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26. März 2009

Das Projekt „Haus der Europäischen Geschichte“

Bonn Haus der Geschichte

Kann die Gründung eines Hauses der Europäischen Geschichte zu einem besseren Verständnis nicht nur der Geschichte, sondern der Gegenwart und Zukunft Europas beitragen? Im Frühjahr 2007 schlug der neugewählte EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering den Aufbau „eines ‚Ortes der Erinnerung und der Zukunft’ vor, um vor allem den jungen Europäern die Geschichte des Kontinents bis in die Gegenwart nahezubringen.“ (museumsmagazin1/2009). Aus dem Vorschlag inzwischen ein konkretes Projekt zur Gründung eines „Hauses der Europäischen Geschichte“ geworden, an dessen Umsetzung namhafte Historiker und Museumsfachlaute aus West- und Osteuropa unter Leitung des Direktors der „Stiftung Haus der Geschichte“ (Bonn), Prof. Hans Walter Hütter arbeiten.


Von Elisabeth Hellenbroich

 

Im Midatlantic Club Bonn hielt am 17. März der Leiter des Bonner „Hauses der Geschichte“, Prof. Hütter, einen Vortrag über das Thema „Aspekte des Europäischen Hauses der Geschichte“, in dem er den konzeptionellen Werdegang dieses europäischen Projektes darlegte. Die Veranstaltung stand unter der Leitung des ehemaligen Staatssekretärs Dr. Friedhelm Ost und des Ministerialdirigenten a.D. Dr. Friedhelm Krüger-Sprengel.

Die Anregung zur Gründung eines „Hauses der europäischen Geschichte“ entstand im Rahmen einer Diskussion, welche Prof. Hütter Anfang 2007 mit dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Hans-Gert Pöttering führte. Im Frühjahr 2008 beauftragte das Präsidium des Europäischen Parlaments ein Expertengremium aus neun namhaften Historikern und Museumsfachleuten unter Leitung Prof. Hütters mit der Ausarbeitung eines inhaltlichen Konzepts. Diesem Sachverständigenrat gehören Wissenschaftler aus Polen, Ungarn, Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Finnland und den Niederlanden an. Sie sollten bis Ende 2008 ein Gutachten zu erstellen, in dem die inhaltlichen und die musealen Aspekte des Projektes dargelegt werden sollten. Im Herbst 2008 wurde das in 23 Sprachen übersetzte Gutachten dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes vorgelegt. Am 15. Dezember 2008, nach einer Anhörung des Kulturausschusses des Europaparlaments, wurde dann die Gründung des „Hauses der Europäischen Geschichte“ beschlossen. Im Frühjahr dieses Jahres sollen in Straßburg die Gremien -- Kuratorium und Wissenschaftlicher Beirat -- zusammentreten und ihre Arbeit aufnehmen. Kernziel des Hauses der Europäischen Geschichte ist es, „die Kenntnisse der Europäer aller Generationen über ihre eigene Geschichte zu vertiefen und so zu einem besseren Verständnis der Entwicklung in Gegenwart und Zukunft beizutragen.“ (museumsmagazin1/2009)

Hütter betonte während seines Vortrags in Bonn, dass es nicht darum gehe, alle National- und Regionalgeschichten Europas vorzustellen, sondern man wolle die großen Linien der europäischen Geschichte zeigen. Wenngleich es im Vorfeld der Diskussionen, wie Hütter einräumte, durchaus Streitpunkte und Einwände -- u.a. von polnischer Seite – gab, so sei man dennoch ein großes Stück weitergekommen. Das „Haus der Europäischen Geschichte“ lehnt sich in seiner konzeptionellen Ausrichtung an das Konzept des Bonner Hauses der Geschichte an, welches 1994 eröffnet wurde und eine Reise durch die deutsche Geschichte von 1945 bis zur Gegenwart ermöglicht. Sitz des europäischen Museums soll Brüssel sein. Gedacht ist dabei an eine Ausstellungsfläche von etwa 3000 Quadratmetern in der Nähe des Europäischen Parlaments.

In seiner konzeptionellen Ausrichtung will das Haus der Europäischen den Schwerpunkt auf die Zeit vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart legen -- eine Epoche dramatischer Veränderungen in Europa, welche einhergehend mit der Auflösung von Monarchien, dem Ende der Ära der Kolonisierung sowie tiefgreifenden politischen und sozialen Umbrüchen -- bis heute die unterschiedliche Erinnerungskultur oft äußerst leidvoller Erfahrungen der Nationen Europas prägt. Ziel des Projektes ist die Vertiefung des europäischen Geschichtsverständnisses und damit der europäischen Identität.

Entscheidend bei der Konzeption eines Hauses der europäischen Geschichte ist laut Hütter eine „Dauerausstellung“, deren zeitlicher Schwerpunkt auf der Zeit vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart liegt. Didaktisch mit entsprechendem Film- und Tonmaterial aufbereitet, soll die Ausstellung zugleich mit viel „biographischen Elementen und einem deutlichen Bezug zur Gegenwart“ versehen werden. Entlang den „großen Linien der europäischen Geschichtstradition“ sind im Rahmen der Ausstellung zugleich Rückbezüge auf die griechisch-römische Antike, auf das gemeinsame Erbe der jüdisch-christlichen Kultur, auf die Geschichte des Mittelalters und der neueren Epochen gemeinsamer europäischer Geschichte vorgesehen. Dabei soll die Daueraustellung durch ein umfangreiches Veranstaltungs- und Informationsangebot sowie durch Wechsel – und Wanderausstellungen ergänzt werden. Mit Hilfe der Wanderausstellungen werde es möglich, Menschen in allen Teilen Europas zu erreichen. Hütter sprach von den „europäischen Alltagsbürgern“, an die sich die Ausstellung wende. Jung und Alt werde mit der Ausstellung die Möglichkeit geboten, den Dialog zwischen den Generationen zu fördern und auch auf diesem Weg die europäische Identität zu vertiefen.

Im Jahre 2014 – im Jahr des Gedenkens 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs – soll das Museum eröffnet werden. In einer Zeit, da es sehr schwierig ist, jungen Menschen die Geschichte nahezubringen, bietet das Projekt eine hervorragende Möglichkeit und vielfältiges Material für Geschichtslehrer, den Geschichtsunterricht an den Schulen lebendig zu gestalten. Man kann daher Parlamentspräsident Pöttering nur zuzustimmen, wenn er sagt, das „Haus der Europäischen Geschichte“ werde „den Bürgerinnen und Bürgern der Europäischen Union, gerade aber auch jungen Menschen, einen lebendigen Zugang zu europäischen Geschichte geben und damit auch ein Bewusstsein europäischer Identität fördern helfen.“

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