Solons Sicherheits Bulletin, 22. Juli 2010
24. Juli 2010
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Der Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffes Cheonan

In den Medien wird der Eindruck erweckt, es stehe zweifelsfrei fest, dass Nordkorea am 26. März 2010 das südkoreanische Kriegsschiffe Cheonan versenkt habe. Diese Version des Vorfalls, die vor allem von den US-Regierung vertreten wird, ist aber keineswegs über begründete Zweifel erhaben.

Von Jürgen Hübschen

Die südkoreanische Korvette Cheonan war am 26. März 2010 auf einer nächtlichen Patrouillenfahrt an der umstrittenen Seegrenze zwischen Süd- und Nordkorea im Gelben Meer unterwegs, als das Schiff infolge einer Explosion auseinander brach und sank. Dabei starben 46 Seeleute. Danach gab es die unterschiedlichsten Gerüchte über die Ursachen des Untergangs des Kriegsschiffes.

Eine internationale Ermittlergruppe untersuchte den Vorfall und kam zu dem Ergebnis, dass die Cheonan durch einem nordkoreanischen Torpedo versenkt wurde. Washington und der UN-Sicherheitsrat akzeptierten diese Erklärung und verurteilten Vorfall scharf – allerdings ohne Nordkorea namentlich zu nennen.

Jetzt zweifeln immer mehr internationale Experten das Untersuchungsergebnis an. Angeblich hat sich die schwedische Delegation, die Mitglied der internationalen Ermittlergruppe war, geweigert, den Schlussbericht zu unterzeichnen. Die Havarie-Kommission in Stockholm will das weder bestätigen noch dementieren. Die beteiligten Experten befänden sich im Urlaub und der Delegationsleiter sei auf einem Segelschiff unterwegs und könne nicht erreicht werden.

 

Japanische Wissenschaftler widersprechen der offiziellen Version

Der japanische Politologe Suh Jae-Jung und sein Kollege, der Physiker Lee Seung-Hee, stellten kürzlich in Tokio ihre Analyse des Berichts der Untersuchungskommission vor. Wesentliche Aussagen und Bewertungen waren:

  • Weder Ort noch Zeit des Untergangs stehen eindeutig fest.

  • Den von den Experten festgestellten sogenannten Bubble-Effekt, eine von einem Torpedo ausgelöste wuchtige säulenförmige Wasserdruckwelle, hat es nicht gegeben. Ein solcher Effekt hätte dem Rumpf eine weiträumige, sphärische Delle zugefügt und danach wäre das Schiff an einer anderen Stelle auseinandergebrochen. Für einen solchen Bubble-Effekt war der Schiffsrumpf zu wenig beschädigt, und es wurden am Meeresboden auch nicht viele kleine Trümmerteile gefunden, wie das bei einem solchen Effekt üblich ist.

  • Auf Grund der Schäden am zwischenzeitlich gehobenen Wrack der Cheonan kann eine Explosion im Schiff und ein Treffer durch ein Geschoss ausgeschlossen werden.

  • Kein normales Gericht würde die Belege der Ermittler für einen Indizienbeweis akzeptieren.

Auf die Frage, ob es ein amerikanisches Torpedo gewesen sein könnte, der das Schiff versenkt hat, sagte Suh:

„Ich kann mit gleicher Sicherheit sagen, es war kein amerikanischer Torpedo, wie ich sagen kann, es war kein nordkoreanischer Torpedo. Weil es kein Torpedo war“.

Die Aussagen der Überlebenden und der Zeugen auf einer nahen Insel sprächen auch dagegen, weil es keine, bei einem Torpedoangriff übliche, Schockwelle gegeben habe.

Der Physiker Lee Seung-Hee unterstellt den Ermittlern sogar, sie hätten die Materialuntersuchungen gefälscht. Die gefundenen Reste von Aluminiumoxyd an der Cheonan, die das Schiff mit einem nahe der Untergangstelle geborgenen Torpedo-Wrack in Verbindung bringen sollten, hält er für Korrosionsschäden. Er stellte außerdem die Frage, warum an diesem Torpedo die Farbe einer handgeschriebenen Markierung „Nummer 1“ frisch sei, während der Lack des Torpedopropellers daneben völlig verwittert sei. Die beiden japanischen Wissenschaftler fordern Südkoreas Regierung auf, die Untersuchung über den Untergang der Cheonan neu aufzurollen.

Die USA und Südkorea nahmen zu den Aussagen der japanischen Wissenschaftler keine Stellung, sondern forderten stattdessen Nordkorea am 21. Juli 2010 auf, die Torpedoattacke zuzugeben. Pjöngjang weist nach wie vor jede Beteiligung am Untergang der Cheonan zurück.

 

Bewertung

Die USA wollen schärfere Sanktionen gegen Nordkorea durchsetzen. Sie sollen sich vor allem gegen das Regime in Pjöngjang richten und besonders natürlich gegen das Atomwaffen- und Raketenprogramm des Landes. Um diese Sanktionen im Weltsicherheitsrat durchsetzen zu können, scheint den USA jedes Mittel recht zu sein.

Doch Washington hat ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Auch in der internationalen Staatengemeinschaft kennt man den Spruch: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Und die USA haben in der Vergangenheit mehrfach massiv die Unwahrheit gesagt, um ihre politischen Ziele durchzusetzen. Dafür drei besonders eklatante Beispiele:

  1. Angeblich war am 1. August 1964 der amerikanische Zerstörer USS Maddox im Golf von Tonkin von nordvietnamesischen Schnellbooten angegriffen worden. Dieser Zwischenfall wurde letztlich zum Auslöser des Vietnam-Krieges. Heute steht zweifelsfrei fest, dass dieser nordvietnamesische Angriff nie stattgefunden hat.

  2. Am 2. August 1990 marschierten irakische Truppen in Kuwait ein. Im November 1990 zeigten die USA im Weltsicherheitsrat Bilder von irakischen Soldaten, die nach dem Einmarsch in Kuwait in einem Krankenhaus Säuglinge aus Brutkästen nahmen und auf den Boden warfen. In einem anderen Video wurde ein junge Frau gezeigt, die von einer besonders brutalen Vergewaltigung durch irakische Soldaten berichtete. Diese Videos gaben letztlich den Ausschlag für die Verabschiedung der UN-Resolution 678, die den USA auch den Einsatz militärischer Mittel gegen Saddam Hussein erlaubte. Sie wurde damit zur Grundlage der Operation Desert Storm. Nicht erst seit heute weiß man, dass beide Videos durch die amerikanische PR-Firma Hill and Knowlton erstellt wurden und nicht der Wahrheit entsprachen.

  3. Der Krieg im Irak und die bis heute fortdauernde Besatzung wurde 2003 mit den Massenvernichtungswaffen im Besitz des irakischen Herrschers Saddam Hussein begründet. Auch diese Behauptungen entsprachen nicht der Wahrheit. Der Weltsicherheitsrat wurde am 5. Februar 2003 durch den damaligen US-Außenminister Collin Powell, wissentlich belogen.

     

Zur Zeit können die Aussagen der japanischen Experten nicht abschließend bewertet werden. Fest steht jedoch, dass gerade Japan keinerlei Veranlassung hätte, Nordkorea in irgendeiner Weise zu unterstützen, weil Japan durch das Nuklearprogramm Nordkoreas sehr viel konkreter bedroht wird als beispielsweise die USA. Gerade deshalb sollte man die Aussagen der japanischen Wissenschaftler ernst nehmen und sorgfältig prüfen, bevor man dem Wunsch Washingtons nach härteren Sanktionen gegen Pjöngjang entspricht.

 

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