Worum es uns geht

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Im Jahr 2012 erscheint dieses Online-Journal mit neuer Redaktion und mit einer neu gestalteten Seite. Der Name Solon aber bleibt. Mit Solon ist nicht nur der Name des „weisen Gesetzgebers“ und Begründers der griechischen Demokratie verknüpft. In der Suche nach Weisheit und Gerechtigkeit reiht er sich ein in die großen Philosophen Ägyptens, des Zweistromlands, Indiens und Chinas, wie z. B. Kohelet, Salomon, Buddha oder Konfuzius. Ohne sie wäre das griechische Erbe gar nicht zu denken und es ist weder weise noch gerecht nur in einer dieser Linien – also ihren Mythen, Begriffen und Methodiken – die beste oder gar einzige Möglichkeit zu Weisheit und Gerechtigkeit zu sehen.

Das Online-Journal Solon verpflichtet sich mit seiner Namensgebung, den Fragen von Berührung und Begegnung verschiedener Traditionen und Kulturen große Bedeutung einzuräumen, hierbei jedoch weder der einseitigen europäischen Zuordnung von Philosophie, Religion und Kultur zu folgen, noch den Weg desritualisierten und sinnentleerten sogenannten „Dialog der Kulturen“ zu gehen. Das Solon-Journal betrachtet es jedoch als eine seiner wichtigen Aufgaben, in den großen Erzählungen der Menschheit, ihren Mythologien, nach Gemeinsamkeiten und Differenzen zu suchen und ihr Lernpotential für die heutige Zeit und die zu bewältigenden Probleme in ihr zu heben.

Weisheit erreicht der Mensch wohl erst jenseits des Wissens, wobei uns die Einsicht in das Vorläufige und Unzulänglichedes Wissens sowie die Vorrangigkeit des Noch-Nicht-Wissens, des nur verstandesmäßigenWissens, zu je neuen Fragen bewegt und sich zugleich anderen Formen des Wissens öffnet, die z.B. durch Gefühle und sinnliche Wahrnehmung gewonnen werden. Das Offenhalten der Antworten und Fragen als Methode des philosophischen Diskurses möchten wir in unserer Rubrik Philosophie und Kunst zur Sprache bringen, in der wir uns Themen der Dialogik, der Ethik sowie des Zusammenwirkens von Kunst und Philosophie widmen.

Gerechtigkeit lässt sich nur als Aufgabe formulieren – dieser Anspruch soll sich in unseren kritischen Texten zur Theorie der Demokratie und des Hegemonialen in der Politik und Ökonomie zeigen. Darüber hinaus erscheint Gerechtigkeit als Spur der Güte, und so soll die Ahnung um das Gute in den hier veröffentlichten gesellschaftlichen und politischen Themen zumindest als Spur lesbar sein.

Kollektive Gedächtnisse sind Prozesse der Identitätsbildung, der Projektion, Aneignung, Enteignung und der Bildung von Feindbildern. Sie ermöglichen Völkern, sich ihrer Geschichte bewusst zu werden und Lehren aus der Vergangenheit für ihre Zukunft zu ziehen. Zugleich begrenzen sie die Möglichkeit des Neben- und Miteinanderbestehens, des Mannigfaltigen und Verschiedenen. Dieses Themenfeld fragt beispielsweise nach dem Wechselverhältnis zwischen dem „Orient“ und dem „Okzident“, nach verdrängten Phantasien, Wunschbildern und Projektionen über den „Fremden“.

Begriffs- und Theorienbildung im naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Bereich erfasst lediglich Teilbereiche der Vielheit von Bedeutungen bzw. Sinngehalten . Welche Folgen aus diesem nicht zu behebenden Mangel für Mensch und Natur entstehen, in welcher Weise andere kulturelle Traditionen und Sprachen mit dieser Unzulänglichkeit umgehen, ist ein weiteres Themenfeld des Solon-Journals.

Aktuelle Themen zu behandeln widerspricht diesem sehr umfassenden Ansatz der gerade geschilderten Felder nicht, gleichwohl sie einen kleineren Anteil der Beiträge hier ausmachen wird. Wichtig ist, dass diese aktuellen Themen nicht nur ein kleines Fachpublikum ansprechen sollen, sondern den Blick über das Thema und die Nachricht selbst öffnen sollen. Sie sollen auch Nicht-Fachleute neugierig machen und zu Diskurs und Reflexionanregen.

Autoren, die zu diesen Themen neue Ansätze und Denkwege beschreiten wollen – sei es aus philosophischer, naturwissenschaftlicher, religiöser, künstlerischer, politischer oder ökonomischer Perspektive und aus dem Blickwinkel unterschiedlicher wissenschaftlicher Ansätze –, laden wir zur Publikation ihrer Arbeitsergebnisse im Solon-Journal herzlich ein. Ihnen wollen wir in Zeiten eines vom Niedergang bedrohten „freien Journalismus“ ein Forum bieten, in dem sie ohne ideologische Scheuklappen und ohne sinnverkürzende Wortzahlbegrenzungen publizieren können.

Wenn es so etwas geben sollte wie „unsere Ansicht“, so besteht sie vor allem darin, in Methodiken und begrifflichen Systemen Werkzeuge zu sehen, die das Denken zwar beeinflussen aber nicht dominieren dürfen. So findet der Leser im Solon-Journal bereits jetzt Aufsätze über Demokratie und Arten der Repräsentation des Souveräns in einer Demokratie, Aspekte der Informationssicherheit und ihrer Bedeutung für die Bürgerrechte im Netz, eine ganze Reihe von Buchrezensionen, Artikel über aktuellere Entwicklungen und Ereignisse. So vielfältig wie die Themen sind auch die Methodiken derer sich die Autoren bedienen: Von essayistisch-diskursiv, über nüchterne Lageeinschätzung und Analyse, engagiert-streitbare Standpunkte und Kommentare, diskursive Interviews, literarisch erzählend Texte und vieles mehr.

Es ist unbestreitbar, dass das Web 2.0 bereits sehr viele gute Blogs hervor gebracht hat. Wir teilen mit allen diesen Autoren den Eifer und das Streben nach guten und lesenswerten Beiträgen, aber wir verstehen uns nicht als Blog im Sinne von kurzweiligen Beiträgen bzw. Beiträgen nur zu einem eingeschränkten Themenbereich – gleichwohl schätzen wir die Funktionen der Blog-Software zum Diskurs und Austausch mit den Lesern. Scheuen Sie sich als Leser nicht, diese Funktionen ebenfalls zu nutzen und diese Seite damit mit Leben zu füllen. Ferner freuen wir uns in den „Blog-Rolls“ anderer Blogs erwähnt zu werden und wir nehmen gerne andere Blogs in unseren Blog-Roll auf, so es genügend Berührungspunkte mit unserem Blog gibt.

Die bisher noch kleine Gruppe Autoren, die aus ganz unterschiedlichen Richtungen hinsichtlich ihrer Interessen und Themenschwerpunkten das Wagnis eingegangen sind, dennoch gemeinsam zu publizieren, freut sich über neue Autoren, die einmalig oder regelmäßig unserer Einladung zum Schreiben im Solon folgen. Beiträge sind nicht zeitlos der Weisheit letzter Schluss, aber sie sollen im Moment des Schreibens schon das Beste sein, was der Autorin oder dem Autor möglich ist.