umwege, Abwege“ S.119). Dieser Mythos, hebt Jacques Derrida hervor, bringt das „Unangemessene“ und „Un-ausgeglichene“ im „Selbstverhältnis“ der einzelnen Sprachen und der Sprachen untereinander zum Ausdruck. Z.B. erfassen die verschiedenen Sprachen die einzelne sinnliche Wahrnehmung oftmals nur im Gewande eines allgemeinen sprachlichen Ausdrucks und jede Sprache eröffnet einen spezifischen Zugang zur Vielheit des sinnlich, abstrakt und poetisch zu Be-zeichnenden, ohne auch nur annähernd den Anspruch auf Vollständigkeit in der Präsentation der Vielfalt der Bedeutungen erheben zu können. Der Turmbau zu Babel, notiert Derrida, veranschaulicht nicht nur die nicht reduzierbare Vielfalt der Sprachen, sondern er steht auch für das Unvollendbare, für etwas, „das nicht zu Ende zu bringen“ ist „im Bereich der Konstruktionen, die Architekten besorgen“ und im Bereich des „Systems und der Strukturen“ (ebd.S.119). Konstruktionen bestimmen und umgrenzen den Raum, der konstruiert werden soll und können niemals ausschließen, dass der zuvor ausgegrenzte Raum keine Bedeutung mehr für das Konstrukt hat. Konstruktionen sind unabwendbar der Vielheit des Nicht- und Anders-Konstruierten ausgeliefert. Wenn nach Derrida die Dekonstruktion des Systems seine Übersetzung ist, dann wird darauf angespielt, dass das gelesen, übersetzt und thematisiert wird, was das System verschweigt, verdrängt, ausschließt und nicht übersetzen will, soll, kann oder darf. Hierbei handelt es sich weniger um eine „reine“ Diskursanalyse als um die weitgehende und komplexe Frage nach der Bedingung eines Systems überhaupt, nach seiner Legitimation und Abgrenzung im Kontext weiterer Systeme.

Derrida erinnert an die Entfaltung semitischer Abstammungen, Generationen und Genealogien: „Vor dem Abbruch, Abbau oder der Dekonstruktion Babels war die semitische Großfamilie damit beschäftigt, sowohl ihr Reich zu errichten, das die ganze Welt umfassen, universal sein sollte, als auch ihre Sprache festzusetzen, eine Sprache, die sie ebenfalls dem Weltganzen aufzwingen wollte.“(ebd.S.121/122). Indem die Semiten versuchten, „sich einen Namen zu machen“(ebd.S.129), indem sie eine einzige, allumfassende Sprache stifteten und zugleich ein einzige, einzigartige Genealogie“ schaffen wollten, ging es den Semiten darum, die Welt zur Vernunft zu bringen: negativ betrachtet „koloniale Gewalt“ über andere Völker auszuüben, positiv gesehen, durch Verallgemeinerung ihres Idioms die menschliche Gemeinschaft in das Licht der „friedlichen Transparenz“ zu tauchen (ebd.).

Der Hybris folgte die Verwirrung auf dem Fuße. Denn indem die semitische Großfamilie die ganze Welt beherrschen und ihr die eigene Sprache als universale Sprache aufzwingen wollte, unternahm sie zugleich den Versuch, das Ende der Geschichte zu verkünden und sich selbst als unendlich zu setzen bzw. gottgleich zu werden. In der Geschichte der Menschheit hat es immer wieder Versuche gegeben, Imperien zu bilden und die Sprache des herrschenden Volkes allen anderen Völkern entweder gewaltsam aufzuzwingen oder mit sanften Druck aufzunötigen. Das hieß zugleich, den von der herrschenden Sprache erfassten Ausschnitt der Sprachvielfalt und der an diese Teilansicht des Ganzen gebundenen Vorstellung von Vernunft für sakrosankt zu erklären.

Die Dekonstruktion des Turms war zugleich die Dekonstruktion der universellen Sprache, die Zerstreuung der genealogischen Abstammung, die Unterbrechung der (gradlinigen) Abfolge der Geschlechter. Es folgte die Notwendigkeit, die Unumgänglichkeit zur Übersetzung.

Die allumfassende, universale Vernunft unterstand nicht länger dem Herrschaftsbereich einer einzelnen Nation. Zugleich beschränkte er die Vernunft in ihrer „Universalität“. Ihr stand fortan keine Sprache mehr zur Verfügung, in der sie sich vollkommen transparent und eindeutig artikulieren konnte (ebd.). Übersetzer, Dolmetscher, Diplomaten und Politiker verspüren diesen Misstand in ihrem praktischen Handeln und geben nicht auf, die daraus entstehenden Schwierigkeiten so klein wie möglich zu halten.

5.1.2 Sprachliche und kulturelle Verständigungsprobleme zwischen den USA und China

Kissinger schildert die zahlreichen Verständigungsprobleme zwischen Chinesen und US-Amerikanern. Innerhalb der vielen Stellen, der er in seinem Buch zitiert, ragt ein Verweis ganz besonders hervor. Als Oberst Alexander Haig als Leiter der Vorausdelegation des Nixonbesuchs mit Zhou Enlai im Januar 1972 zusammentraf, benutzte er, wie Kissinger schreibt, „standard NATO phraseology“, als er betonte, die „Nixon administration would resist Soviet efforts to encircle China“ (Kissinger,S.289). Mao erfuhr davon und seine harsche Reaktion war an Deutlichkeit nicht zu übertreffen: „Encircling China? I need them to rescue me, how could that be? … They are concerned about me? That is like ‘the cat weeping over the dead mouse’!” (ebd.). Kissingers Bemühen, diesen Ausspruch Haigs als “NATO phraseology” abzutun, verharmlost den Vorgang und verkennt den in dieser kurzen Bemerkung zum Vorschein kommenden Zusammenhang von Sprache, Vernunft und Strategie.

Aus der Sicht der USA stellte sich die Situation in folgender Weise dar: Im Januar 1972 rechneten sich alle am Vietnamkrieg beteiligten Mächte noch einen für sie akzeptablen Ausgang des Konflikts aus, obwohl den USA bereits ihre geschwächte militärische Position deutlich vor Augen stand. Zu jenem Zeitpunkt war ihnen der Preis, den sie für ihr verfehltes Engagement zahlen mussten, aber noch nicht bekannt. Der Preis würde umso niedriger sein, je mehr China aus Furcht vor einer Einkreisung durch die Sowjetunion bereit wäre, sowjetische Energie- und Waffenlieferungen an Nordvietnam auf dem Landweg durch China oder auf dem Luftweg über China hinweg zu reduzieren. Auf den Seezugang hatte China keinen Zugriff. In der Diktion der NATO-Strategie war es deshalb sinnvoll, das sowjetische Engagement in Nordvietnam als „Einkreisung“ Chinas zu bezeichnen. Gewählte Sprache (Einkreisung), darin aufkeimende Vernunft (wir unterstützen uns gegenseitig in der Bekämpfung des nordvietnamesischen Aggressors, der unsinnigerweise von der Sowjetunion bewaffnet wird) und die zu befolgende Strategie (Abriegelung aller Nachschubwege Nordvietnams) präsentierten sich als geschlossene Einheit und wurden deshalb im Brüsseler Hauptquartier der NATO von niemandem in Frage gestellt.

Aus der Perspektive Maos jedoch half die Sowjetunion der chinesischen Führung in der Unterstützung des Befreiungskampfes der FNL gegen das von den USA gestützte südvietnamesischen Regime. Sie wies zusammen mit China den Versuchs der USA zurück, den Einkreisungsring um China immer enger zu ziehen. Die von Mao gewählte Sprache (I need them to rescue me), die darin zum Ausdruck kommende Vernunft (sowjetische Waffenlieferungen helfen auch der Durchsetzung unseres Interesses) und von ihm favorisierte Strategie (1. Freiwilligenverbände Chinas unterstützen Nordvietnam in der Beseitigung der von US-Bombern angerichteten Bombenschäden, 2. Kontrolle der sowjetischen Waffenlieferungen und 3. maximale Einflussgewinnung auf die FNL) ergänzten sich gegenseitig.

China setzte entgegen der auf modernste Waffentechnologie und überwältigende Zerstörungskraft vertrauenden Vorgehensweise der USA auf die nationale Selbstbefreiung der vietnamesischen Bevölkerung, ihr unerschütterliches Selbstvertrauen und zähen Widerstand gegen das geballte Vernichtungspotential der USA. Erst als die chinesische Führung begann, zwischen der weiterhin von ihr unterstützen Befreiungsfront Südvietnams und der Zurückweisung des Wiedervereinigungsstrebens Nordvietnams zu differenzieren, verlor sie die Sympathie der Mehrheit der Vietnamesen und sah sich 1975 – zusammen mit den USA – mit der Niederlage konfrontiert. China vernachlässigte in dieser zweiten Phase des Krieges das kulturelle Fundament, auf dem die Politik und Strategie eines Landes fußen und setzte statt dessen auf die bittere Einsicht einer zermürbten Bevölkerung, der waffenstarrenden Übermacht der USA keinen entscheidenden Widerstand mehr entgegen setzen zu können. Die chinesische Führung verleugnete damit ihre eigene, über Jahrtausende gewachsene Weisheit im Umgang mit der eigenen Bevölkerung und den Völkern im Dunstkreis chinesischer Nachbarschaft. Zusätzlich sah sie sich von den USA enttäuscht, die nach dem Waffenstillstand im Jahre 1973 keinesfalls daran dachten, sich aus Südvietnam zurückzuziehen. Die Machtelite der USA war weiterhin von ihrer kulturellen Überlegenheit gegenüber allen anderen Kulturen der Menschheit überzeugt (God’s own country) und war immer von der sich selbst zugewiesenen Mission erfüllt, für das Gute in der Welt zu stehen. Sie verhielt sich wie die Semiten im Mythos von Babylon und widersprach mit ihrem hegemonialen Denken und Handeln jeglicher Einsicht über die Gleichrangigkeit von Sprachen und Kulturen im Verhältnis zur Vielheit des Bedeuteten.

Diese Denk- und Verhaltensweise beherrscht, wie Kissinger konstatiert, selbst nach dem gescheiterten Versuch der Errichtung einer globalen Hegemonie immer noch eine nicht unerhebliche Anzahl us-amerikanischer „Denkfabriken“ und vor allem mehrheitlich Vertreter der Republikanischen Partei. Was Kissinger diesem Teil der Machtelite verordnen möchte, geht weit über deren Horizont hinaus. Es wird noch eine Weile dauern, bis sich die USA von der auch für sie unerreichbaren Idee einer globalen Hegemonie verabschiedet haben und bereit sein werden, mit China eine duale Hegemonie einzugehen. Noch sehr viel mehr Zeit wird vergehen, bis sie Kissingers – in einem langem Politiker- und Diplomatenleben gereifte -Bescheidenheit akzeptieren, die Verwirklichungschancen einer Ko-Evolution mit China zu prüfen und der stets verlockenden, aber dennoch auf die Dauer illusionären einseitigen Machtpolitik zu entsagen.

5.2 Grundlagen einer Theorie

In einer Ko-Evolution ist jede Gesellschaft die Andere ihrer selbst. Die wechselseitige Anerkennung umfasst die Berücksichtigung der andersartigen geographischen und klimatischen Bedingungen, die unterschiedliche geschichtliche Herkunft beider Gesellschaften, die eng damit verknüpfte Ungleichheit in der Gesellschaftsstruktur und in der Wertorientierung. Sie erkennt, bedenkt und berücksichtigt ungleiche Entwicklungsstände und Entwicklungstempi. Anders als noch in Hegels „Phänomenologie des Geistes“, in der das Bewusstsein für Anderes und das Fürsichsein nur Momente des fürsichseienden Subjekts bilden, das die Objektwelt dominiert, stehen sich in einer Ko-Evolution zwei wirklich gleichwertige Gesellschaften gegenüber, die füreinander nicht mehr den Anspruch erheben, die eigene Entwicklung zum vorherrschenden Maßstab der anderen zu erheben. Herrschaft und Beherrschung haben zwischen ihnen keinen Platz mehr.

Die Europäische Union unternimmt beispielhaft den Versuch der Zusammenführung bisher selbständiger Zirkulationssphären, deren Glieder weiterhin sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Der völkerrechtliche Status der EU entspricht weder einem Bundesstaat, in dem die Untergliederungen der Zentralgewalt untergeordnet sind, noch einem Staatenbund mit selbständigen Gliedstaaten. Obwohl sie nicht mit der von Kissinger für die USA und China erwünschten Ko-Evolution zu vergleichen ist, lässt sich an der EU erkennen, welche Probleme gelöst werden müssen, damit eine untereinander abgestimmte Entwicklung zum Vorteil aller gereicht. In ihr werden über Jahrhunderte hinweg unabhängig voneinander gewachsene gesellschaftliche und staatliche Strukturen der einzelnen Nationalstaaten daraufhin analysiert, ob sie in ihrer Fortentwicklung den übrigen Gliedstaaten der EU Schaden zufügen und wenn ja, entweder an die gemeinsame Entwicklung angepasst oder aussortiert werden müssen. Das Zusammenwachsen der EU verlangt nur in wenigen Bereichen eine weitreichende Vereinheitlichung und erlaubt und fördert überall dort separate Ausprägungen, wo sie für den Gesamtzusammenhang nützlich sind und dem Ziel dienen, die Vielheit in der Einheit zu bewahren, zum Nutzen aller zu mehren.

Im Gegensatz zur EU benötigt die Ko-Evolution zwischen den USA und China keine Institutionen zur Vereinheitlichung der Strukturen, muss aber dennoch Vorkehrungen für die Koordinierung von Entwicklungsvorhaben treffen, damit frühzeitig erkannt werden kann, welche dem jeweils anderen Schaden zufügen könnten und welche der Ko-Evolution förderlich sind. Entsteht eine sinnvolle Ko-Evolution zwischen den USA und China, wäre sie der Grundpfeiler für ein Zusammenspiel aller Weltmächte jenseits hegemonialer Ambitionen.

Erst der Versuch erbringt den Beweis, ob Kissingers Idee einer Ko-Evolution als idealistisch zu bezeichnen ist.

6. Literaturauswahl

  • Derrida, Jacques, „Babylonische Türme – Wege, Umwege, Abwege“ Übersetzung und Dekonstruktion. Hirsch, Alfred (Hg.) Suhrkamp 1997, S.119-165,Originalausgabe: Derrida, Jacques: Des tours de Babel, In: Derrida, Jacques: Psyché : Inventions de l’autre. Paris : Galilée, 1987, S.203-235.dapd, Tagesspiegel, 22.4.2012.
  • Freeman, Chas W., „Der China-Bluff“, Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 4, 2012, S.48.
  • Hildebrandt, Reinhard, Kampf um Weltmacht – Berlin als Brennpunkt des Ost-West-Konflikts, Opladen 1987.
  • Hildebrandt, Reinhard, US Hegemony – Global Ambitions and Decline, Frankfurt/Main 2009.
  • Hildebrandt, Reinhard, Raketenabwehr, Russland und der Nahe Osten – eine Konferenz in Berlin, Solon-Line, 17.7.2008.
  • Horovitz, David, Kalter Krieg – Hintergründe der US-Außenpolitik von Jalta bis Vietnam, Berlin 1969, S.107.
  • Huntington, Samuel P., The Common Defense – Strategic Programs in National Politics, New York, London 1961.
  • Janssen, K.H. in: „Die Zeit“ vom 14.7. 1978.
  • Joint Statement Following Discussions with Leaders of the People’s Republic of China: Shanghai, February 27, 1972.
  • Kapumba Akenda, Jean C., Kulturelle Identität und interkulturelle Kommunikation – Zur Problematik des ethischen Universalismus im Zeitalter der Globalisierung, Frankfurt am Main, London 2004.
  • Kissinger, Henry, Was wird aus der westlichen Allianz? Wien/Düsseldorf, 1965.
  • Kissinger, Henry, On China, London, 2011. Memorandum of Conversation: Beijing, July 10, 1971.
  • Postol, Theodore, Bedingt abwehrbereit? In: Die Zeit, 19.4.2012.
  • Schlesinger, Arthur M. jr., Das erschütterte Vertrauen, Bern/München, 1969.
  • European wireless file, USIS Berlin, 13.8.1965, zitiert bei Reinhard Hildebrandt, S.337.
  • Shen, Zhihua, Mao Zedong, Stalin and then Korean War, Guanzhou: Guangdong Renmin Chubanshe, 2003, Chapter 7.
  • Weathersby, Kathryn, „Should We Fear This?: Stalin and the Danger of War with America,“ Cold War International History Project Working Paper Series, working paper no. 39 Washington, D.C.: Woodrow Wilson International Center for Scholars, July 2002), S.9-11.

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