Immer wieder gilt es zu erinnern,
welchen Verlust das deutsche und europäische Geistesleben durch
Vertreibung und Vernichtung der Juden unter der NS-Diktatur erlitten
hat. Die Namen Hermann Cohen und Franz Rosenzweig sind unter
Philosophen natürlich bekannt, aber die Bedeutung dieser jüdischen
Denker im Kontext unserer Geistesgeschichte wird selten in der Tiefe
gewürdigt und verstanden. Frank Hahn hat in einem philosophischen
Kolloquium an der Humboldt-Universität Berlin über die Bedeutung
des Infinitesimalen bei Hermann Cohen und das Sprachdenken von Franz
Rosenzweig gesprochen. In der jüdischen Denkwelt hat das gesprochene
Wort eine gleich große Bedeutung wie das geschriebene Wort,
verhindert das Sprechen im Augenblick doch das Erstarren des Denkens
in Dogmen und abgeschlossenen Systemen. Das Sprachdenken Rosenzweigs
will zu dieser Methodik des Nicht-Systemdenkens vordringen und die
Dynamik des Lebens, das sich immer im Jetzt und immer wieder neu
vollzieht, besser erfassen. Die jeweilige Öffnung des Systems und
die Dynamisierung der Begriffe war auch Cohens Anliegen, jedoch
mithilfe der Mathematik und nicht der Sprache. Die Verwandtschaft
mancher Aspekte des jüdischen Denkens mit der ostasiatischen
Gedankenwelt unterstreicht die Aktualität der Themen – schließlich
wird das Bedürfnis nach einem Gespräch der Kulturen immer
drängender. Es folgt der überarbeitete Vortrag
In der
„Jungfrau von Orléans“ sind verschiedene Ebenen ineinander
verwoben. Obwohl sich Schiller in diesem Drama so weit wie in keinem
anderen von der Geschichte entfernt, existiert dennoch die
historische Jeanne d’Arc. Selbstverständlich gibt es den Bezug auf
die politische Situation und die Ereignisse zu Schillers Lebzeit und
die Bezüge zur Literatur und Philosophie. Das Drama gilt wohl
deswegen als schwierig, weil keine dieser Ebenen überbewertet oder
verkürzt werden darf, wenn man versucht, Schillers Wirken und
Absicht als Künstler zu verstehen. Dieses wird in dem folgenden
Aufsatz versucht.
In seiner Schrift „Von der Weisheit“ entwirft Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) in der ihm eigenen frohen Art eine „Wissenschaft der Glückseligkeit“. Freude und Vollkommenheit werden in ihren Eigenschaften untersucht. Die Neigungen des Menschen zum Angenehmen, aber auch seine Abwehr von Schmerz und Hässlichem werden erforscht. Mittendrin beschreibt Leibniz, wie oft in seinem riesigen Oeuvre, als erklärendes Beispiel seiner Methode Eigenschaften der Musik, ihr Ordnungsgefüge und ihre Wirkung auf den Menschen. Aus heutiger Sicht erscheinen Leibniz’ Untersuchungsmethoden zur Wirkung von Musik und Kunst allgemein sehr aktuell.
Die
Addition der (privaten) Eigenwohle ergibt nicht das Gemeinwohl. Die
Gewährleistung des Gemeinwohls ist aber die Voraussetzung der
Selbsterhaltung der Gesellschaft und der Staat ist der historisch
gewachsene Akteur ihrer Sicherstellung. Nur der Staat kann die
Grenzen ziehen, innerhalb derer das Gemeinwohl und damit die
Selbsterhaltung der Gesellschaft gesichert bleibt. Je schwächer er
wird, desto weniger ist er dazu in der Lage.
Die Frage nach dem Bewusstsein stellt uns - gerade angesichts
eines manchmal überzogenen Anspruchs der Neurowissenschaften - vor nicht
geringere philosophische Schwierigkeiten als die nach dem Leben. Volker Gerhardt, der an der
Berliner Humboldt-Universität Philosophie lehrt (Web-Präsenz), scheut die
Erörterung dieser Fragen schon deswegen nicht, weil er der Versuchung endgültiger Antworten widersteht und also Fragen offen lässt. In vorliegendem
Text überrascht Gerhardt zunächst mit der These vom Bewusstsein als einem „Organ".
Die noch überraschendere Beobachtung jedoch hebelt die scheinbar gängige - in
Wahrheit von Internalismus und Idealismus verbreitete - Vorstellung vom
Bewusstsein als Ausdruck einer „autistischen Binnensphäre des Selbstbewusstseins"
aus, denn für Gerhardt ist das Bewusstsein unser „Organ der Welterschließung".
Dass diese nur in der „Öffnung für anderes und Andere" gelingen kann und so das
Ich allein durch seinen Bezug zu einem Du Sinn bekommt, leuchtet unmittelbar
ein, ist jedoch im philosophischen Diskurs nicht immer eine
Selbstverständlichkeit. Gerhardt spannt denn auch den Horizont der Fragestellung viel weiter auf, indem er nach dem wechselweisen Bezug von Subjektivität und Objektivität, Individualität und Universalität,
privatem und öffentlichem Leben in ihrer jeweiligen Verbindung und Abgrenzung sucht. Der vorliegende Beitrag wurde von Volker Gerhardt am 16. April 2009
auch als Vortrag im Rahmen der Vorlesungsreihe „Funktionen des
Bewusstseins“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der
Wissenschaften gehalten.