Lebensprozess und Mitteilung: Bewusstsein als Organ des Menschen

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Die Frage nach dem Bewusstsein stellt uns – gerade angesichts eines manchmal überzogenen Anspruchs der Neurowissenschaften – vor nicht geringere philosophische Schwierigkeiten als die nach dem Leben. Volker Gerhardt, der an der Berliner Humboldt-Universität Philosophie lehrt (Web-Präsenz), scheut die Erörterung dieser Fragen schon deswegen nicht, weil er der Versuchung endgültiger Antworten widersteht und also Fragen offen lässt. In vorliegendem Text überrascht Gerhardt zunächst mit der These vom Bewusstsein als einem „Organ“. Die noch überraschendere Beobachtung jedoch hebelt die scheinbar gängige – in Wahrheit von Internalismus und Idealismus verbreitete – Vorstellung vom Bewusstsein als Ausdruck einer „autistischen Binnensphäre des Selbstbewusstseins“ aus, denn für Gerhardt ist das Bewusstsein unser „Organ der Welterschließung“. Dass diese nur in der „Öffnung für anderes und Andere“ gelingen kann und so das Ich allein durch seinen Bezug zu einem Du Sinn bekommt, leuchtet unmittelbar ein, ist jedoch im philosophischen Diskurs nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Gerhardt spannt denn auch den Horizont der Fragestellung viel weiter auf, indem er nach dem wechselweisen Bezug von Subjektivität und Objektivität, Individualität und Universalität, privatem und öffentlichem Leben in ihrer jeweiligen Verbindung und Abgrenzung sucht. Der vorliegende Beitrag wurde von Volker Gerhardt am 16. April 2009 auch als Vortrag im Rahmen der Vorlesungsreihe „Funktionen des Bewusstseins“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gehalten. Von Prof. Dr. Volker Gerhardt

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Was vorüber schien, beginnt: zur Neugründung der Moses-Mendelssohn -Stiftung

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80 Jahre nach Gründung der ersten Moses-Mendelssohn-Stiftung zur Förderung der Geisteswissenschaften fand im Anhaltinischen Theater zu Dessau am 6. September 2009 die Feier zur Neugründung dieser Stiftung statt, die den Namen des großen jüdischen Aufklärers, Philosophen und Menschenfreundes trägt. Auch dies ist ein Erfolg, der auf das jahrelange geduldig-ungeduldige Bemühen von Eva Engel-Holland – der Herausgeberin der Mendelssohn Jubiläumsausgabe – zurückgeht.

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Zusammendenken und Zusammenleben. Alexander von Humboldt als Herausforderung für das Humboldt-Forum

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„Alles ist Wechselwirkung“ lautet eines der Axiome im Wissenschaftsverständnis Alexander von Humboldts, mit dem er gegen jegliches Systemdenken auftrat. Wechselwirkung zwischen Natur und Kultur, zwischen verschiedenen Kulturen und Zivilisationen, zwischen diversen Wissenschaften, Kunst und Geschichte – diesen Gedanken angemessen auszuschöpfen und aufzufüllen, wäre der Weg zu einer modernen, globalen Weltgesellschaft des 21.Jahrhuderts. Damit beschäftigt sich vorliegender Aufsatz von Ottmar Ette, dem wohl zur Zeit renommiertesten Alexander von Humboldt Forscher in deutscher Sprache. Ette ist seit 1995 Professor für Romanische Literaturwissenschaft an der Universität Potsdam. Neben zahlreichen Gastdozenturen in verschiedenen Ländern Lateinamerikas sowie in den USA war er 2004-2005 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seine Buchpublikationen zum Thema Alexander von Humboldt umfassen u.a. A.v.Humboldt: Reise in die Äquinoktial-Gegenden (1991), Weltbewusstsein. Alexander von Humboldt und das unvollendete Projekt einer anderen Moderne (2002) sowie Alexander von Humboldt und die Globalisierung (2009). Von Ottmar Ette

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Die Einheit des Wissens – zum Verhältnis von Natur- und Geisteswissenschaften

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Das Jahr der Geisteswissenschaften klingt langsam aus, man kann beginnen, erste Resümees zu ziehen. Dies leistet Prof. Volker Gerhardt im vorliegenden Text „Einheit des Wissens“, der thesenartig die Einheit von Geistes- und Naturwissenschaften wissenschaftshistorisch und philosophisch beleuchtet. Der Blick in die Geschichte – und hier vor allem auf die griechische Antike – unterstreicht und verstärkt dabei nur das leidenschaftliche Plädoyer für einen „Neuanfang der Geisteswissenschaften“, zu dem Volker Gerhardt aufruft.Volker Gerhardt hat diesen ausführlichen Text dankenswerterweise SOLON-line zur Verfügung gestellt. Eine kürzere Version ist in „Aus Politik und Zeitgeschichte“ 46/2007, der Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, erschienen.

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Humboldt ist tot – es lebe Humboldt

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Im Rahmen des „Jahres der Geisteswissenschaften“ veranstaltete der Deutsche Kulturrat am 26.09. und 27.09.2007 in Berlin einen Kongress unter dem Titel „Kultur als Arbeitsfeld und Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler“. Unterstützt wurde der Kongress vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Gerda Henkel Stiftung. Das Kulturbüro der EKD stellte als Kooperationspartner die Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt als Tagungsort zur Verfügung. In diesem kulturhistorisch ansprechenden Ambiente wurde diskutiert, wie sich der Kulturbereich als Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler verändert, welche Qualifikationen von Geisteswissenschaftlern erwartet werden und welche Beschäftigungsmöglichkeiten es gibt. von Maria Schmitz

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